„Niemals gehst du so ganz“

Andreas Hartmann von der SG HNU spricht über 40 Jahre im Fußball

Andreas Hartmann
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Ohne Fußball geht es nicht: Andreas Hartmann, Trainer der SG Herleshausen/Nesselröden/Ulfegrund blickt auf eine über 40-jährige Karriere zurück.

Er hat rein sportlich betrachtet eine bewegte Existenz hinter sich gebracht, denn 40 seiner 46 Lebensjahre drehten sich bei Andreas Hartmann aus Breitau in irgendeiner Form um den Fußball.

Breitau ‒ Die Schuhe hingen bereits mehrfach am berühmten Haken, aber der Titel eines weithin bekannten Hits von Trude Herr, Wolfgang Niedecken und Tommy Engel – „Niemals gehst du so ganz“ – lässt sich haargenau auf Andreas „Andy“ Hartmann ableiten. Wir haben mit dem Spieler und Trainer über die Coronapandemie, seinen fußballerischen Werdegang und seine Liebe zur Königssportart gesprochen.

Herr Hartmann, wie gehen Sie als Trainer der SG Herleshausen/Nesselröden/Ulfegrund mit der Coronapandemie um?
Seit Anfang November befinden wir uns im Niemandsland, kein Training, keine Spiele, keine Treffen in größerer Runde. Das ist zermürbend, weil uns die soziale Komponente genau wie auch das Fläschchen Bier nach dem Freitagstraining fehlen, mit dem wir das Wochenende einläuten. Natürlich telefonieren wir viel miteinander, schreiben uns, haben eine Corona-Lauf-Challenge vor dem Hintergrund initiiert, dass Jung gegen Alt antritt und der Verlierer den Gewinner einen Abend lang bewirten muss.
Sehen Sie einen Hoffnungsschimmer am Horizont?
Ja, ich hoffe, dass wir im Juli wenigstens in Gruppen wieder trainieren können, Fakt ist, dass wir selbst bei guter körperlicher Fitness der Spieler nach der langen Pause mindestens sechs Wochen Mannschaftstraining benötigen, um auch die Abläufe wieder zu optimieren. Das heißt, vor August oder gar September wird kein Spielbetrieb möglich sein. Mein Trainerkollege Silvio Schlenz hat die Aufgabe übernommen, unsere Torhüter abwechselnd und im Einzeltraining zu stabilisieren. Und noch etwas: Unsere Jungs bilden eine starke Gemeinschaft, sie sind charakterstark und gehen herzlich und ehrlich miteinander um. Für mich sind das ganz wichtige Faktoren vom großen Ganzen, die mir derzeit wahrlich fehlen.
Können Sie sich in Ihren vier Jahrzehnten als Fußballer an eine ähnliche Situation erinnern?
Nein, natürlich nicht, ich denke, eine Aussetzung des Spielbetriebes in dieser Form ist einmalig. Noch nicht einmal punktuell waren wir Fußballer betroffen. Ich weiß allerdings, dass die Hallensportarten aufgrund der Ölkrise 1973 vor Probleme gestellt waren, weil damals bundesweit im November ein dreiwöchiges Fahrverbot an Sonntagen auferlegt wurde.
Sie sagten bereits, dass Sie im Notfall auch weiterhin die Schuhe anziehen würden. Ist das noch immer so?
Ja, wenn ich an mein letztes Spiel denke, das ich im September 2020 für HNU III gegen Pfaffenbachtal/Schemmergrund II absolvierte und beim 6:2-Sieg vier Tore von Michael Rabe vorbereitet habe, dann kommst du schon ins Grübeln, ob da auch mit 46 Jahren nicht doch noch etwas möglich ist.
Gibt es eine Mannschaft im Kreis, die Sie außer Ihrem Stammverein Ulfegrund sowie jetzt die SG HNU in besonderem Maße angezogen hat?
Da muss ich schon wieder mit einem Ja antworten. Das ist tatsächlich die SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund. Ich war noch 17, als mich der TSV Ulfegrund 1992 in die erste Mannschaft hochgeholt hat. Und nur eine Saison später bin ich, mit Ausnahme der Serie 1997/98, als ich beim FV Bebra in der Gruppenliga aktiv war, für neun Jahre zur SG ins Pfaffenbachtal gewechselt, ehe ich 2002 nach Ulfen zurückkehrte. Nach der Saison 2007 habe ich den ersten Versuch gestartet, die Fußballschuhe auszuziehen, doch zwei Jahre später kam Lars Ebeling vom VfL Wolfsburg wieder nach Ulfen und startete meine Rückholaktion.
Wie ich mich erinnere, mit großem Erfolg, oder?
Ja, wir durften 2011 noch mal den Aufstieg in die Bezirksliga bejubeln, mussten aber ein Jahr später nach der Niederlage in der Abstiegs-Relegation wieder in die A-Liga zurück. Der Gegner 2012 war wieder die SG aus dem Pfaffenbachtal. Unfassbar. Das war dann erneut mein offiziell letztes Spiel.
Sie waren auch als Jugendtrainer im Einsatz?
Auch hier ein Ja. Zwischen 2013 und 2015 habe ich das Jugendteam meines Sohnes Jonas gecoacht, was mir sehr viel Spaß bereitet hat. Und was bei der Jugend schon seit 1988 praktiziert wurde, das fand 2013 auch im Seniorenbereich ein festes Fundament: die Fusion der Vereine Herleshausen/Nesselröden mit dem TSV Ulfegrund.
Und wie sind Sie zum Trainerposten der ersten Mannschaft gekommen?
Ehrlich, dazu möchte ich nicht viel sagen. Es begann damit, dass mich Trainer Werner Heidemüller nach großen Personalproblemen 2017 in den Kader der ersten Mannschaft berufen hat, die ja in die Gruppenliga aufgestiegen war. Aber auch ich konnte den Abstieg nicht verhindern. Mit Manfred Radloff kam dann ein Trainer, der keinen Eingang zur Mannschaft fand. Letztlich waren es die Spieler, die den Vorstand darüber in Kenntnis setzten, was zur Trennung führte. Und so habe ich auf Bitte der Verantwortlichen am 4. Oktober 2017, einen Tag vor meinem 43. Geburtstag, das Amt übernommen.
Herr Hartmann, als B-Jugendlicher hatten Sie Kontakt zu einem Fußball-Weltmeister. Erinnern Sie sich noch?
Ja, die Stadt Sontra hatte dank der Kontakte ihres Büroleiters Gerhard Richter keinen Geringeren als Wolfgang Overath, den Weltmeister von 1974, eingeladen. Und ich gehörte zum kleinen Kreis und durfte tatsächlich bei diesem Empfang den Dialog mit dem Kölner suchen. (Harald Triller)

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