„Das ist brutal schwer“

Angelo Di Milo, Inhaber der „Box9“, über das Auf und Ab seit Corona

Angelo Di Milo
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In allen Bereichen trainiert: Angelo Di Milo kommt auch an der Stange mühelos zurecht. Der Inhaber der „Box9“ in Eschwege trainiert auf vielfältige Art und Weise.

Die vergangenen Wochen und Monate waren für Angelo Di Milo ein ständiges Auf und Ab.

Eschwege ‒ Vor Kurzem sicherte sich der 45-Jährige aus Eschwege den Titel des „Fittest Man“ in Deutschland seiner Altersklasse im Crossfit (wir berichteten). Dazu musste er aber auch mehrere Rückschläge wie eine Coronainfektion und die pandemiebedingte Schließung seines Studios „Box9“ in Eschwege verkraften.

Ereignisse, die nicht spurlos an ihm vorbeigingen. Doch Di Milo ist nicht nur in Sachen Sport ein echter Kämpfer – und blickt hoffnungsvoll in die Zukunft.

Aber der Reihe nach. Seit März vergangenen Jahres konnte Di Milo sein Fitnessstudio, oder seine „Box“, wie es im Crossfit eher heißt, kaum öffnen. Schuld ist die Coronapandemie. „Ich kann gar nicht in Worte fassen, wie sehr dich das psychisch beschäftigt. Dazu kommt noch diese Ungewissheit. Keiner weiß, wann es weitergeht. Das  ist brutal schwer“, führt Di Milo aus.

Gleichzeitig sagt er aber auch: „Da kann man niemandem Vorwürfe machen, ich verstehe, warum es so ist, wie es ist. Ich hatte selber Corona und hatte zum Glück keinen allzu schlimmen Verlauf. Das wünsche ich keinem.“ Nichtsdestotrotz sei es nicht einfach, wenn die große Leidenschaft im Leben, die noch dazu in Di Milos Fall Existenzgrundlage ist, einfach wegfällt. Und das auf unbestimmte Zeit.

Mut zur Neugründung

„Wäre ich nicht so umtriebig, wäre hier in der Box 9 unter Umständen die Messe gelesen gewesen“, sagt der 45-Jährige ehrlich. Und er fügt an: „Ich hatte die Wahl zwischen Insolvenz und etwas Neues machen. Also habe ich mich für die zweite Option entschieden.“

Heißt in diesem Fall: Di Milo, der schon Geschäftsführer der „Box9“ und der Einrichtung für Schülernachhilfe „Checkpoint MichelAngelo“ ist, gründete im November vergangenen Jahres ein drittes Unternehmen. „Gemeinsam mit meinem Geschäftspartner Fadi Hanna haben wir die DMG GmbH gegründet und helfen beispielsweise Kommunen bei der Digitalisierung ihrer Verwaltung“, erklärt Di Milo.

Seine große Leidenschaft, die „Box9“ und den Sport, hat Di Milo trotzdem nicht vernachlässigt. Täglich absolviert er in seiner Box Trainingsprogramme, teilweise fünf bis sieben Stunden am Tag. „Am Wochenende sind es vielleicht nur drei bis fünf“, fügt er mit einem Lachen hinzu.

Weiterhin bietet er seiner Community in der Box Online-Kurse an, verleiht Trainingsgeräte an Mitglieder seiner Box – und arbeitet zusätzlich an seinen zwei Unternehmen. „Ich habe halt keinen Job von acht bis 16 Uhr. Da geht der Tag auch schon mal von neun bis 21 Uhr“, berichtet Di Milo. Aber er mache das gerne. Denn: „Hinter all dem steckt eine riesige Leidenschaft.“

Damit er diese auch ausleben kann, ist Di Milo auf eine verständnisvolle Partnerin angewiesen – die er zum Glück gefunden hat. „Meine Freundin macht auch Crossfit und unterstützt mich da voll“, sagt Di Milo. Und das sei auch wichtig, denn: „Bei mir kommt nicht nur die Selbstständigkeit dazu, ich bin auch noch Wettkampfathlet. Wenn der Partner das nicht mitmacht und unterstützt – dann viel Spaß beim Single-Leben.“

Training für 2022

Stillstand kommt für den 45-Jährigen aus Eschwege also nicht in Frage. Auch deshalb trainiert er schon jetzt fleißig für 2022 – mit einem großen Ziel vor Augen. „Durch mein gutes Abschneiden bei der Crossfit Open konnte ich in diesem Jahr bei der Qualifikation für die Weltmeisterschaft teilnehmen. Da hat mir meine Coronainfektion einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erklärt Di Milo. Vier Wochen habe er in Quarantäne verbracht und nahm „völlig außer Form“ an der Qualifikation zu eben jener WM, den Crossfit Games, teil.

„Nur die besten 20 qualifizieren sich für die Endrunde in den USA. Da werde ich dieses Jahr nicht dabei sein, aber für die Zukunft wäre das geil. In den Vereinigten Staaten hat Crossfit einfach einen riesigen Stellenwert, da findet die Endrunde in einem Stadion vor tausenden Zuschauern statt“, schwärmt der 45-Jährige.

Also nutzt er die aktuelle Ruhe in seiner Box, um sich für das kommende Jahr in Form zu bringen. Ein von ihm individuell ausgearbeiteter Trainingsplan hilft ihm dabei: „Das ist wie hier in der Box9. Jeder, der hier trainieren möchte, bekommt einen von mir erstellten Plan und alle Hilfe. Wir sind hier eine Community, eine echte Gemeinschaft, da möchte ich jedem dabei helfen, das nächste Level zu erreichen.“

Pläne zur Öffnung

Di Milo hofft, dass er bald nicht mehr alleine in seiner Box trainieren muss. Sollte die Inzidenz im Werra-Meiner-Kreis weiter unter 100 bleiben, könnten schon bald die ersten Sportler wieder in die „Box9“ pilgern. „Außerdem machen mir die Impfungen Hoffnung. Wenn sich alles gut entwickelt, kann vielleicht Mitte bis Ende Juni unser Kursporgramm wieder starten“, erläutert Di Milo seine Pläne.

Auch wenn der 45-Jährige für sein eigenes Training hoch motiviert ist – die Rückkehr seiner Mitsportler würde ihn wohl noch mal zusätzlich pushen. Dazu sagt Di Milo: „Wir haben hier bei uns und generell im Crossfit eine wahnsinnige Gemeinschaft, der Sportsgeist ist hoch. Das ist einfach ein Lebensinhalt von mir und fehlt sehr.“ (Kevin Hildebrand)

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