Reitsport

Auch das Richelsdorfer Pfingstturnier ist gefährdet

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Ob Vorjahressieger Patrick Sandner von den Reiterfreunden Gut Mankartzhof auf Ambrosio d’Alcy am Pfings tmontag versuchen kann, erneut den Großen Preis von Richelsdorf zu gewinnen, weiß noch niemand. 

Einer der sportlichen Höhepunkte des Jahres im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist das fünftägige Pfingst-Reitturnier des RFV Richelsdorf.

Richelsdorf – Seit Jahren zieht es viele namhafte Reiter in den Wildecker Ortsteil. Die stellen dort ihre jungen Pferde vor und kämpfen mit ihren vierbeinigen Assen in den schweren Springen der Klasse S um Sieg, Platz und natürlich auch um Geldprämien und die gestifteten Sonderpreise.

Eine wichtige wirtschaftliche Komponente stellen Turniere aber in erster Linie für die veranstaltenden Vereine dar. In diesem Fall für den RFV Richelsdorf.

Der musste wegen Corona bereits sein für Anfang April geplantes Frühjahrsturnier absagen (wir berichteten). Und wie fest Corona das Leben der Menschen in Deutschland Ende Mai, Anfang Juni, wenn das große Pfingstmeeting ansteht, im Würgegriff halten wird, steht in den Sternen.

„Das große Pfingstturnier in Wiesbaden ist schon abgesagt“, sagt der ehemalige Klubchef Peter Kohrock, der dem Turnierausschuss seines RFV vorsteht. Er baut darauf, dass in acht Wochen in Richelsdorf geritten werden kann. „Wir würden das auch ohne Zuschauer durchziehen“, sagt er, „die Reiter sind heiß aufs Reiten.“ Eine lange Vorlaufzeit brauche man nicht: „Die Anlage ist in Schuss. Wir sind in der Lage, das auch kurzfristig durchzuziehen.“

Sollte es allerdings kein grünes Licht für das Pfingst-Reitspektakel geben, dann würde das schon ein großes Loch in den Jahresetat des RFV reißen, sagt Renate Kohrock. Sie gehört gemeinsam mit ihrem Mann zum engen Zirkel derjenigen, die seit Jahrzehnten die Geschicke des RFV lenken.

Wenn das Wetter mitspielt und viele Zuschauer die Anlage bevölkern, bleibe dem Verein über Pfingsten ein Gewinn zwischen 7000 und 8000 Euro, führt Renate Kohrock aus. Erwirtschaftet würden diese von den knapp 100 ehrenamtlichen Helfern, die regelmäßig im Einsatz sind, sagt sie.

Auch die Spenden würden eine bedeutende Rolle spielen. Über Pfingsten 2019 hätte allein der Verkauf von gespendetem Kuchen rund 1600 Euro in dieVereinskasse gespült.

Die Pfingsteinnahmen übersteigen laut Renate Kohrock sogar die Summe der moderat gehaltenen Jahresbeiträge, die von den 221 Mitgliedern eingezahlt werden. Erwachsene zahlen 40 Euro pro Jahr, Jugendliche 30. Davon gehen jeweils noch einige Euro an diverse Sportverbände und Versicherungen.

Die Richelsdorfer Turniere ziehen schon lange Reiter aus dem gesamten Bundesgebiet und aus einigen Nachbarländern an. Das liegt maßgeblich an der tollen Anlage, dessen Herzstück der 1996 gebaute Sandplatz ist. Von dem schwärmen die Aktiven Jahr für Jahr.

Peter Kohrock hatte schon vor 25 Jahren erkannt, dass die Zukunft der Reitturniere stark von den Bedingungen abhängt, die ein Veranstalter bieten kann. Er machte sich dafür stark, dass sein Verein entsprechend investiert. „Die Pferde werden immer wertvoller. Da gehen viele Reiter das Risiko, auf schlechten Plätzen zu starten, nicht mehr ein“, erklärt Renate Kohrock.

Die Rechnung ihres Mannes ging auf. Während andernorts viele Turniere starben, stiegen die Teilnehmerzahlen in Richelsdorf stetig an. Das hat seinen Preis. Rund 50 000 Euro Schulden muss der Verein, der vor einigen Jahren ein großes Klubhaus auf seinem Reitgelände errichtete, noch abstottern.

Auch deshalb wünschen sich die Kohrocks und ihre Mitstreiter, dass Richelsdorf zu Pfingsten wieder zum Reitermekka wird. Die Existenz des Vereins hänge davon allerdings nicht ab, betont Renate Kohrock.

VON THOMAS WALGER

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