Auf der Suche nach Rhythmus

Wie Fußballer des KSV Hessen und Handballer der MT Melsungen das Training steuern

KSV-Athletiktrainer Christian Bachmann mit den Spielern (von links) Nicolas Gröteke, Brian Schwechel, Lukas Iksal und Tim-Philipp Brandner.
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Vorbereitung aufs Haupttraining: KSV-Athletiktrainer Christian Bachmann (links) mit den Spielern (von links) Nicolas Gröteke, Brian Schwechel, Lukas Iksal und Tim-Philipp Brandner.

Wenn eine Saison normal läuft, dann ist die Trainingssteuerung bei Profiklubs und semiprofessionellen Mannschaften zwar auch nicht leicht – aber eben etwas leichter als in Coronazeiten. Die Regionalliga-Fußballer des KSV Hessen Kassel und die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen stehen aktuell vor einer besonderen Herausforderung: Beide wurden erst ausgebremst – und müssen nun wieder ihren Rhythmus finden. Wir beleuchten ihre Situationen.

Kassel – Wenn eine Saison normal läuft, dann ist die Trainingssteuerung bei Profiklubs und semiprofessionellen Mannschaften zwar auch nicht leicht – aber eben etwas leichter als in Coronazeiten. Die Regionalliga-Fußballer des KSV Hessen Kassel und die Bundesliga-Handballer der MT Melsungen stehen aktuell vor einer besonderen Herausforderung: Beide wurden erst ausgebremst – und müssen nun wieder ihren Rhythmus finden. Wir beleuchten ihre Situationen.

KSV Hessen: „Den Spielrhythmus zu finden, ist das größere Problem als die Trainingssteuerung“, erklärt Christian Bachmann. Der 29 Jahre alte Athletiktrainer ist seit dem Sommer verantwortlich für die Fitness des KSV Hessen Kassel. Seine Arbeit mit den Spielern habe sich in den vergangenen Wochen kaum verändert, sagt er. „Zu Saisonbeginn mit vier Englischen Wochen sind einige Spieler auf dem Zahnfleisch gegangen. Da lag der Fokus eher auf der Regeneration. Unser Glück ist, dass wir zuletzt fast durchgehend durchtrainiert haben“, erklärt der Kasseler.

Ihr letztes Pflichtspiel bestritten die Löwen am 31. Oktober, nach einer einwöchigen Trainingspause sind sie nun seit dem 10. November im regulären Trainingsbetrieb. Einziger Unterschied zum Saisonstart: Die Punktspiele sind (noch) ausgesetzt, erst am 12. Dezember geht’s für den KSV im heimischen Auestadion gegen Bayern Alzenau weiter.

Doch abgesehen davon läuft bei ihnen eigentlich fast alles so, wie es sollte – und somit anders als bei den von einer Quarantäne-Pause gestoppten Melsungern. „Wir sind in unserem normalen Wochenrhythmus“, sagt Trainer Tobias Damm.

Heißt: Die Mannschaft trainiert montags, dienstags, donnerstags und freitags jeweils nachmittags für 80 Minuten bis zum Einbruch der Dunkelheit eigentlich auf dem Rasenplatz an der Damaschkestraße. Und nur notfalls auf dem Kunstrasenplatz – so wie angesichts der nasskalten Witterung gestern. Damm erklärt: „Wir werden fast 90 Prozent unserer Punktspiele auf Rasen absolvieren – vorausgesetzt, es gibt keinen Wintereinbruch. Deshalb trainieren wir auch – soweit möglich – weiterhin lieber auf Rasen.“ Auf dem Kunstrasenplatz könnten die Löwen auch unter Flutlicht trainieren.

Bachmann gestaltet die ersten 25 Minuten der Einheit. Es geht ums Aufwärmen, um Verletzungsprophylaxe und die Vorbereitung auf das anschließende Haupttraining. „Ich bin kein Fan davon, nur zu laufen“, sagt er. „Ich variiere gern.“ Zum Beispiel stehen dynamisches Dehnen auf dem Programm oder bestimmte Farben auf Zuruf anzulaufen. „Das trainiert die Reaktionsschnelligkeit“, erläutert Bachmann.

Dazu kommt noch die Arbeit mit Gewichten, vor oder nach dem regulären Training. In Kleinstgruppen, entsprechend der Hygienestandards. „Ich bin ein großer Fan von kleinen Gruppen. Da bleibt Zeit für Gespräche und extra Tipps“, sagt er.

Die Löwen sind also bereit für die Rückkehr in den Spielbetrieb. Und am Samstag sind auch die spielfreien Wochenenden Geschichte. „Wir suchen einen Testspielgegner. Finden wir keinen, gibt’s einen internen Test über zweimal 45 Minuten“, kündigt Damm an.

Hohe Trainingsintensität: Die MT-Profis Felix Danner (links) und Finn Lemke.

MT Melsungen: Nach dem hart erkämpften Sieg am Sonntagabend gegen den Bergischen HC hätte wohl kein MT-Profi etwas gegen einen trainingsfreien Montag einzuwenden gehabt. Doch nach der Zwangspause ist an einen Tag ohne Übungseinheit nicht zu denken. „Es war eine lange Zeit ohne Handball. Wir haben einiges aufzuholen“, sagt Coach Gudmundur Gudmundsson. So ist ein freier Tag erst mal nicht geplant.

Seitdem die Melsunger vor einer Woche aus der 14-tägigen Quarantäne kamen, mussten sie an jedem Tag ran. Und in diesem Tempo geht es bis zum Bundesliga-Topspiel am Samstag ab 20.45 Uhr bei den Füchsen Berlin weiter. Eine Alternative haben sie angesichts eines engen Terminplans nicht. „Die Spieler wissen, dass sie diese Intensität auch benötigen“, erklärt MT-Athletikcoach Florian Sölter. Erschwerend kam allerdings hinzu, dass Kapitän Finn Lemke nach überstandener Corona-Erkrankung erst zwei Tage später einstieg und noch etwas behutsamer herangeführt werden musste.

Melsunger Athletiktrainer: Florian Sölter

So müssen sich Gudmundsson und Sölter zurzeit etliche Gedanken darüber machen, dass die Belastung für ihre Mannschaft nicht zu hoch wird. „Wir reden zurzeit praktisch über jeden noch so kleinen Schritt“, betont der Isländer. Was auch in der Partie gegen den BHC zu spüren war, als Gudmundsson – im Gegensatz zu vorangegangenen Begegnungen – Leistungsträger Kai Häfner schon nach einer Viertelstunde einmal auf der Bank durchschnaufen ließ. Und der Linkshänder hatte bis dahin den Gegner vor schier unlösbare Probleme gestellt und vier blitzsaubere Tore erzielt. (Michaela Streuff und Björn Mahr)

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