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Auf Rekordfahrt mit dem Velomobil

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Rekordversuch mit dem Velomobil: Der Braunschweiger Holger Seidel kommt am Samstag auf seiner Fahrt durch die Bundesrepublik durch den Landkreis.
Rekordversuch mit dem Velomobil: Der Braunschweiger Holger Seidel kommt am Samstag auf seiner Fahrt durch die Bundesrepublik durch den Landkreis. © privat

Hersfeld - Rotenburg – Mit einem Velomobil Deutschland von Süd nach Nord durchqueren und das in Rekordzeit – unter 33 Stunden – das versucht der Extremsportler Holger Seidel aus Braunschweig an diesem Wochenende. Dabei kommt er am Samstagabend auch durch den Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Hier Fragen und Antworten zu der Rekordfahrt.

Was versteht man unter einem Velomobil?

Das Velomobil sieht aus wie eine hypermoderne Seifenkiste, ist aber nichts anderes als ein muskelkraftbetriebenes Fahrzeug, das mit einer geschlossenen stromlinienförmigen Verkleidung ausgestattet ist, die den Fahrer vor Wind und Regen schützt. Wind, egal aus welcher Richtung, macht einem Velomobil nur wenig aus. Velomobile sind aus Liegerädern entwickelt, haben daher drei Räder, zwei vorne und eins hinten. Der Antrieb besteht aus konventioneller Fahrradtechnik. Das Fahrzeug ist für den Alltag komplett verkehrstauglich mit Lichtanlage, Blinkern und Hupe ausgestattet. Holger Seidel fährt ein konventionelles Modell, dessen Verkleidung aus Carbon besteht und nur 23 Kilo wiegt.

Wer ist Holger Seidel?

Seidel ist 48 Jahre, verheiratet, zwei Kinder, und stammt aus Braunschweig. Er ist seit 40 Jahren Radsportler, war zunächst Sprinter im Bahnradsport, dann Mountainbiker. Daneben war er auf mehrmonatigen Reisen weltweit auf zwei Rädern unterwegs. Als Geschäftsführer der Gesellschaft zur Förderung der Erlebnispädagogik absolviert er viele Strecken auch aus beruflichen Gründen im Velomobil. Seit vielen Jahren ist sein Schwerpunkt die Langstrecke. Er bestritt bereits Distanzen über 1000 Kilometern, darunter die Strecke Paris – Brest – Paris über 1200 Kilometer, allerdings nicht auf Zeit.

Welchen Rekord versucht Holger Seidel aufzustellen?

Seidel versucht, die Bundesrepublik von Süd nach Nord nonstop zu durchqueren – 1070 Kilometer in einer Zeit unter 32 Stunden und 59 Minuten. Diese Zeitvorgabe hat Roland Schell in 2018 aufgestellt. Das Rekordunternehmen läuft unter den Regeln der World Ultracycling Association, dem Weltverband für Rekordfahrten auf Fahrrädern. Die Fahrt wird durch Sponsoren und Spenden finanziert.

Was will er mit diesem Rekordversuch bezwecken?

Seidel versucht, auf klimaneutrale Mobilität mit seiner spektakulären Velomobil-Fahrt aufmerksam zu machen. Sie soll beweisen, dass Menschen nur mit Muskelkraft enorme Strecken zurücklegen können, wettergeschützt, vollgefedert und bequem.

Durch welche Orte verläuft die Strecke?

Der Startpunkt heute Morgen befand sich am Birgsauer Hof im kleinen bayerischen Ort Birgsau im Landkreis Oberallgäu, Bayern. Von dort ging es weiter über Oberstdorf, Ulm, Aalen, Würzburg, Fulda, Göttingen, Hildesheim, Braunschweig. Ziel ist die Grenze zu Dänemark an der Bundesstraße 5. Dann hätte Seidel genau 1075 Kilometer absolviert. Für die Rekordfahrt wurde eine möglichst flache Strecke ausgesucht, 5200 Höhenmeter sind insgesamt zu überwinden. Die Strecke orientiert sich an Straßen, die parallel zur Autobahn A7 führen. In Hessen geht sie größtenteils über die Bundesstraße 27. Auf der kompletten Strecke sind drei kurze Pausen vorgesehen – Tankstopps für das Begleitfahrzeug.

Führt die Tour durch den Landkreis?

Ja, Seidel fährt wahrscheinlich bei Einbruch der Dunkelheit durch das Kreisgebiet. Er fährt die Bundesstraße 27 von der Sennhütte bei Neukirchen nach Bad Hersfeld, wo er gegen 20 Uhr ankommen will. Auf er B 27 geht es weiter bis Blankenheim und Bebra, weiter über Solz und Cornberg Richtung Eschwege. „Die Strecken in Hessen sind am schwersten“, erzählt er am Telefon. „In der Rhön sind die meisten Höhenmeter zu überwinden.“ Trainingstouren führten ihn bislang von Norddeutschland bis in die Mainebene. Im Kreis Hersfeld hat Seidel zumindest einen Fan. Michael Rubke aus Beiershausen half ihm spontan bei der Streckenfindung im Kreis. Zwischen Friedlos und Blankenheim musste Seidel zum Beispiel eine Ausnahmegenehmigung beantragen, weil die B27 dort eine Kraftfahrstrecke ist.

Welche Geschwindigkeit hat Seidel eingeplant?

Wenn der Rekordversuch klappen sollte, ist ein Schnitt von 35 bis 40 Stundenkilometer notwendig, die kurzen Pausen mit eingerechnet. Er fährt mit einer Wattzahl zwischen 100 und 140.

Wie gestaltet sich das Fahren mit einem Velomobil?

Seidel gibt zu, dass ein Velomobil gewöhnungsbedürftig ist. Grundsätzlich ist man allein unterwegs. Unterhaltungen, wie bei normalen Rädern, sind aufgrund der Verkleidung nicht möglich. Überdies: Bis das Fahrrad auf Touren kommt, muss man schon kräftig in die Pedale treten. Hat das Bike seine Verkehrsgeschwindigkeit erreicht, wird es leichter. Schwierig wird es am Berg, am besten werden sie umfahren. Schlechte Straßen sind für Velomobile kaum geeignet. Es gibt extra Velo-Tourenkarten.

Gibt es weitere Rekordversuche mit einem Velomobil?

Ja, zum Beispiel Geschwindigkeitsrekorde. Spezielle Velomobile erreichen Spitzengeschwindigkeiten von über 100 Stundenkilometern.

Vom Hartmut Wenzel

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