Der Kasseler Rüdiger Seehof traf bei der WM 1965 in Finnland Eishockey-Legenden

Mit dem Auto in die Kälte

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Die ESG Kassel im Dezember 1967 beim Eishockeypokalspiel bei der Reserve des VfL Bad Nauheim. Das Spiel wurde beim Stande von 8:4 für Nauheim wegen eines körperlichen Angriffs von Ernst Barzykowski gegen einen der Schiedsrichter abgebrochen und für Kassel gewertet. Zu sehen sind (hinten von links) Jürgen Zores, Rüdiger Seehof, Siggi Kreft, Helmut „Hello“ Spohr, Werner Augustin, Josef „Beppi“ Reindl, Heinz Albrecht, Baldur Diechtl, Viktor Klement, Peter Anders, Jochen Luck, der verprügelte Schiedsrichter; (vorn) Willi Kurrat, Torwart Dieter Tripp, Frank Brosche, Dieter Euler, Werner Zores und ein Nauheimer Spieler.

Kassel. Bei einem Spaziergang am Küchengraben in der Karlsaue im Winter 1963 kam Rüdiger Seehof, Jochen Luck, Helmut „Hello“ Spohr und Viktor Klement die Idee, sich nach getaner Arbeit auf die zugefrorene Fläche in der Aue zu wagen.

Der Küchengraben war damals einer der Plätze, auf denen sich Kasseler, Kasselaner und Kasseläner zum Schlittschuhlaufen trafen.

Seehof erinnert sich, dass wegen der kalten Winter in den 60er-Jahren die Eisflächen in der Aue fast ideal waren. Der heute 72-Jährige hatte damals seine Leidenschaft für das Eishockey durch die Fernsehübertragungen von den Spielen der deutschen Nationalmannschaft entdeckt.

Und so fluteten die ambitionierten Eishockeyspieler kurzerhand die im Winter unbenutzten Tennisplätze des ESV Jahn: „Manchmal standen wir zwei bis drei Stunden in halbnassen Klamotten bei minus zwölf Grad im Aschrottpark, nur um die Eisfläche zu fluten.“

Seehofs Begeisterung ging sogar soweit, dass er 1965 die Strapazen einer zweieinhalbtägigen Autofahrt auf sich nahm, um zur Eishockey-WM ins finnische Tampere zu reisen. „Es war bitterkalt, aber selbst bei minus zwanzig Grad ist mein 3-Gang-Ford immer angesprungen“, erzählt Seehof. Der Kasseler hatte zwar Karten für alle Spiele der A-WM, die deutsche Mannschafte bekam er aber nicht zu sehen. Die war nämlich im Qualifikationsspiel gegen Norwegen ausgeschieden und nahm nur an der B-WM teil.

Der Begeisterung Seehofs in Finnland tat dies keinen Abbruch, zumal er zwei Eishockey-Legenden kennenlernte, die auch in der „Hall of Fame“ sind. Seehof traf den früheren kanadischen Profi Marshall Johnston und den kanadischen Eishockey-Pionier Pater David Bauer. Ein katholischer Priester, der Spieler und Trainer war. Mit beiden ließ sich der Kasseler damals vor seinem Ford ablichten.

Natürlich hat Seehof noch das eine oder andere alte Foto von früher. Unter andem auch ein Bild der ESG Kassel, die 1967 zum Pokalspiel bei der Reserve des VfL Bad Nauheim antreten musste.

Von Peter Fritschler

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