Vor Ort: Mehr als 800 Fans feiern deutschen Sieg im Badminton-Länderkampf

Hersfelder Hexenkessel

Er war am ersten Punktgewinn für Deutschland beteiligt: Marvin Seidel gewann im Badminton-Länderspiel gegen England das Mixed mit seiner Partnerin Linda Efler. Foto: Eyert

Bad Hersfeld. Mehr als 800 Zuschauer haben am Mittwochabend in Bad Hersfeld den 3:2-Sieg der deutschen Badminton-Nationalmannschaft im Länderkampf gegen England bejubelt. Einige Eindrücke.

DIE STIMMUNG

Es hat ja schon ein bisschen was von Partycharakter, was sich da am Mittwoch in der Hersfelder Waldhessenhalle abspielt. Moderator Heinz Bußmann, der mit seiner Veranstaltungsagentur AEP mit Sitz in Delmenhorst Wegbereiter des Events ist und sein insgesamt 89. Länderspiel organisiert, gibt zu Beginn den Dampfplauderer und heizt den Zuschauern ordentlich ein.

Das kommt an – obwohl der Waldhesse an sich ja nicht mit südländischem Temperament gesegnet ist. So ist schon Feuer unterm Dach, als beide Mannschaften gegen 19 Uhr zu Stehenden Ovationen in die Halle einlaufen. Und – passend zum 11.11. – gehen alsbald „die Hände zum Himmel“. Das Erstaunliche: Die stimmungsvolle Atmosphäre hält sich beinahe über die gesamten drei Stunden – auch als der Vergleich beim Stand von 3:0 für Deutschland bereits entschieden ist. Nicht wenige Besucher fühlten sich so wohl in die 90er-Jahre zurückversetzt, als sich die Handballer des TV Eitra in der Waldhessenhalle ihren Weg in die Bundesliga gebahnt hatten.

DIE SPIELE

Los ging’s mit dem Mixed, das Linda Efler und Marvin Seidel in zwei Sätzen (21:16, 21:13) gegen Matthew Nottingham und Emily Westwoddo für sich entscheiden. Nur im ersten Satz hat das deutsche Duo zwischenzeitlich Probleme, als es mit 4:8 zurückliegt. Dann aber zeigen sich die beiden als das komplettere Duo und siegen hochverdient. Auf dem zweiten Feld ringt währenddessen Luise Heim ihre Gegnerin Fontaine Chapman in zwei Sätzen nieder. Körperlich muss die 19-Jährige dabei zwar an ihre Grenzen gehen, doch das größere Schlagrepertoire gibt letztlich den Ausschlag. 20.10 Uhr: Deutschland führt mit 2:0. Dann aber geht’s erst richtig zur Sache: Im Herreneinzel zwingt Kai Schäfer Heißsporn Rhys Walker nach verlorenem ersten Satz in drei Durchgängen in die Knie. Der Brite zieht sich mit einigen unglücklichen Gesten den Unmut der Zuschauer zu – und so herrscht Gänsehaut-Atmosphäre, als der zähe Darmstädter im dritten Satz zielstrebig auf den Sieg zusteuert.

Dass sowohl Herren-, als auch Damendoppel anschließend an England gehen – geschenkt. Am Ende steht, wie tags zuvor in Siegen, ein umjubelter 3:2-Sieg.

DIE STARS

Sind zwar noch eher Sternchen – strahlen dafür aber schon ziemlich hell. Die Bundestrainer Anja Weber und Ingo Kindervater mussten auf eine Reihe erfahrener Akteure verzichten und sind mit einer ganz jungen Mannschaft nach Bad Hersfeld gekommen. Für Marvin Seidel (20, Bischmisheim) ist es das erste Länderspiel, für die 19-jährige Luise Heim vom BC Bonn das erste auf deutschem Boden. Routinier des deutschen Teams ist Kai Schäfer, der als Badminton-Profi in der Bundesliga für Düren aktiv ist.

DIE STIMMEN

Superlative, wohin man auch hört. „Ich bin überglücklich. Die Atmosphäre ist unglaublich hier“, schnauft zum Beispiel Luise Heim nach ihrem Einzelsieg ins Mikro von Heinz Bußmann. „Sehr, sehr geil“, jubelt Marvin Seidel nach dem Mixed-Erfolg. Und: „Vor diesem Publikum könnte ich wohl noch zehn Spiele machen.“ Kai Schäfer gesteht, dass er vor der großen Kulisse zunächst etwas nervös gewesen sei. Aber: „Ich kenne hier so viele Leute, und deshalb habe ich immer weiter und weiter gemacht.“

Und was sagen die Veranstalter? „Wir sind positiv überrascht, dass tatsächlich so viele Leute gekommen sind. Aber wenn man diese Stimmung sieht, haben sich unsere Mühen gelohnt. Eine super Sache“, freute sich Robert Simla von Gastgeber SG Bad Hersfeld.

Von Sascha Herrmann

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