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Wenn der Boden bebt

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Von: Torsten Kohlhaase

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Starker ACT-Schütze: Edin Redzepovic.
Starker ACT-Schütze: Edin Redzepovic. © Andreas Fischer

Draußen vor der Halle ist noch Vogelgezwitscher. Aber mit einem Mal ist man mittendrin. Ein lautes Wummern begleitet den Gang durch die Eingangstür. „Defense, Defense“, schallt es von der Tribüne, die Schläge auf die Pauken und Trommeln lassen den Boden erbeben. Heute geht es um viel, um fast alles.

Die U16-Basketballer der ACT wollen in den Playdowns der Jugend-Bundesliga unbedingt den Abstieg vermeiden, brauchen nach der Auftaktniederlage in Hamburg einen Sieg, um im Rennen zu bleiben. Dann würde es am 1. Mai zum entscheidenden dritten Duell erneut in die Hansestadt gehen.

Und die Kasseler legen los, als ob sie schon im ersten Viertel die Entscheidung herbeiführen wollen. Beim 9:7 sind die Gäste noch dran, dann folgen zehn Punkte in Folge zum 19:7. Die ACT verteidigt stark, lässt kaum etwas zu. Ein erster Dämpfer für die zahlreich mitgereisten Hamburger Anhänger. Doch ihre Hoffnung kommt schnell zurück. Zwei Dreier bringen die Sharks auf 14:21 und 19:22 heran, und plötzlich steht eine 23:22-Führung. Die Kasseler schütteln sich kurz und treffen dann auch durch Lennart Wright endlich für drei Zähler. Zwei weitere Freiwürfe des wieselflinken, 1,65-Meter-großen Shooting Guards, bringen zur Halbzeit eine wieder etwas beruhigendere 31:24-Führung.

Dann ist Pause. Durchatmen in der Emil-Junghenn-Halle. Am Kampfrichtertisch sitzt auch Ilse Kühn. Seit 1987 gehört sie zur ACT-Familie, seit 1994 ist sie Abteilungsleiterin. „Die Jungs machen es spannend heute. Ich glaube aber, dass sie es schaffen werden“, sagt sie. Trainer Emre Kazmierczak weiß, wo sich sein Team verbessern kann: „Von außen läuft es noch nicht so, wie wir uns das vorstellen. Da muss mehr Druck kommen.“

Der Druck kommt erstmal wieder von den Hamburgern, die sich auf 32:33 rankämpfen. Als der Kasseler Sebastian Rosenkranz nach seinem fünften Foul raus muss, schallt es aus dem Gästeblock: „In Hamburg sagt man Tschüss, das heißt auf Wiedersehn.“ Es wirkt fast wie ein Weckruf für die Nordhessen. Der mit 22 Zählern und 17 Rebounds punktbeste Maximilian zur Linde trifft per Fast-Break, der ebenfalls überragende Edin Redzepovic verwandelt einen Dreier zum 45:38. Ein weiterer Distanzschuss von Lennart Wright zum 50:41 ist der Auftakt zur Entscheidung. Die Hamburger sind völlig von der Rolle und treffen bis zum 67:41 keinen Korb mehr. Kazmierczak kann nun munter durchwechseln, am Ende kommen die Gäste nochmal ran, aber der 72:55-Erfolg gerät nicht mehr in Gefahr.

„Nach der Pause haben wir gute Pässe gespielt und viel getroffen. Wenn wir so auch im dritten Spiel in Hamburg auftreten, schaffen wir den Klassenerhalt“, sagt der 14-jährige Lennart Wright. Es ist ruhig geworden in der Halle, die Trommeln und Pauken des Gäste-Anhangs sind endgültig verstummt. Auch ACT-Coach Kazmierczak hat ein Lachen im Gesicht: „Das, was wir uns zur Halbzeit vorgenommen haben, ist perfekt aufgegangen. Wir haben wichtige Dreier getroffen und mit 55 zugelassenen Punkten eine starke Defensivleistung gezeigt.“ Und wie ist nun die Ausgangsposition für das entscheidende dritte Duell? „Wir haben ja bereits im ersten Spiel mit 26 Punkten geführt, sind dann aber aufgrund von Foulproblemen noch auf die Verliererstraße geraten. Das wird uns hoffentlich nicht mehr passieren“, so Kazmierczak.

Am Ende gehört die Halle dann den Jugendlichen, die bis zum Ende der Partie noch auf der Tribüne saßen und das ACT-Team angefeuert haben. Während die siegreichen Kasseler längst schon in der Kabine weilen, sind das Feld und die beiden Körbe von einer Traube Basketballbegeisterter eingenommen worden. Langsam aber sicher wird es nach dem Triumph dann ruhiger in der Emil-Junghenn-Halle. Auf dem Vorplatz waren ja ohnehin nur ein paar Vögel zu hören.

ACT: Zur Linde (22), Redzepovic (19), L. Wright (17), Cosic (7), Rosenkranz (4), K. Wright (3), Iskender, Jashanica, Edokpolor, Ehrenberg, Schütz

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