Rückblick auf 365 Tage mit Corona

Berg- und Talfahrt dauert weiter an - Saisonabbruch im Amateurfußball

Die Luft ist endgültig raus: Bereits zum zweiten Mal in Folge kann die Saison der Amateurfußballer im Werra-Meißner-Kreis nicht beendet werden. Schuld ist die Coronaviruspandemie.
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Die Luft ist endgültig raus: Bereits zum zweiten Mal in Folge kann die Saison der Amateurfußballer im Werra-Meißner-Kreis nicht beendet werden. Schuld ist die Coronaviruspandemie.

Saisonabbruch, Spielsystem-Reform, Saisonstart im Herbst, Pause, Saisonabbruch – so sah der Fußball für Spieler, Funktionäre und Fans in den vergangenen 365 Tagen im Kreis aus.

Am Wochenende kam zu dieser Berg- und Talfahrt der Abbruch der Saison 20/21 hinzu. Das entschied die Verbandsvorstandssitzung des Hessischen Fußball-Verbandes (HFV). Die im Herbst eingespielten Ergebnisse sollen annulliert werden, die Pokalwettbewerbe sind laut HFV nicht betroffen. Wir blicken auf ein Jahr, das sich wohl alle Beteiligten im heimischen Fußball im Werra-Meißner-Kreis niemals so hätten vorstellen können.

Spielsystem-Reform

Im Frühjahr 2020 war das Coronavirus die große Unbekannte. Zeitweise ruhte der Spielbetrieb von der Bundesliga bis in die Kreisligen. Im Mai folgte der Beschluss des HFV, die laufende Saison nach zwei Monaten Pause abzubrechen. Es gab Aufsteiger und keine Absteiger.

Wie kann Fußball unter Pandemiebedingungen im Kreis möglich sein? Diese Frage trieb die Funktionäre den Sommer über um, ehe es im August zu einer richtungsweisenden Entscheidung kam: der Anpassung des Spielsystems. Das Argument: Je mehr Spiele es gibt, desto größer die Gefahr, die Saison nicht beenden zu können. Ein weiteres Problem wäre die hohe Belastung bei einem engen Spielplan gewesen sowie die geringen Chancen auf Spielverlegungen.

Die Kreisoberliga wurde in zwei Gruppen geteilt, alle Teams sollten zwischen September und März zweimal gegeneinander spielen. Die besten drei jeder Gruppe hätten sich für die Meisterrunde qualifiziert, die übrigen neun Teams die Absteiger unter sich ausgemacht. Während in den Kreisligen A und C alles wie gewohnt blieb, wurde in der Kreisliga B im System wie in der Kreisoberliga gespielt.

Die Pandemie machte aber auch der Reform einen Strich durch die Rechnung. „Wir waren mit dem Fußballkreis Gelnhausen hessenweit ein Vorreiter“, sagt Kreisfußballwart Holger Franke. Natürlich sei man enttäuscht, dass man für die mutigen Entscheidungen nicht belohnt werde. „Das ändert nichts daran, dass ich sie noch immer für richtig halte und stolz auf unsere Vereine bin, dass sie den Weg mitgegangen sind“, so Franke.

Normalität im Herbst

Ein bisschen Normalität kehrte auf den Fußballplätzen im Kreis ab dem Spätsommer von der Verbandsliga bis in die Kreisliga C ein. Fußball war mit strengen Hygienekonzepten einige Spieltage lang möglich, musste aber bereits im Oktober wieder die Segel streichen, als die Inzidenzen stiegen. Aus der Pause kam man nun nicht mehr zurück.

Saisonabbruch 20/21

„Wenn zum zweiten Mal in Folge eine Serie abgebrochen werden muss, tut das weh und ist auch ein Stück weit frustrierend“, sagt Holger Franke. Dennoch glaubt der Kreisfußballwart, dass es alternativlos sei. Dafür habe auch gesprochen, dass die Vereine mit großer Mehrheit für einen Abbruch plädiert hätten.

„Nicht, weil sie die Lust auf Fußball verloren hätten, sondern weil ein Spielbetrieb auf absehbare Zeit nicht gewährleistet werden kann“, so Franke. Die Vereine bräuchten Planungssicherheit und letztlich stehe die Gesundheit immer an erster Stelle.

Und wie geht es weiter? „Zunächst einmal haben wir die Hoffnung und den Wunsch, unseren Kreispokal weiterspielen zu können. Der Wunsch der Vereine ist, dass die neue Spielrunde möglichst frühzeitig begonnen werden soll“, sagt Franke.

Weil man nicht genau sagen könne, wie sich die Pandemie entwickele, müsse man auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. „Schon jetzt müssen wir uns intensiv mit der Frage auseinandersetzen, wie wir insbesondere die Kinder und Jugendlichen im Fußballsport halten und Mannschaftsrückzüge vermeiden“, das werde laut Franke eine große Herausforderung.

Er selbst sei Anhänger des alternativen Spielmodells. Der DFB werde den Landesverbänden auch für die kommende Spielrunde die Möglichkeit eröffnen, Alternativen zu nutzen. Natürlich würden wieder die Vereine miteinbezogen. „Wenn es uns gelingt, auch in Zukunft so vertrauensvoll und solidarisch zusammenzuarbeiten, ist mir trotz schwieriger Bedingungen für die Zukunft nicht bange“, sagt der Kreisfußballwart. (Maurice Morth)

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