Das Zielfoto entschied

Bernd Jacob wird 70 - Sieger bei europäischen Jugendspielen 1966

Zielfoto: Bernd Jacob (ganz rechts) als Sieger.

Kassel. Es war vor 52 Jahren im September schon eine kleine Sensation, da waren die europäischen Juniorenspiele der Leichtathleten in Odessa am Schwarzen Meer. Damals in der Sowjetunion, heute gehört die Millionenstadt zur Ukraine.

Der 18-jährige Kasseler Bernd Jacob gewann dort am 24. September den 100-Meterlauf in 10,7 Sekunden. Das war der damaligen „Hessischen Allgemeinen“ eine Schlagzeile auf Seite 1 noch über dem Zeitungstitel wert. Heute wird Bernd Jacob 70 Jahre alt.

Es war nach dem Zieleinlauf lange nicht klar, wer den Sprint gewonnen hatte. „Ich war schon auf dem Weg aus dem Stadion“, erzählt Jacob. „Ich hatte mit einem Sieg nicht gerechnet.“ Der im Januar 2015 verstorbene Sportjournalist Gustav Schwenk kam dann auf Jacob zu und sagte, dass er gewonnen habe, „ich habe das Zielfoto gesehen“. Da war klar, dass der Sprinter des KSV Hessen Kassel Europas Schnellster war, vor Jochen Eigenherr (10,7) von der TG Höchst.

Dabei hatte alles nicht optimal begonnen. Bei den deutschen Juniorenmeisterschaften zwei Wochen vor Odessa in Essen hatte Jacob noch gegen Eigenherr verloren. Beide wurden nominiert und hätten beinahe doch nicht starten können.

Rekordquartett: Die erfolgreiche Kasseler Staffel von Bremerhaven 1965 mit (von links) Otto Kastl, Bernd Jacob, Trainer Paul Wachsmuth, Rainer Gau und Klaus Ehlert. 2 Fotos: HNA-Regiowiki

Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte zusammen mit den Franzosen, Italienern, Niederländern, Österreichern und Schweizern eine russische Aeroflot-Maschine gechartert, um die Athleten nach Odessa zu bringen. Der Flieger erhielt jedoch keine Landeerlaubnis, weil die Genehmigung zu spät beantragt worden war. Erst nach diplomatischen Bemühungen mit den USA, Frankreich und Großbritannien kam die Erlaubnis. Allerdings konnten die 75 Leichtathleten erst einen Tag später fliegen. Das führte dazu, dass die Wettkämpfe nicht wie ursprünglich geplant am 23./24. ausgetragen wurden, sondern erst am 24./25. September.

Die handgestoppten Bestzeiten Jacobs können sich noch heute sehen lassen: 10,4 Sekunden über 100 m, 21,1 über 200 m und 48,7 über 400 m. Und ein Weltrekord steht ebenfalls in den Annalen. Bei den deutschen Hallenmeisterschaften am 2. März 1968 in Stuttgart lief Jacob die 200 Meter in 21,6 Sekunden.

Bernd Jacob

Unter anderem wurde der Kasseler im Juli 1966 in Ulm deutscher Jugendmeister über 100 m (10,5), und am 1. August 1965 holte die Jugendstaffel des KSV Hessen in 42,5 Sekunden mit Landesrekord in Bremerhaven den nationalen Titel. Neben Jacob liefen Otto Kastl, später Vertragsfußballer, Rainer Gau, später Regionalliga-Handballer, und Klaus Ehlert. Trainer war Paul Wachsmuth, der Jacob nach der Entdeckung durch Cornel Holeczy betreute, später kam Erhard Schulze als Trainer dazu.

1969 stoppte ein Muskelabriss abrupt die sportliche Laufbahn Bernd Jacobs. Heute hält sich der frühere Banker durch Joggen fit – zusammen mit seiner Ehefrau Birgit. Für Bewegung sorgen auch die fünf Kinder seiner beiden Töchter.

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