Mehr als nur ein Kneipensport

Deutsche Billard-Meisterschaften in Bad Wildungen: Wir erklären die Disziplinen

Kassel. Ab Samstag werden in Bad Wildungen die besten deutschen Billardspieler ermittelt.  Fast jeder hat das Spiel wohl schon gespielt. Auch ohne jemals das Regelwerk gelesen zu haben, ist den meisten klar: Einer locht die „Halben“, einer die „Vollen“ – und am Ende einer die „schwarze Acht“.

Das Zubehör:

Queue 

Das Spielgerät besteht entweder aus Holz, Kunststoff oder Aluminium und ist zwischen 1,40 und 1,50 Meter lang. Auf seiner Spitze sitzt die sogenannte Pomeranze aus Leder. Sie wird vor und während des Spiels mit Kreide eingerieben. In Handarbeit gefertigte Profi-Queues bestehen teils aus mehreren verschraubbaren Elementen und kosten bis zu 2000 Euro.

Kreide

Billardkreide besteht zum größten Teil aus Quarz, außerdem sind ihr Farbstoff und ein Bindemittel beigemischt. Es gibt sie in verschiedenen Farbtönen, in der Regel wird mit der Farbe des Tischtuches gespielt. Die Kreide wird in Würfeln von etwa zwei Zentimetern Kantenlänge angeboten. Die teuerste kostet bis zu 30 Euro je Stück.

Der feine Zwirn

Billard- oder Snookerspieler müssen im Wettkampf im feinen Zwirn antreten. Vorgeschrieben sind je nach Verband eine schwarze Tuchhose, schwarze Socken und ebenfalls schwarze Schuhe sowie ein einheitliches Oberteil mit Vereinszeichen. Bei Verstößen drohen Strafen. Viele internationale Snooker-Stars sind nicht zuletzt für ihr elegantes Auftreten bekannt.

Der Billardsport hat allerdings deutlich mehr Facetten. Die drei Hauptdisziplinen –Pool-Billard, Snooker und Karambol – umfassen zahlreiche weitere und teils sehr verschiedene Varianten des Spiels.

Im vergangenen Jahr waren bundesweit etwas mehr als 30 000 aktive Vereinsmitglieder im Dachverband der Deutschen Billard-Union organisiert. Derzeit sind bundesweit 911 Vereine eingetragen. Allerdings haben diese in den vergangenen Jahren zunehmend mit Mitgliederschwund zu kämpfen: Im Vergleich zum Vorjahr traten fast 4000 Spieler aus ihren Vereinen aus. Experten wie der Präsident der Billard-Union, Michael John, gehen jedoch davon aus, dass die Zahl der Hobbysportler immer weiter steigt. In Deutschland gibt es mittlerweile aber auch mehrere internationale Profiturniere.

Wir erklären auf dieser Seite die wichtigsten Regeln und Aspekte der Sportart.

Pool Billard

Pool-Billard wird auf mit Tuch beklebten Tischen gespielt. Alle Kugeln haben denselben Durchmesser von üblicherweise 5,72 Zentimetern. Es gibt acht Vollfarbige, nummeriert von eins bis acht sowie sieben Gestreifte mit den Nummern neun bis 15.

8-Ball 

Das sogenannte „8-Ball“ ist die bekannteste Billard-Variante. Gespielt wird mit allen 15 Kugeln, die zu Beginn des Spiels zu einem Dreieck gelegt werden. Die schwarze Acht liegt dabei in der Mitte. Der Anstoß erfolgt aus dem gegenüberliegenden Tischviertel mit der weißen Kugel. Nach dem Anstoß wird mit der ersten korrekt versenkten Kugel ermittelt, welcher Spieler welche Farbe lochen muss. Kugel und Tasche müssen vor dem Stoß benannt werden – es sei denn, es ist offensichtlich. Wer zuerst seine sieben Kugeln gelocht hat, muss abschließend die schwarze Acht versenken und hat damit das Spiel gewonnen. Die Acht darf bei jedem Versuch neu angesagt werden.

9-BALL

Gespielt wird mit den Kugeln eins bis neun, die zu Beginn der Partie in Form einer Raute aufgebaut werden. Es muss immer die Kugel mit der niedrigsten Zahl angespielt werden, Kombinationen sind möglich. Wer zuerst die Neun versenkt, hat gewonnen.

14 und 1 endlos

Die Königsdisziplin: Beim „14 und 1 endlos“ zählt jede versenkte Kugel einen Punkt. Ein Spieler hat theoretisch unendlich viele Versuche – es sei denn er verpasst es, einen Ball zu lochen. Gespielt wird mit allen 15 Kugeln, die mit der Weißen versenkt werden. Wurden die ersten 14 Kugeln gelocht, bleiben die Weiße und die letzte Farbige an ihrer Position. Die versenkten Kugeln werden in Form eines Dreiecks ohne Spitze wieder aufgebaut. Anschließend darf der Spieler sein Spiel fortsetzen. Er muss allerdings sowohl das Dreieck sprengen, als auch eine Kugel lochen.

Karambol

Das auch als „französisches Billard“ bekannte Karambol ist die Disziplin mit den meisten Unterspielarten.

Freie Partie

Die „Freie Partie“ ist die Grundform dieser Disziplin. Auf dem Tisch befinden sich je eine weiße, gelbe und rote Kugel. Die Spieler versuchen, mit ihrem Spielball (weiß oder gelb) die beiden anderen mit einem Stoß zu treffen. Das kann auch auf indirektem Weg über eine, zwei oder mehrere Banden geschehen. Gelingt die „Karambolage“, erhält der Spieler einen Punkt.

Einband

Bei dieser Disziplin muss der Spielball, bevor er die letzte Kugel trifft, mindestens einmal eine Bande berührt haben. Gespielt wird bis zu einer bestimmten Anzahl Punkte.

Artistique

Es ist die spektakulärste Disziplin: Beim Artistique-Billard gilt es, vorgegebene Stöße nachzuspielen und je nach Schwierigkeitsgrad Punkte dafür zu erhalten. Für jede der „Figuren“ hat ein Spieler drei Lösungsversuche. Dabei wird nicht selten mit dem Publikum gespielt und gescherzt.

Kegel-Billard

Beim Kegel-Billard müssen die Spieler mittig auf dem Tisch platzierte Holzkegel zu Fall bringen. Mit einer Karambolage können dabei zusätzliche Punkte erzielt werden. Fehler werden mit Punktabzug bestraft oder die Punkte werden dem Gegner gutgeschrieben. Spielball ist beim Billardkegeln die rote Kugel, Punkte werden mit der weißen oder gelben Kugel erzielt.

Snooker

Gespielt wird auf einem großen Tisch mit einer Fläche von 3,56 mal 1,78 Metern. 15 rote Kugeln werden vor Anstoß zu einem Dreieck aufgebaut. Weitere sechs verschiedenfarbige Kugeln befinden sich an festgelegten Positionen auf dem Tisch. Versenkt wird immer eine rote Kugel im Wechsel mit einer Farbigen. Während die Roten in den Taschen verbleiben, kommen die Farbigen solange auf ihre angestammte Position zurück, bis alle Roten versenkt sind. Zum Abschluss werden die Farbigen in der Reihenfolge ihrer Werte (Rot 1 Punkt, Gelb 2 Punkte, Grün 3 Punkte, Braun 4 Punkte, Blau 5 Punkte, Pink 6 Punkte und Schwarz 7 Punkte) versenkt. Wer am Ende die meisten Punkte hat, hat gewonnen.

Von Anton Kostudis

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