Vor dem Pokalspiel Kassel gegen 96: Matthias Weise erinnert sich an seine Ex-Vereine

Pokalknaller im Kasseler Auestadion: Matthias Weise denkt an seine Profi-Jahre in Hannover. Auch für Hessen Kassel trug er das Trikot. Foto: Brandenstein

Gimte. „Mit 3500 Mark Brutto war ich 1994 vermutlich der billigste Zweitligaprofi überhaupt“, muss Matthias Weise noch heute etwas schmunzeln. Das war bei Hannover 96.

Mit dem Verein verbindet Weise seit seinen knapp 50 Zweitligaspielen über zwei Spielzeiten hinweg so einiges. Deshalb interessiert er sich auch besonders für das DFB-Pokalspiel am Sonntagabend bei Hessen Kassel. Auch im Trikot der Gastgeber hat er einiges mitgemacht.

Karten für das Spiel des Jahres in der Region hat Weise aber nicht besorgt, denn eigentlich stand am Sonntag für den Trainer des Tuspo Gimte das erste Punktspiel in der Bezirksliga an. Nach dem Rückzug von Bad Gandersheim wurde der Spielplan geändert. „Der Bessere soll ganz einfach gewinnen“, sagt Weise lakonisch.

Wenn er an seine Zeit in Hannover zurückdenkt, kommen ihm viele Geschichten in den Sinn. „Ich war natürlich erst mal baff, dass ich als damaliger Oberligaspieler der SVG Göttingen einen Profivertrag bekam“, erinnert sich der 46-Jährige. Damals war er immerhin schon 25, doch er musste nicht mal zum Probetraining. In einem Testspiel schaltete er den heutigen Schalke-Trainer André Breitenreiter aus. Das genügte 96-Coach Eberhard Vogel. „Ich wollte es dann auch unbedingt in den Kader schaffen und habe dafür alles gegeben“, erinnert sich Weise. Als bissiger Mittelfeldspieler unter dem neuen Trainer Rolf Schafstall erzielte er gegen Mainz 05 – damals mit Spieler Jürgen Klopp – sein erstes Zweitligator. Am Saisonende wurde es im Abstiegskampf für Hannover eng. Weises Treffer zum 1:0 am letzten Spieltag an der Essener Hafenstraße sorgte aber für Erleichterung. Breitenreiter sorgte für den Endstand. Anschließend wurde in Schafstalls Haus gefeiert. „Eigentlich hätte ich in Essen gar nicht spielen sollen“, so Weise, „aber mein Zimmergenosse Günter Hermann hat den Trainer überzeugt.“ Letztlich war die Aufstellung wohl richtig.

In der folgenden Saison übernahm Mitte November Peter Neururer das Kommando. „Ein toller Trainer“, schwärmt Weise. „Er war fachlich überzeugend, konnte dich zusätzlich motivieren wie kein Zweiter und war zudem sehr menschlich.“

Ein echter Pokalcoup blieb Matthias Weise verwehrt. Trotzdem kam ein Kribbeln auf, als er in der zweiten Runde vor fast 60 000 Zuschauern im alten Niedersachsenstadion gegen Dynamo Dresden auflaufen durfte. Das Ergebnis war weniger schön. Hannover verlor 2:3.

Haltung musste er auch im Trikot von Hessen Kassel bewahren. In der Zweitliga-Aufstiegsrunde 1991 wurde er im entscheidenden Heimspiel vor 25 000 gegen 1860 München eingewechselt. „Wir waren die bessere Mannschaft, aber nach dem späten 0:2 am Boden zerstört“, sagt Weise. Nach seiner Zeit in Hannover kehrte er noch einmal zurück und stand im Herbst 1997 in jenem Regionalligateam, das gegen den KSC II das letzte Spiel des FC Hessen Kassel bestritt. Der Klub war insolvent. „Damals gab es schon zwei Monate nach Saisonstart kein Geld mehr. Mein Glück war, dass ich in Kassel nebenher immer gearbeitet habe.“

Ein Andenken an seine FC Hessen-Zeit hat er bis heute in Form einer sechs Zentimeter langen Narbe am Handballen. Vor einem Gastspiel in Fürth hatte das Team keinen Trainingsplatz bekommen und ging kurzerhand in den Park. Dort wurden Weise einige Glasscherben zum Verhängnis. Vielleicht bringen diese Scherben dem KSV 18 Jahre später ja doch Glück.

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