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Zwei Tage als Bundesligist: die Eisstockschützen des KSV Baunatal

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Von: Lea-Sophie Mollus

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Sonst einheitlich: Wenn Erich Kuhn (von links), Roland Marx und Peter Dittmar mit dem Eisstock antreten, müssen alle die gleiche Kleidung tragen.
Sonst einheitlich: Wenn Erich Kuhn (von links), Roland Marx und Peter Dittmar mit dem Eisstock antreten, müssen alle die gleiche Kleidung tragen. © Lea-Sophie Mollus

Nach fast zehn Jahren haben es die Eisstockschützen des KSV Baunatal geschafft: Sie sind in die Bundesliga aufgestiegen.

Baunatal – Dass die Eisstockschützen es ohne richtiges Training zu diesem Erfolg gebracht haben, ist zwar bewundernswert, war so jedoch keineswegs gewollt. Aber von vorn.

Der traditionell aus Bayern stammende Sport funktioniert ähnlich wie Curling – nur ohne Besen. Auf einer Fläche von etwa 30 mal drei Metern stehen sich zwei Teams à vier Personen gegenüber – in der Mitte liegt die Daube, die an einen Eishockeypuck erinnert. Der etwa fünf Kilo schwere Eisstock wird Richtung Daube geschossen. Wessen Stock am nächsten an der Daube dran ist, gewinnt.

Weil sie keine Trainingszeiten mehr bekommen haben, spielen die Eisstockschützen nun auf Asphalt

Beim KSV Baunatal gibt es den Sport seit 1980, trainiert wurde in der Kasseler Eissporthalle – bis die Eisstockschützen vor rund drei Jahren unmittelbar vor der Pandemie aus der Halle „geschmissen“ wurden, wie Peter Dittmar, Leiter der Eissportabteilung, erzählt. Ganz so brutal, wie es sich anhört, war es aber nicht. Für die Randsportart mit aktuell 18 Mitgliedern zwischen 26 und 84 Jahren waren einfach keine Trainingszeiten mehr übrig.

Roland Marx
Roland Marx © Mollus, Lea-Sophie

Weil das für die Baunataler Eisstockschützen nicht das Ende sein sollte, wurde auf Asphalt umgeschwenkt. Das ist möglich, hat sich in der Sportart schon vor einigen Jahren eingebürgert und dazu geführt, dass inzwischen oft nur von Stockschießen die Rede ist. Statt einer Gummiplatte wird eine aus Kunststoff unter den Eisstock geklemmt – kein Problem also und auch nicht der Grund, warum das KSV-Team nicht trainieren kann: „Wir haben einfach keine Fläche“, sagt Dittmar.

„Unser Traum für das kommende Jahr wäre eine eigene Strecke“

Dabei sind die Anforderungen an einen geeigneten Untergrund gar nicht hoch. Eine ebene etwa 30 Meter lange Strecke reicht aus, Eckpunkte und die Markierung für die Daube werden mit Kreide gemalt und sind somit ebenso schnell auf- wie abzubauen. Das einzige Problem ist laut Schütze Roland Marx, dass die Strecke offiziell anerkannt werden muss, um einen Versicherungsschutz zu gewährleisten.

„Unser Traum für das kommende Jahr wäre eine eigene Strecke“, sagt Dittmar. „Oder eine zweite Eisfläche“, wie sie seitens der Stadt schon seit Längerem geplant ist, ergänzt der 79-Jährige.

Nach zwei Tagen als Bundesligisten sind sie nun wieder in der Oberliga zuhause

Nichtsdestotrotz haben es die Baunataler Schützen um Erich Kuhn, Roland Marx und Peter Dittmar geschafft, von der Oberliga in die Bundesliga West aufzusteigen. Das ist ihnen erstmals 1983 gelungen, danach noch einmal 1986, 2000, 2013 – und nun 2022. Das Kuriose daran: Die Bundesliga im Eisstockschießen wurde früher an einem, jetzt an zwei Tagen ausgetragen. Das heißt für die KSV-Mannschaft: Nach zwei Tagen als Bundesligisten sind sie nun wieder in der Oberliga zuhause. „Das ist uns egal“, sagt Dittmar. „Die höhere Liga ist ja auch mit Kosten verbunden.“

Wenn Kuhn, Marx und Dittmar irgendwann mit dem Schießen aufhören wollen – oder es sogar müssen, weil es keine Flächen gibt – haben sie Sorge, dass die Sparte in Baunatal ausstirbt. Die Nachfrage ist nicht mehr so groß wie früher: „Heutzutage kriegt man die Teams kaum noch voll“, sagt Kuhn, der auch als Schiedsrichter aktiv ist. In Nordhessen bilden die Eisstockschützen des KSV die einzige aktive Mannschaft in Nordhessen. (Lea-Sophie Mollus)

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