Weltmeisterin aus Sontra will in der Amateurklasse zu den Olympischen Spielen

Christina Hammer boxt nicht mehr als Profi

So kennt man die Sontraerin: Christina Hammer (rechts) dominiert ihre Gegnerinnen im Boxring. 27 Kämpfe hat sie als Profi bestritten, 26-mal gewonnen. Nun wird erst mal kein weiterer hinzukommen, sie hat sich in die Amateurklasse herunterstufen lassen. Archiv
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So kennt man die Sontraerin: Christina Hammer (rechts) dominiert ihre Gegnerinnen im Boxring. 27 Kämpfe hat sie als Profi bestritten, 26-mal gewonnen. Nun wird erst mal kein weiterer hinzukommen, sie hat sich in die Amateurklasse herunterstufen lassen. Archiv

Christina Hammer ist von der Profi- in die Amateurklasse gewechselt. Ein ungewöhnlicher Schritt. Was hat sie dazu bewegt?

Für große Schlagzeilen hat Box-Queen Christina Hammer aus Sontra in den vergangenen Monaten nicht wirklich gesorgt, nun aber haben sich in den vergangenen Tagen die Ereignisse überschlagen. Denn es scheint auf den ersten Blick ein wahrer Paukenschlag zu sein, der nun bekannt geworden ist. Die 30-Jährige beendet vorerst ihre Laufbahn im Profi-Boxen und hat sich in die Amateurklasse zurückstufen lassen. „Ich habe das Profi-Boxen verlassen und bin jetzt in der deutschen Nationalmannschaft des olympischen Boxsports. Road to Tokio.“ – so lautete ihr vor Kurzem verfasster Beitrag auf der Internetplattform Instagram, bei der sie ihre über 170 000 Abonnenten informierte.

Nun arbeitet sie im Boxzentrum in Münster, wird von Dima Pirushkin trainiert. Zur „Münsterschen Zeitung“ sagte sie: „Die meisten wechseln von den Amateuren zu den Profis. Ich mache es andersrum.“ Das Amateurboxen ist eine olympische Disziplin, als Profi ist man nicht berechtigt zu starten. Deshalb kehrte Hammer dem Profi-Dasein nun den Rücken, wie sie in der „Bild“ erklärte: „Olympia ist für jeden Sportler das Größte. Ich möchte die erste deutsche Boxerin sein, die eine Medaille mit nach Hause bringt. Ich möchte für Deutschland Geschichte schreiben“, so Hammer, die in Sontra aufgewachsen ist, bevor sie vor etwas mehr als zehn Jahren in Dortmund zum Profi und zur Weltmeisterin wurde.

War es das also mit der Karriere Hammers? Ihr ehemaliger Eschweger Trainer und Entdecker, die regionale Trainerlegende Robert Staar, den die Information der Rückstufung in den Amateurbereich aufgewühlt hatte, sagte im Gespräch mit der Werra-Rundschau: „Ich war schon sehr erstaunt, denn jetzt darf sie nicht mehr im Profi-Lager boxen, was sehr schade ist. Weltmeisterin kann sie also nicht mehr werden. Sie wird es sich aber gut überlegt haben. Tokio wird also wohl ihre letzte Chance, noch mal was zu reißen. Dafür drücke ich ihr natürlich die Daumen.“

Bei den von Hammer verfassten Kommentaren im Internet klingt ihre Herabstufung nicht so endgültig. Im Gegenteil. Vielmehr sehe sie eine neue Chance, von einem Schlussstrich will sie scheinbar nichts wissen. Unter anderem erklärte sie im Netz: „Ich trete nicht zurück, ich schließe mich lediglich dem olympischen Boxteam an. Nach Olympia komme ich zurück zu den Profis.“

Ich trete nicht zurück, ich schließe mich lediglich dem olympischen Boxteam an. Nach Olympia komme ich zurück zu den Profis.“

Christina Hammer

Der Weg zu den olympischen Spielen ist aber alles andere als leicht. Denn aus eigener Kraft scheint es in ihrer Gewichtsklasse bis 75 Kilogramm nicht klappen zu können, da ein Startplatz für die deutsche Nummer eins Sarah Scheurich vorgesehen ist und diese an der Olympia-Qualifikation in London im April teilnehmen wird. Dem Vernehmen nach wird Hammer lediglich eine Chance auf den Platz erhalten, sollte Scheurich bei ihren Auftritten scheitern. Dann könnte Hammer an der späteren Welt-Qualifikation teilnehmen.

Wie dem auch sei, ihre Klasse hat Christina Hammer am Wochenende schon bewiesen. Unmittelbar nach ihrem eingangs erwähnten Instagram-Beitrag ließ sie beim Round-Robin-Turnier in Köln Taten folgen. In ihrem ersten Amateurkampf seit über zehn Jahren gewann sie gegen ebenjene Sarah Scheurich nach Punkten – Scheurich hatte zuvor aber lange pausiert. Hammer soll sich dem Vernehmen nach in guter Form präsentiert und den Kampf dominiert haben.

Die 30-Jährige war stolz auf sich und schrieb nach ihrem Erfolg auf Instagram: „Yes, ich habe meinen ersten Kampf gegen Deutschlands Nummer eins gewonnen. Danke für die Unterstützung.“ Zudem bedankte sie sich bei ihrer Gegnerin Scheurich, die ebenfalls auf ihrem Instagram-Kanal sich zum Kampf äußerste und Hammer Respekt zollte: „Das war richtig geil heute! Starker Kampf und Glückwunsch an Christina für den Sieg (...).“

Zu den Gratulanten im Internet zählten ebenso Star-Moderator Steven Gaetjen, Box-Legende Regina Halmich und Ex-Bundesliga-Fußballer Mo Idrissou.

Als Profi gewann Hammer 26 ihrer 27 Kämpfe, zwölfmal durch K.o. Ihre einzige Niederlage setzte es ausgerechnet in ihrem größten Kampf: Im April 2019 trat sie in Atlantic City in den USA gegen die Amerikanerin Claressa Shields an, gegen die sie klar nach Punkten verloren hatte. Im Anschluss folgten Kampfansagen Hammers, die sich nach dem Verlust ihrer WM-Titel an Shields zurück auf den Thron boxen wollte. Ein erster Schritt in diese Richtung gelang ihr zum Ende des vergangenen Jahres, als sie im Supermittelgewicht den WIBF-Profititel gewann. Nun aber ist Christina Hammer, in deren Karriere es bis zum April 2019 immer steil bergauf ging, auf die Bremse getreten. Aber nur, um einen neuen Anlauf zu nehmen auf dem Weg nach oben.

Von Nico Beck

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