MT Melsungen, Kassel Huskies, KSV Hessen Kassel

Coronavirus in Kassel: Große Sportclubs besorgt - Droht Zuschauerausschluss in der Region?

In Vorfreude auf die Playoffs: Fans der Kassel Huskies.
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In Vorfreude auf die Playoffs: Fans der Kassel Huskies.

Die Auswirkungen der Krise rund um das Coronavirus erreichen in diesen Tagen auch den Sport. Wir blicken auf die MT Melsungen, die Kassel Huskies und den KSV Hessen.

  • Das Coronavirus sorgt für immer mehr Absage von Großveranstaltungen.
  • Auch derSport in Kassel ist betroffen.
  • Wir haben beim Handball-Bundesligisten MT Melsungen, den Kassel Huskies und dem Hessenligisten KSV Hessen Kassel nachgefragt.

Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern sollten vorerst abgesagt werden – diese Empfehlung von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Sonntag hat den Umgang mit dem Coronavirus auf eine neue Stufe gehoben. Zurzeit geschehe dies aus seiner Sicht immer noch zu zaghaft. „Angesichts der dynamischen Entwicklung der letzten Tage sollte das schnell geändert werden“, hatte der CDU-Politiker erklärt. 

Besonders aufmerksam hingehört haben bei diesem Satz die Vertreter der heimischen Sportklubs, die ihre Heimspiele vor mehr als 1000 Zuschauern austragen. 

In der DEL2 beginnt am Freitag mit den Playoffs die wichtigste Phase der Saison – die Kassel Huskies empfangen zum Auftakt Kaufbeuren, der Vorverkauf läuft gut. Die Fußballer des KSV Hessen Kassel sind stark in die Hessenliga-Restrunde gestartet, träumen mit ihren Fans vom Aufstieg. Handball-Bundesligist MT Melsungen hat bereits Kontakt zwischen Fans und Spielern unterbunden. Wie geht’s nun weiter?

So wirkt sich das Coronavirus auf die Kassel Huskies aus

Die Krisensituation rund um das Coronavirus trifft das Eishockey ausgerechnet vor der wichtigsten Saisonphase – den Playoffs. Denn am Freitag startet die K.o.-Runde. Die Kassel Huskies empfangen ab 19.30 Uhr den ESV Kaufbeuren. 4000 Karten sind für die Partie bereits verkauft. Natürlich verfolgen auch die Huskies die Entwicklungen aufmerksam. 

Stand Montagnachmittag gilt für sie das, was auch die DEL2 vorgibt und von Liga-Chef Rene Rudorisch so formuliert wird: „Momentan bereiten wir den Spielbetrieb für die Playoffs vor.“ Thomas Lange, Pressesprecher der Kassel Huskies, ergänzt: „Auch unsere höchste Priorität hat die Gesundheit von Spielern und Fans. Wir stehen in ständigem, engem Austausch mit der Liga. Sobald es neue Regelungen gibt, können und werden wir kurzfristig reagieren.“ 

Kassel Huskies und Corona: Lage in Kaufbeuren ist unklar

Unklar ist derweil die Lage in Kaufbeuren: Wie die Süddeutsche Zeitung am Montagabend berichtete, will die bayerische Staatsregierung Veranstaltungen mit mehr als 1000 Gästen wegen des Coronavirus zunächst bis Karfreitag (10. April) untersagen. 

Betroffen wären nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur dpa auch Eishockeyspiele. In der Serie auf vier Siege (best of seven) müssen die Kassel Huskies mindestens zweimal (15. März, 22. März), höchstens dreimal (27. März) in Kaufbeuren antreten. Hinter den Kulissen laufen derweil die Drähte heiß. Für Liga-Boss Rudorisch heißt das, ein Krisenmanagement nie da gewesener Art zu betreiben. 

„Der Status quo ist, wir sind in 1000 Gesprächen: ligaintern, mit der DEL, auch sportartenübergreifend.“ Als er das sagt, ist es Montagmittag. Den Zeitpunkt zu erwähnen ist wichtig, schließlich überschlagen sich derzeit die Meldungen rund um das Coronavirus. Fest steht nur: Die aktuelle Situation hat es noch nie gegeben, alle Beteiligten äußern sich deshalb bedächtig.

Coronavirus in Kassel: Gibt es Geisterspiele für die Kassel Huskies?

 „Einen Teil der notwendigen Entscheidungen haben wir ja selbst gar nicht in der Hand“, erklärt Rudorisch. Allein etwas entscheiden wird er ohnehin nicht. Kurzfristig könne beispielsweise eine außerordentliche Gesellschafterversammlung einberufen werden. Dazu müssten sich die Klub-Vertreter nicht einmal persönlich treffen, es ginge auch per Telefonkonferenz. 

„Final werden Schritte gemeinsam diskutiert.“ Hinzu kommt, dass es regional unterschiedliche Entscheidungen über die Ausrichtung von Spielen geben kann. Konkrete Gedankenspiele, welche Folgen das Coronavirus haben könnte, gibt’s von den Verantwortlichen öffentlich nicht. Im Fußball beispielsweise werden wohl „Geisterspiele“, also Partien ohne Zuschauer, am nächsten Spieltag Realität. Die Entscheidung darüber aber liegt nicht in den Händen der Klubs. „Ein Spiel ohne Zuschauer kann nur von den lokalen Gesundheitsbehörden angeordnet werden“, erläutert dpa.

Wirkt sich Corona auf die Kassel Huskies aus? Das sagt die Stadt

Vonseiten der Stadt Kassel gibt es keine konkrete Aussage bezüglich der Playoffs der Kassel Huskies. Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes, sagt neben dem Verweis darauf, besonnen zu reagieren und persönlich abzuwägen, ob man an größeren Veranstaltungen teilnehme: „In Abstimmung mit anderen Gesundheitsbehörden bewertet die Stadt Kassel die Lage fortlaufend und wird bei einer Änderung der Lage entsprechend reagieren.“ Die Playoffs sind auch für die Geschäftsführer wichtig. 

Die wirtschaftlichen Einnahmen aus den K.o.-Spielen bilden bei vielen Klubs einen wichtigen Faktor in der Bugdetplanung. Für die Kassel Huskies wären die Einnahmen ein Plus. Huskies-Geschäftsführer Joe Gibbs hatte sich vor kurzem im Interview mit unserer Zeitung so geäußert: „Wir planen wirtschaftlich immer ohne die Playoffs, um so finanziell auf gesunden Beinen zu stehen.

Coronavirus: Kartenvorverkauf läuft bei MT Melsungen weiter

"Wir wollen kein Spiel absagen oder vor leeren Rängen austragen“, sagt Axel Geerken. Der Manager des Handball-Bundesligisten MT Melsungen muss aber ebenso wie andere Profi-Klubs abwarten, was an anderer Stelle entschieden wird. „Wir stehen im ständigen Austausch mit den Behörden sowie der HBL.“ 

Hinter der Abkürzung HBL steckt die Handball-Bundesliga – das ist der für den Spielbetrieb zuständige Verband. In dessen Geschäftsstelle in Köln liefen gestern auch die Drähte heiß. „Es gibt viele offene Fragen“, erklärt HBL-Spielleiter Andreas Wäschenbach. Er ist froh, dass die Spiele am Wochenende trotz des Coronavirus noch gut über die Bühne gebracht wurden: „Das hätte auch schon ganz anders sein können.“ 

Durch das Länderspiel der deutschen Handballer am Freitag in Magdeburg ruht für eineinhalb Wochen der Spielbetrieb in der 1. Bundesliga. „Durchatmen können wir deshalb jetzt aber nicht“, stellt Wäschenbach klar. 

Corona in Kassel: MT Melsungen spielt Ende März wieder in der Rothenbach-Halle

Die MT Melsungen muss am 19. März nach Göppingen. Erstmals wieder in der Kasseler Rothenbach-Halle ist das Team am 26. März gegen Nordhorn gefordert. „Es ist derzeit nicht absehbar, welcher Status in mehr als einer Woche besteht. Denn der kann sich ja praktisch stündlich ändern“, erklärt Geerken. 

„Sollten Spiele vor leeren Rängen ausgetragen werden müssen oder gar gänzlich ausfallen, würden wir prüfen, ob sich daraus ein Versicherungsfall ergibt. Das aber ist erst möglich, wenn die Vorgaben der HBL oder der zuständigen Behörden feststehen, die diesen Fall eintreten lassen“. Aktuell läuft der Kartenvorverkauf bei der MT Melsungen normal weiter. 

Die Begegnung am letzten Spieltag gegen Kiel ist ausverkauft. „Es macht auch wirtschaftlich schon einen großen Unterschied, ob wir Zuschauer bei unseren Spielen haben“, betont Geerken. Sollte die MT Melsungen wegen Corona ein Geisterspiel austragen müssen, könnten dem Klub Einnahmen in sechsstelliger Höhe entgehen

KSV Hessen Kassel: Werden Spiele in der Hessenliga wegen Corona abgesagt?

Der Hessische Fußball-Verband (HFV) wollte am Montag (09.03.2020) noch keine Empfehlung abgeben, ließ aber verlauten, dass sich das jeden Tag ändern könnte. In der Hessenliga – der höchsten hessischen Spielklasse – beträfe ein Zuschauerausschluss allerdings ohnehin nur den KSV Hessen Kassel. Der KSV ist der einzige Verein, der im Schnitt auf über 1000 Zuschauer kommt (1404). 

Es folgt die SG Fulda/Lehnerz mit durchschnittlich 686 – nur bei den Osthessenderbys würden es mehr als 1000 Zuschauer sein, sagt der HFV. Von daher stehen die Löwen ziemlich allein da mit einem möglichen Problem des Ausschlusses, haben sich aber etwas überlegt. 

Trotz Corona: KSV Hessen Kassel wird alle Tribünen öffnen

„Wir werden die gesamte Kapazität des Stadions nutzen. Das ist das, was wir leisten können“, sagt Vorstand Jens Rose. Heißt: Der KSV Hessen Kassel wird trotz Coronavirus alle Tribünen öffnen. „Wir wollen proaktiv etwas machen. Wir haben im Schnitt keine 2000 Zuschauer, beim Derby am 21. März werden es sicher etwas mehr. Aber das Stadion hat mehr als 18.000 Plätze. 

So kann jeder, der Abstand haben möchte, sich einen Platz für sich suchen“, sagt Rose. Wenn das Stadion dennoch für Zuschauer gesperrt würde, dann sei es eben so. Für den KSV Hessen Kassel könnten Geisterspiele wegen des Coronavirus in Nordhessen aber einen erheblichen wirtschaftlichen Einschnitt bedeuten, sind die Zuschauereinnahmen doch mit in der Jahreskalkulation inbegriffen. 

Corona in Kassel: Entwicklungen müssen abgewartet werden

Eine Versicherung gegen mögliche Einnahmeeinbußen oder Erstattung der Tickets bei Absagen wegen des Coronavirus gebe es nicht, sagt Rose. „Das würde uns treffen wie jeden anderen Verein in dieser Liga“, sagt er. „Dann würde es darauf ankommen, ob wir Unterstützung bekommen oder ob man diejenigen, die nichts dafür können, im Regen stehen lässt.“ 

Rose ist allerdings optimistisch, dass es so weit gar nicht kommen wird. „Wir müssen die Entwicklung abwarten. Aber man muss immer in ein Verhältnis setzen, was ich an Platzbedarf und was ich an Zuschauern habe“, sagt der 59-Jährige.

red

Der Ex-MT-Melsungen Trainer Michael Roth ist positiv auf das Coronavirus getestet worden. Die typischen Symptome zeigen sich bei ihm jedoch nicht.

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