WAS MACHT EIGENTLICH? Ex-Handballtrainer Hans-Joachim Ursinus

Dankbar für ein zweites Leben

Gibt Anweisungen: Handballtrainer Hans-Joachim Ursinus.
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Gibt Anweisungen: Handballtrainer Hans-Joachim Ursinus.

Hans-Joachim Ursinus ist im Handballsport eine Trainer-Legende. Vor sechs Jahren war der heute 76-Jährige, der in Bad Salzungen lebt, schwer erkrankt.

Bad Salzungen – Hans-Joachim Ursinus ist viel unterwegs. Auch mit 76 Jahren. Sogar während der Pandemie. Wir erwischen ihn auf dem Handy in Erfurt, wo er Dr. Karsten Döring, den ehemaligen Präsidenten des Thüringer HC, besucht. „Bei mir dreht sich noch immer alles um Handball“, sagt Ursinus, die Trainer-Legende, und lacht.

Die Gegenwart

Hans-Joachim Ursinus, den alle, die ihn kennen, nur „Achim“ nennen, hat seit 2015 eine Firma (Ursus Management), die sich mit Handball-Management befasst. Ursinus vermittelt Spieler, veranstaltet Trainings-Camps für Kinder und Jugendliche und organisiert Trainingslager für Erwachsene. Dazu kommen Handball-Events, sowie Beratung von Spielern, Vereinen und Leistungsdiagnostik. Anfragen kämen vornehmlich aus Hessen, Mitteldeutschland und Bayern. Seit Neuestem betreibt er eine Homepage www.handballfueralle.de und hat eine gleichnamige Facebook-Gruppe gegründet, die mittlerweile annähernd 3000 Mitglieder hat.

„Durch Corona ist das Geschäftsmodell im vergangenen Jahr zwar so gut wie zusammengebrochen“, erzählt Ursinus. Der Kontakt über Facebook sei dafür aber umso ausgeprägter. „Geschäftlich gesehen kann ich hier zwar nur Vorbereitungen treffen, aber der soziale Kontakt tut während Corona schon gut“, berichtet Ursinus.

Karriere in Kürze

1966 gewinnt Ursinus, damals 21 Jahre alt, mit der DHfK Leipzig den Europapokal der Landesmeister. Nach dem Ende seiner Spielerkarriere steigt er 1974 bei Motor Eisenach, dem Vorgänger des ThSV Eisenach, als Trainer ein – und übt dieses Amt 18 Jahre aus. Es folgen Stationen beim VfL Günzburg, MT Melsungen, SG Werratal und Niestetal/Staufenberg. Von 2006 bis 2008 folgt ein zweites Engagement in Eisenach. Dabei rettete der erfahrene Coach die Thüringer vor dem Abstieg aus der Zweiten Liga.

Die Hersfelder Zeit

Auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg ist Ursinus als Trainer aktiv. 2009/2010 trainiert er den TV Hersfeld in der Oberliga. Die Trennung erfolgt 2010 nach internen Querelen. Ursinus und Verein haben damals nach Beendigung der Zusammenarbeit unterschiedliche Ansichten, was die Gründe anbelangt. Von 2012 bis 2014 coacht Ursinus den Hersfelder Erzrivalen Eitra/Oberhaun in Ober- und Landesliga.

Kontakt nach Bad Hersfeld hat Ursinus nur noch ab und an zu „Mister Netzwerk“ Reiner Birkel. „Es hat einfach nicht gepasst damals“, sagt Ursinus rückblickend – aber ohne Groll. „Wir haben in Hersfeld leider nicht die gleiche Sprache gesprochen. Und damit meine ich nicht den Dialekt“, flachst der Sachse.

Was er damit meint? „Wir hatten, was Mannschaft und Verantwortliche angeht, sportlich gesehen unterschiedliche Ansichten. Wenn man in den höchsten Ligen trainiert hat, lässt sich das schwer auf den Amateurbereich übertragen. Ich hatte eigentlich keine Chance“, sagt Ursinus. Und stellt klar: „Das soll jetzt aber nicht hochnäsig klingen.“

Die Krankheit

2014 erkrankt Achim Ursinus schwer. Eine Virus-Infektion greift sein Gehirn an. Meningoenzephalitis heißt der Feind, der damals die Herrschaft über Ursinus Körper für mehrere Monate übernimmt. Zehn Tage im Koma, zehn Wochen im Klinikum Eisenach, sechs Wochen Reha in Bad Liebenstein. Doch Ursinus gibt nicht auf. Will sein altes Leben zurück. „Ich musste mir alles neu erarbeiten. Aber da kamen mir mein Sportler-Herz und mein Wille zugute.“ Sprechen, Schreiben, Laufen, Auto fahren – Ursinus muss alles neu erlernen. Und er schafft es. Heute sagt er: „Ich bin dankbar für mein zweites Leben.“

Handball und Corona

Im Januar 2020 verbringt Ursinus seinen 75. Geburtstag bei der Handball-EM der Männer in Wien. Am 13. März leitet er in Eisenach im Fitnessstudio letztmals einen Kurs. Dann kommt Corona. „Im Profi-Handball sollte man es als Geschenk ansehen, dass man in dieser Zeit seinem Beruf nachgehen kann“, findet Ursinus. Finanziell sei es aufgrund der TV-Gelder eine Verpflichtung und alternativlos. Komplett anders sieht er die Situation im Amateur- und Nachwuchsbereich. „Das ist nach einem Jahr mittlerweile ganz schlimm. Für den Einzelnen, der seinem Sport nicht nachgehen kann, aber auch für die Vereine. Da gehen teilweise der Kontakt und die soziale Struktur verloren, Sportler springen ab, und im Nachwuchs brechen ganze Jahrgänge weg“, mein Ursinus.

Die Zukunftspläne

Zurzeit plant Ursinus Sport-Camps für Kinder und Jugendliche, die im Juli zunächst im hessischen Bad Homburg, aber auch in Sachsen und Thüringen stattfinden sollen. „Es geht hier um Bewegungsspiele im Freien. Nicht in erster Linie um Handball oder Fußball“, sagt er. Noch mal in einem Handballverein mitzuarbeiten, kann er sich nicht vorstellen. „Ich gehöre zwar dem Ehrenrat des ThSV Eisenach an, aber ich will mich da nicht aufdrängeln. Wenn jemand etwas von mir will, dann soll er mich fragen“, sagt Achim Ursinus. So kennt man ihn.

Hans-Joachim Ursinus zeigt den nächsten Spielzug an

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