Er nimmt an Wohnzimmer-Turnier der Profis teil 

Dartspieler Christian Bunse im Interview: „Das diskriminiert einige“

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Die Werkstatt ist sein Trainingsraum: Christian Bunse vor einem seiner Boards, die er bei sich Zuhause hängen hat. 

Vasbeck – Neues Dartsformat in der Coronakrise: Seit dem 17. April spielen die Profis auf der Home Tour ihres Weltverbands PDC übers Internet von Zuhause aus gegeneinander, die PDC und der Sender Dazn übertragen abends ab 20.30 Uhr live.

Als einziger Nordhesse spielt Christian Bunse (Diemelsee-Vasbeck) die Home Tour. Er ist als Inhaber einer Card der Professionell Tour automatisch startberechtigt. Bunse tritt am 2. Mai an, seine Gegner kennt er noch nicht. Die Tour sei etwas Historisches, sagt er im Interview.

Darts aus dem Wohnzimmer live gestreamt: Wie finden Sie die Idee der Home Tour des Profiweltverbands PDC?

Mein erster Gedanke war, dass die PDC das nicht für die Spieler macht, sondern fürs Marketing und natürlich die Fans. Ich halte es trotzdem für eine gute Idee.

Warum nicht für die Spieler? Weil es zwar Antrittsgeld gibt, aber kein Preisgeld zu gewinnen ist?

Ja, aber auch wegen der Auflagen. Ich habe eine Mail bekommen, in der es heißt, dass sich Spieler, die kein Englisch sprechen, nicht anmelden dürfen. Das diskriminiert einige. Sie können sich auch keinen Dolmetscher dazu holen, weil darum gebeten wird, dass man beim Spielen allein ist, um den Stay-at-home-Charakter zu erhalten.

Warum diese Einschränkung?

Man muss sich vor und nach den Matches mit dem Moderator ein wenig unterhalten. Er gibt Spielstände und Anweisungen durch oder wann ein Leg begonnen wird.

Sie machen trotzdem mit.

Als ich von der Home Tour gelesen hatte, da war ich mir noch nicht sicher. Aber gut, ich bin startberechtigt, und jetzt mache ich auch mit. Es ist ja auch etwas Historisches: So etwas gab es noch nie und wird es vielleicht nie wieder geben.

Wie haben wir uns den Wettkampf vorzustellen? Sie stehen in Ihrem Wohnzimmer und werfen auf das Board, auf das die Kamera gerichtet ist, die die Bilder live ins Internet überträgt?

Ich weiß noch gar nicht, wo ich werfen werde. Ich muss erst mal gucken, wo im Haus das WLAN am besten funktioniert – eventuell muss ich irgendwo extra ein Board aufhängen. Aber das ist egal. Wichtig ist: Es soll zuhause stattfinden, es soll professionell aussehen, das Board soll ein gutes und die Kamera so aufgestellt sein, dass dieses gut sichtbar ist. Dann muss man nur noch die Internetverbindung aufbauen. Die Regeln muss man keinem der Spieler erklären.

Sie befürchten nicht, dass einer den Abstand von Board und Oche, der Abwurflinie, einfach mal verkürzt?

Dass man besser trifft, wenn man näher dran steht, ist sowieso eher ein Mythos. Zu manipulieren, macht auch keinen Sinn. Man trainiert jahrelang, aus dem vorgeschriebenen Abstand zu werfen. Und dann ändert man das für ein Turnierchen? Nein. Das macht keiner.

Darts in Zeiten der Corona-Pandemie: Das bedeutet zumindest Training wie immer. Richtig?

Ja, außer, dass man auf Trainingspartner verzichten muss. Aber für uns ist es sicher am unproblematischsten. Wir können trainieren, wann wir wollen. Wenn ich etwa höre, dass nicht mal Golfspieler auf den Platz dürfen, dann ist für uns natürlich super.

Nutzen Sie die Zeit für vermehrtes Training, zumal Ihr Arbeitgeber für die Belegschaft Kurzarbeit anmelden musste? Oder schalten Sie erst einmal runter?

Eher Letzteres. Ich gehe etwas häufiger joggen als sonst. Und weil ich mehr zu Hause bin, stehe ich auch öfter am Board, trainiere aber nicht bewusst länger als sonst. Das hat auch damit zu tun, dass ich in den Ausbau einer Wohnung bei uns im Haus eingebunden war. Deshalb ist mir auch bisher nicht langweilig geworden.

Können Sie die Zeit nutzen, um gezielt Dinge im Darts auszuprobieren?

Höchstens beim Equipment. Ich werfe im Moment mit zwei Millimeter kürzeren Spitzen, also 36 statt 38 Millimeter, um mir mal etwas anderes in die Hand zu geben. Es läuft ganz gut. Ich denke, dass ich am 2. Mai bei der Home Tour mit den Pfeilen spielen werde.

Sie wären normalerweise jetzt ständig auf Achse, um Turniere zu spielen. Vermissen Sie diese Wettkampfreisen?

Den Wettkampf ja, das Reisen an sich auf gar keinen Fall. Es ist ganz schön, jetzt donnerstags abends nicht im Zug zu sitzen, auch wenn ich mich am Wochenende nicht mit Freunden treffen kann. Ich fühle mich im Moment gut bedient, es könnte viel schlimmer sein.

Hätte es finanzielle Auswirkungen für Sie, wenn das Turnierverbot noch länger anhält?

Auf keinen Fall. Ich habe mich von Anfang an nicht auf Preisgelder gestützt. Und wenn mein Kühlschrank tatsächlich mal leer sein sollte, ist immer noch der meiner Eltern voll (schmunzelt).

Was wünschen Sie sich für Ihr zweites Jahr auf der Professionell Tour noch?

Ich wünsche mir, dass es so früh wie möglich losgeht – wenn es verantwortbar ist. Aber erst dann. Andere Sachen sind wichtiger.

Zur Person: 

Christian Bunse (25) ist einer der wenigen deutschen Dartspieler auf der Pro Tour des Profiverbands PDC. Im Februar bezwang er bei den Players Championships in Wigan (England) erstmals den dreifachen Weltmeister Michael van Gerwen. Zuhause ist Bunse im Diemelseer Ortsteil Vasbeck. Er ist ledig, aber liiert und arbeitet im Hauptberuf als Industriemeister bei Continental in Korbach.

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