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Fußball: Marco Klee ist Vollzeit-Zeugwart

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Sein zweites Zuhause: Der Eiterfelder Marco Klee im kleinen, aber feinen Stadion des Fußball-Regionalligisten TSV Steinbach-Haiger. alle
Sein zweites Zuhause: Der Eiterfelder Marco Klee im kleinen, aber feinen Stadion des Fußball-Regionalligisten TSV Steinbach-Haiger. alle © Verein

Von der Gruppenliga in die Regionalliga-Südwest: Der Eiterfelder Marco Klee (49) ist seit dieser Saison Vollzeit-Zeugwart des ambitionierten Regionalligisten TSV Steinbach-Haiger. Dazu kam es eher zufällig.

Haiger/Eiterfeld – 20 Jahre lang war Marco Klee der Mann für alle Fälle beim VfL Eiterfeld. Platzwart, Teambetreuer, Internetbeauftragter für den Spielbetrieb. Und natürlich die gute Seele der Fußballer.

Doch Eiterfeld, seine Heimat, ist seit Sommer des vergangenen Jahres Geschichte für den (seit Donnerstag) 49-Jährigen. Marco Klee ist seitdem Vollzeit-Zeugwart in der Regionalliga Südwest – beim TSV Steinbach-Haiger. „Das ist eine völlig andere Welt. Wir bewegen uns am Rand des Profifußballs“, berichtet Klee – und klingt dabei auch ein bisschen stolz.

27 Spieler gehören dem Kader der ambitionierten Mittelhessen an, die auf Tabellenplatz fünf überwintern. Drei Punkte beträgt der Rückstand auf den Tabellenzweiten Balingen bei einem Nachholspiel. „Von den Spielern arbeitet keiner mehr. Das sind alles Profis. Und die Leistungsträger verdienen auch in der vierten Liga ordentlich Geld“, erzählt Klee.

Auch er selbst ist hauptberuflich beim Verein angestellt. Dafür hat er seine Hausmeisterstelle beim „Rhöndorf“ in Tann aufgegeben. Und ist nach Haiger, ins 20 000 Einwohner-Städtchen in den Lahn-Dill-Kreis gezogen. „Ich habe den Schritt keinesfalls bereut, bin gut aufgenommen worden und komme hier auch gut mit allen zurecht“, sagt Klee.

Wie er in Haiger gelandet ist? Eher durch Zufall. „Ich bin ein Fußballverrückter und surfe im Internet viel auf den Seiten von Fußballvereinen. Und Steinbach-Haiger hat im Juni einen Vollzeit-Zeugwart gesucht“, erinnert sich der ehemalige LKW-Fahrer. Dann geht alles ganz schnell. Telefonate, Bewerbung, Vorstellungsgespräch – Arbeitsvertrag. „Das war schon irgendwie unglaublich“, freut und wundert sich Klee noch immer. Er ist hauptsächlich für die Wäsche der Fußballer zuständig. Waschen, trocknen, zusammenlegen, in die Fächer der Spieler einräumen. Nach jedem Training. Und natürlich bei den Spielen. Sein Kollege, der auf Minijob-Basis angestellt ist, kümmert sich in erster Linie um Getränke und Obst für die Spieler. Bei Auswärtsspielen fahren er und Klee mit einem Transporter vor, um alles in der Gästekabine herzurichten, bevor die Mannschaft im Stadion eintrifft.

Neuerdings ist der handwerklich versierte Mann aus Eiterfeld auch für die Beflockung von Spielertrikots zuständig. „Viele verschenken ihr Trikot fast nach jedem Spiel. Wir brauchen ständig Neue. Deshalb beflocken wir jetzt selbst – das ist günstiger.“ Die Spieler müssten ihre Trikots in dem Fall aber bezahlen, räumt Klee ein.

Sechs Tage in der Woche arbeitet der Osthesse für seinen neuen Klub. Montags ist zumeist trainingsfrei. Klees Besuche in Eiterfeld sind selten geworden – 150 Kilometer beträgt die Entfernung in die Heimat. „Ein Spiel des VfL habe ich in dieser Saison noch nicht sehen können. Aber die Jungs spielen ja eine gute Saison“, sagt Klee. Und wundert sich dennoch ein bisschen, dass ein Klub, der sich anschickt, in die Verbandsliga aufzusteigen, noch immer keinen Nachfolger für ihn gefunden hat.

Der bisherige Höhepunkt für Klee war der 3:2-Heimsieg von Steinbach-Haiger gegen die Offenbacher Kickers in letzter Sekunde. 2800 Zuschauer waren ins Haarwasen-Sportzentrum nach Haiger gekommen – weit mehr als 500 davon aus Offenbach. „Das war schon genial“, schwärmt Klee und erinnert sich auch gern an das Auswärtsspiel bei der U23 von Mainz 05 im Dezember.

„Ich bin Mainz-Fan und habe guten Kontakt zu deren Zeugwart. Er hat mir dann das ganze Stadion gezeigt. Da hast du keine Fragen mehr“, sagt Klee euphorisch. Offenbach, Hessen Kassel, Eintracht Trier, Ulm oder eben Mainz – Auswärtsspiele führen Marco Klee jetzt nicht mehr nach Eckweisbach oder Hosenfeld.

Von Sascha Herrmann

Drei Waschmaschinen hat Marco Klee im Dauereinsatz.
Drei Waschmaschinen hat Marco Klee im Dauereinsatz. © privat
Die Ruhe vor dem Sturm: So sieht es aus, wenn Marco Klee und sein Kollege die Kabine vor einem Spiel von Steinbach-Haiger hergerichtet haben.
Die Ruhe vor dem Sturm: So sieht es aus, wenn Marco Klee und sein Kollege die Kabine vor einem Spiel von Steinbach-Haiger hergerichtet haben. © privat

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