"Deutschland über alles": Eklat bei Fed-Cup war nicht der erste Hymnen-Patzer

Mit der verpönten Strophe des Deutschlandliedes sorgte ein amerikanischer Lehrer bei den deutschen Tennis-Damen für Entsetzen. Nicht zum ersten Mal sorgt eine Hymne für Aufregung.

Peinliche Panne bei der Eröffnung des Fed-Cups auf Hawaii: Statt der erwarteten Deutschen Nationalhymne stimmte der Sänger, ein amerikanischer Lehrer, „Deutschland, Deutschland über alles“ an. Die geächtete erste Strophe des Deutschlandliedes sorgte bei den Tennis-Damen für Entsetzen. Julia Görges hatte Tränen in den Augen, Andrea Petkovic war stinksauer: „Ich habe mich noch nie in meinem Leben so respektlos behandelt gefühlt. Das war einfach das absolut Allerletzte“, schimpfte sie.

Die Mannschaft und die mitgereisten deutschen Fans hatten noch versucht, den Sänger mit der richtigen Strophe („Einigkeit und Recht und Freiheit“) zu übertönen: erfolglos. Der US-Tennisverband entschuldigte sich, eine Erklärung für den Patzer hatte er nicht. Es ist nicht das erste Mal in der Sportgeschichte, dass die Nationalhymne für Aufregung sorgt. Ein Überblick:

Falsche Hymne

Trotzkopf Müller: Der Boxer brachte nicht nur Hymnen durcheinander, sondern auch Ringrichter Max Pippow zu Fall.

Box-Legende Peter Müller soll nicht nur die Strophe, sondern gleich das komplette Lied verwechselt haben. Der Kölner, aufgrund seiner Körperhaltung und seines Aussehens „de Aap“ („der Affe“) genannt, boxte 1953 in den USA. Als dort die deutsche Hymne ausfiel, soll Müller zur Mundharmonika gegriffen und selbst gespielt haben. Allerdings das Horst-Wessel-Lied (siehe Hintergrund). Müller hatte die Nazi-Hymne mit dem Deutschlandlied verwechselt. „Das hatte ich doch noch im Ohr“, soll er später gesagt haben.

Falsche Strophe

Bei der Kanu-WM 2013 in Ungarn paddelten Debora Niche und Anne Knorr zu Gold. Bei der Siegerehrung passierte es: Die erste Strophe der Nationalhymne ertönte. Laut den Organisatoren hätte das deutsche Team die Aufnahme abgenickt. Im schweizer Fernsehen sorgten 2008 die Untertitel für Gehörlose für Entsetzen: Beim EM-Vorrundenspiel gegen die Schweiz wurde zur deutschen Nationalhymne ebenfalls die verpönte erste Strophe eingeblendet. Ähnliches passierte der BBC beim Achtelfinale Deutschland - England bei der WM 2010 in Südafrika.

Falsche Worte

Nicht immer war es die falsche Strophe - manchmal passten die Worte einfach nicht. Unvergessen der Auftritt von Sarah Connor zur Eröffnung der Münchner Allianz-Arena 2005: Statt „blüh im Glanze“ schmetterte die deutsche Sängerin „brüh im Lichte“. Auch US-Superstar Christina Aguilera bewies beim Singen der US-Hymne zum Super Bowl 2011 ungewollt Kreativität.

Falsche Technik

Technische Tücken können die Würde des Moments ebenfalls zerstören - außer in Kanada. Beim NHL-Spiel 2014 zwischen Toronto und Nashville versagte das Mikrofon während der US-Hymne. Die kanadischen Fans sprangen in die Bresche und sangen die Nationalhymne des Gegners lautstark zu Ende.

Hintergrund: Lied der Deutschen und Nationalhymne

Der Text der Deutschen Nationalhymne stammt aus dem 1841 verfassten Gedicht „Das Lied der Deutschen“ von August Heinrich Hoffmann. Nur die dritte Strophe des Gedichts gehört offiziell zur Nationalhymne („Einigkeit und Recht und Freiheit“). Die ersten beiden Strophen werden mit dem Nationalsozialismus in Verbindung gebracht und sind daher verpönt – verboten ist das Singen der Zeilen allerdings nicht. In der NS-Zeit folgte auf die erste Strophe („Deutschland, Deutschland über alles“) das so genannte Horst-Wessel-Lied. Das Kampflied der SA hatte sich nach der Machtübernahme der NSDAP zur zweiten Nationalhymne entwickelt.

Rubriklistenbild: © dpa

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