Erst Laufband, dann Wiese und Asphalt: Martin Güngerich über das Barfußlaufen

„Die Füße danken es mir“

Schnell unterwegs – auch barfuß: Martin Güngerich. Foto: nh

Frankenberg. Martin Güngerich aus Marburg läuft barfuß – auch bei Wettkämpfen wie heute in Frankenberg. Sobald es nicht mehr zu kalt ist, stellt er seine Laufschuhe ins Regal. Warum er das tut? „Weil es gesünder ist.“ Denn: Wer in Schuhen läuft, prallt vor allem mit den Fersen auf, barfuß liegt die Belastung dagegen eher auf Vor- und Mittelfuß. Der Fuß federt so den ersten Aufprall ab und das Knie wird weniger stark belastet als beim Schuhträger.

Herr Güngerich, gehen Sie auch in Frankenberg bei Schnee barfuß an den Start?

Martin Güngerich: Der Frankenberger Straßenlauf bietet eigentlich beste Voraussetzungen für ein paar schnelle Barfußrunden: Eine flache Strecke aus feinkörnigem Asphalt. Ich werde kurz vor dem Startschuss entscheiden, ob ich ohne Schuhe laufe. Bisher sieht es aber nicht danach aus. Ansonsten könnte ich meine Füße für die nächsten Wochen wieder vergessen. Schnee und feuchte, kalte Straßen – ich habe es versucht, aber es funktioniert nicht. Ich habe vier Wochen gebraucht, bis ich in meinen Zehen überhaupt wieder etwas gespührt habe. Das mache ich nie wieder.

Seit wann laufen Sie barfuß?

Güngerich: Das war ein fließender Übergang. 2003 habe ich mit dem regelmäßigen Laufen angefangen und mich über Jahre gesteigert. Mit der Lauftechnik habe ich mich früh beschäftigt, also wie man so laufen kann, dass man sich nicht verletzt. Durch die Schuhtechnologie ist das ja nicht besser geworden. Deswegen ist das Beste, barfuß zu laufen. Schließelich hat der Mensch die längste Zeit keine Schuhe getragen. Deswegen sind wir offensichtlich gut ausgelegt für das Barfußlaufen. Man läuft viel sanfter, setzt den Fuß anders auf.

Wie war für Sie das erste Laufen unten ohne?

Güngerich: Es war anfangs etwas rau für die Füße. Ich habe auf dem Laufband angefangen, bin dann auf Gras umgestiegen. Dann habe ich es auch auf Asphalt probiert. Das ging ganz gut. Auf einer Kunstoffbahn im Stadion habe ich mir über zehn Kilometer erstmals Blutblasen gelaufen. Das tat richtig weh. Das ist mir aber nur einmal passiert. Die Haut, die nachwächst, ist fester. Und die Füße danken es mir, dass ich ihnen Freiheit gebe.

Können Sie jede Strecke problemlos laufen?

Güngerich: Nein, manchmal muss man auch von gewohnten Wegen abweichen. In Marburg hatte ich Anfang März beispielsweise das Problem, dass Rollsplit auf dem Weg lag. Dann muss ich langsamer laufen. Bei guten Bedingungen benötige ich 47 Minuten, dort habe ich über eine Stunde gebraucht. Die Strecke in Frankenberg habe ich mir vergangenens Wochenende schon mit dem Fahrrad angeschaut, da könnte ich problemlos barfuß starten.

Werden Sie manchmal noch komisch angeguckt, wenn Sie barfuß zum Start kommen?

Güngerich: Es führt oft noch zur Verwunderung, auch wenn es derzeit einen Barfußlauftrend gibt. Wirklich viele Läufer sind es aber noch nicht.

Viele greifen auch zu Barfußlaufschuhen ...

Güngerich: Dem stehe ich skeptisch gegenüber. Die ermöglichen zwar im Prinzip eine natürliche Lauftechnik, aber die Erfahrung zeigt, dass die meisten Leute doch nicht wie barfuß darauf laufen. Auch diese flachen dünnen Schuhe verteilen den Druck eben noch anders. Daher sind Minimalschuhe eher etwas für Leute, die vorher barfuß die richtige Technik erlernt haben.

Was empfehlen Sie zum Einstieg ins Barfußlaufen?

Güngerich: Es ist wichtig, dass man mit kurzen und langsam gelaufenen Strecken anfängt. Wenn man schon seit vielen Jahren läuft, dann ist man an eine andere Lauftechnik gewöhnt. Auch beim Barfußlaufen mit der Ferse zuerst aufzusetzen, geht nicht. Das wäre sehr ungesund für die Knochen und Gelenke. Man muss also bereit sein, sich eine andere Lauftechnik anzugewöhnen. Ich empfehle einen festen, sauberen Boden, auf dem man ein bis zwei Kilometer läuft. Dann steigert man sich über die Monate, bis man auch mal zehn Kilometer schafft.

Von Friederike Göbel

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