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Hannes Wolf über Jugendtraining: Kinder brauchen so oft wie möglich den Ball

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Von: Pascal Spindler

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Wollen Kinder noch häufiger und noch länger an den Ball bekommen: Sören Gonther (links), zuletzt Zweitliga-Profi, und Hannes Wolf, aktueller U20-Nationaltrainer Deutschlands, im Kasseler Auestadion.
Wollen Kinder noch häufiger und noch länger an den Ball bekommen: Sören Gonther (links), zuletzt Zweitliga-Profi, und Hannes Wolf, aktueller U20-Nationaltrainer Deutschlands, im Kasseler Auestadion. © Andreas Fischer

Der Hessische Fußball-Verband will den Jugendfußball stärker fördern, dazu für eine bessere Kooperation zwischen Schulen, Vereine und Verband sorgen. Im Auestadion gab es dazu jetzt eine Podiumsdiskussion.

Kassel – Keine 500 Tage, dann startet die Fußball-Europameisterschaft in Deutschland. Grund genug für den Hessischen Fußball-Verband (HFV), die Strahlkraft des Turniers zu nutzen und den heimischen Jugendfußball stärker zu fördern. So sollen fortan immer mehr Kinder Fußball spielen, immer mehr richtig trainiert und ausgebildet werden. Der HFV hat deshalb die Kampagne „Schulen – Vereine – Fußball“ ins Leben gerufen, lud am Montagabend zu einer Podiumsdiskussion mit Deutschlands U20-Nationaltrainer Hannes Wolf, dem aus Schrecksbach stammenden Ex-Zweitligaprofi Sören Gonther sowie Vertreten aus Schule, Landessportbund und hessischen Ministerien ins Kasseler Auestadion.

„Wir müssen dafür sorgen, wieder mehr Begeisterung für den Fußball zu wecken, wieder mehr Bewegung ins Leben der Kinder zu bekommen“, sagte Silke Sinning, Vizepräsidentin des HFV und des DFB, in ihrer Begrüßungsrede vor zahlreichen Lehrern, Jugendtrainern und weiteren nordhessischen Vereinsmitgliedern, ehe Wolf ein erstes Mal das Wort ergriff und feststellte: „Geht es um Fußball, kommt der meiste Einfluss von den Profis. Einen Diskurs um Kinder- und Jugendtraining gibt es nicht.“

Ihm sei wichtig, Lehrer und Jugendtrainer an die Hand zu nehmen, ihnen aufzuzeigen, wie sie Kinder am besten fordern und fördern. Gemeinsam mit Hermann Gerland, lange Zeit als Nachwuchstrainer und Assistent der Profis beim FC Bayern München und derzeit unter Bundestrainer Hansi Flick bei der Nationalmannschaft aktiv, hat er ein Video veröffentlicht, das Handlungsempfehlungen für Trainingseinheiten gibt.

Zehn Runden um den Platz laufen? Bei einer Torschussübung drei Minuten in der Schlange stehen? Für die Experten Quatsch. „Beim Fußball geht es um den Ball, mit dem kann man alles machen. Wichtig ist, dabei in Bewegung zu sein“, erklärte Gonther in der Diskussion. Wolf pflichtete ihm bei, stellte eine rhetorische Frage: „Ein Kind hat im Training 20 Ballkontakte, ein anderes 200. Welches wird wohl besser?“ Die Anzahl der Ballkontakte sei entscheidend. Intensität, jede Menge Wiederholungen und viel Freude sollten beim Kinder- und Jugendtraining im Mittelpunkt stehen.

Gonther und Wolf plädierten deshalb dafür, in das Training viele Spielformen in möglichst kleinen Gruppen auf möglichst vielen Spielfeldern zu integrieren. „Die Kinder sollen kicken“, sagte Gonther. Und das am besten nicht nur im Verein, sondern auch in der Schule. „Es gibt kaum einen besseren Ort, an dem wir Kinder für das Fußballspielen begeistern können“, sagte Jens Alter, der als Vertreter der Schulen und des HFV anwesend war. Wichtig sei es, dass dort die Möglichkeit bestehe, überhaupt Fußball zu spielen. Ein AG-Angebot sei essenziell, darüber hinaus unterstütze der Verband bei der Umsetzung von Projekttagen und Fußballfesten, könne die Schulen besuchen und auf Wunsch Material wie Bälle oder Leibchen zur Verfügung stellen.

Wichtig sei es, dass die Kinder ein Spielverständnis entwickeln. „Einfache Regeln, einfache Sprache. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass sie lange Fußball spielen wollen. Kinder lernen brutal schnell“, erklärte Wolf.

Wie weit es dann am Ende geht, darüber entscheiden viele Faktoren: Talent, Fleiß, Gesundheit, Glück. Aber eben auch der Zugang zu richtigen Trainingsinhalten zur richtigen Zeit.

Von Pascal Spindler

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