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Sportakrobatik-Trainerin Birgit Klingenhöfer im Interview

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Turmbau: Die Sportakrobatinnen der TG Lispenhausen beim Stellen einer Figur.
Turmbau: Die Sportakrobatinnen der TG Lispenhausen beim Stellen einer Figur. © privat

Sie lassen immer wieder aufhorchen mit feinen Erfolgen: die Sportakrobatinnen und -akrobaten der TG Lispenhausen. Erst jüngst schafften es zwei Neun- und 13-jährige Akrobatinnen bis ins Turnier der besten deutschen Paare – wir berichteten.

Daneben waren Aktive der TGL auch beim Hessentag in Bad Hersfeld zu sehen oder treten auf privaten Feiern auf. Trainerin der erfolgreichen Abteilung ist Birgit Klingenhöfer. Wir haben mit ihr über eine Sportart gesprochen, die nicht jeder sofort auf dem Schirm hat.

Frau Klingenhöfer, wie kam die Sportakrobatik eigentlich nach Lispenhausen?

Ich kam vom Kunstturnen. Mit 14 Jahren habe ich, relativ spät, in Erfurt, wo ich herstamme, mit Sportakrobatik begonnen. Im November 2002 habe ich bei der TG 08 Lispenhausen die Abteilung gegründet. Ich rannte damit offene Türen ein.

Ab und zu werben Sie ja um Sportlerinnen und Sportler für Ihre Abteilung. Wie ist denn da die Resonanz?

Wir starten solche Aufrufe etwa alle sechs Monate. Die Resonanz ist gut, viele Jungen und Mädchen kommen aber auch über Mundpropaganda zu uns oder weil sie unsere Gruppe bei einem Auftritt gesehen haben. Im Sichtungstraining haben wir zwischen 20 und 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Aktuell suchen wir Mädchen ab Jahrgang 2012 und älter.

Wie werden denn die jungen Sportlerinnen entdeckt?

Im Sichtungstraining schauen wir, wer hat Bewegungstalent, wer ist beweglich, wer ist mit viel Ehrgeiz dabei und testet seine Grenzen, wer kann sich zur Musik bewegen? Wer passt in unsere Gruppe? Am Ende bleiben meist nur einige wenige Teilnehmer des Trainings übrig, die dann in eine mehrwöchige Probezeit gehen. Danach wird erst entschieden, ob wir diese Sportler in unsere Gruppe übernehmen.

Wenn ich die Übungen sehe, staune ich, aber mir stockt auch der Atem. Ist das nicht fürchterlich gefährlich, was die Akrobaten - oft sind es ja eher Kinder als Jugendliche - da machen?

Dazu kann ich nur sagen, Verletzungen sind äußerst selten bei uns. In den letzten 20 Jahren gab es einen gebrochenen Arm, ansonsten vereinzelt Zerrungen und mal einen blauen Fleck. Die Sportlerinnen und Sportler lernen auch, wie sie stürzen, ohne sich zu verletzen.

Der Sport verlangt ja auch ein ungeheures Vertrauen der Sportlerinnen untereinander. Wie erkennen Sie, wer zusammenpasst - und wer vielleicht auch nicht?

Wir sehen im Training, wer ist mutig, wer eher ängstlich? Die meisten haben den Mut und den Willen, Neues zu lernen. Wer den nicht hat, ist bei uns verkehrt, und dem müssen wir auch sagen, dass Sportakrobatik nicht die richtige Sportart ist.

Wie lange muss denn trainiert werden, um das erste Mal, sagen wir, eine Pyramide zu stellen?

Das hängt natürlich vom Einzelnen ab, aber viele trauen sich das schnell zu. Denn das macht unsere Sportart ja so interessant! Einfache Hebefiguren klappen oft nach zwei, drei Stunden. Kompliziertere Übungen aber dauern oft Wochen oder Monate, bis sie sicher gezeigt werden können.

Wenn ein Paar oder Trio über die Landesgrenze hinaus erfolgreich sein möchte, was bedeutet das an Trainingsaufwand?

Wir haben zwei Trainingstage von je drei Stunden in der Woche. Wer bei Wettkämpfen oder Meisterschaften teilnimmt, trainiert in der Regel zweimal, die anderen einmal pro Woche.

Irgendwann sind die jungen Sportlerinnen und Sportler für die Akrobatik zu groß oder auch schlicht zu schwer. Wie lange kann man Sportakrobatik betreiben?

Für die Unterpartner gibt es da eigentlich keine Grenze - so lange man halt Lust hat und die Zeit dafür aufbringen kann. Für die Oberpartner setzt schnelles Wachstum oder Gewichtszunahme dann bald eine natürliche Grenze. Diese werden dann mit jüngeren Sportlern zu neuen Formationen zusammen gestellt. So können sie ihr Wissen an Jüngere weiter geben.

Was können wir aktuell von den Akrobatinnen und Akrobaten der TGL erwarten?

Unsere beiden Lenis, über die schon berichtet wurde, wollen im Frühjahr 2023 zum ersten Mal international beim First Mäussnest-Acro-Cup in Albershausen in Baden-Württemberg starten. Dann haben wir noch einige weitere Formationen in verschiedenen Altersklassen, die bei Wettkämpfen antreten werden oder neu zusammengestellt wurden und für Wettkämpfe vorbereitet werden. Am 11. Dezember findet unser Schauturnen in der Turnhalle Lispenhausen statt. Im Januar werden wir bei Sport & Show in der Göbel Hotels Arena in Rotenburg mitwirken. Darauf freuen sich alle schon sehr.

» Interessenten melden sich gerne über: akrobatik.lispenhausen_2002@gmx.de

Birgit Klingenhöfer TG Lispenhausen
Birgit Klingenhöfer TG Lispenhausen © privat

(Rainer Henkel)

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