Kasseler Rennsport-Sprecher

Jochen Luck: Die Stimme des Motorsports wird 95

Ein starkes Team: Jochen Luck mit Ehefrau Hildegard 1978 während einer Rennreportage.  
Archivfoto: PRIVAT/NH
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Ein starkes Team: Jochen Luck mit Ehefrau Hildegard 1978 während einer Rennreportage. Archivfoto: PRIVAT/NH

Authentisch, sachkundig, mitreißend - Jochen Luck war jahrzehntelang zuhause auf den bekanntesten Rennstrecken der Welt. Heute wird der Kasseler Sprecher 95 Jahre alt.

Kassel - Überall dort, wo die wichtigsten Wettkämpfe im Motorsport ausgetragen wurden, kommentierte der Nordhessen das Geschehen an den Pisten. Seine sonore Stimme kannten nicht nur die Formel-1-Asse und die Zweiradfahrer, sondern auch die Millionen Fans rund um die Rennstrecken. „The Voice“ (die Stimme), wie er unter den Motorsport-Freunden weltweit bekannt ist, feiert heute ihren 95. Geburtstag.

Jochen Luck kam zugute, dass er mit einer wohlklingenden Stimme ausgestattet ist, die noch im äußersten Winkel der Arenen zu hören war. „Ich habe mir den Beinamen The Voice selbst gegeben. Bei meinem ersten Rennen als Streckensprecher in den USA habe ich die Zuschauer in Daytona Beach mit ‘This is the voice of German Nürburgring‘ begrüßt. Und dieser Satz wurde von der amerikanischen Presse in die Motorsportwelt hinausgetragen“, berichtet Luck stolz.

Das Leben des Jochen Luck ist der Motorsport. Vor mehr als 70 Jahren begann seine Karriere als Streckensprecher. 1949 kommentierte er auf dem heutigen Gelände des Auestadions ein Sandbahn-Rennen. Anfang der Fünfziger unterrichtete er die Zuschauer bei den Herkules-Bergringrennen mit den interessantesten Fakten, ehe es ihn hinaus zog zu den internationalen Konkurrenzen. „Dort habe ich vor dem Start die Fahrer in ihrer Muttersprache begrüßt. Und zwar in insgesamt 14 Sprachen – vom Englischen über das Tschechische bis zum Polnischen.“

Sein Meisterstück als Reporter machte der Jubilar 1963 beim 24-Stunden-Rennen für Motorräder auf der Berliner Avus: „Das ging Samstagnachmittag los. Nachts um zwei habe ich mich aufs Ohr gelegt. Gegen sechs Uhr war ich wieder auf der Piste. Dort haben mich die Fans mit den Worten ‘Endlich sind Sie wieder da‘ empfangen - ein tolles Kompliment.“

Noch Jahre nach seinem Abschied von der Rennstrecke (1987) wurde dem Kasseler eine große Ehre zuteil: Er durfte auf der „Allée d‘Honneur“ am Nürburgring einen Baum, die „Jochen-Luck-Kastanie“, pflanzen. „Die steht unweit jenes Baumes“, so der Namensgeber, „den man zu Ehren des tödlich verunglückten Graf Berghe von Trips gesetzt hat.“

Lucks zweite sportliche Liebe ist das Eishockey. In Jugendjahren erwies er sich als exzellenter Puckjäger und wurde während des Krieges in einem A-Jugend-Länderspiel gegen Italien eingesetzt. In den sechziger Jahren gehörte Jochen Luck zu den Mitbegründern des Kasseler Eishockeysports, den Huskies hält er auf der Tribüne bis heute die Treue. Zusammen mit dem inzwischen verstorbenen Fußballtrainer Willy Kurrat bildete er das älteste Eishockey-Verteidigerduo („Wir waren über 100“) der Bundesrepublik.

Der leidenschaftliche Motorradfahrer Jochen Luck hat das sportliche Lieblingsgefährt seinem Sohn Thomas vermacht: „In meinem Alter muss man sich nicht mehr auf die Maschine schwingen. Aber Auto fahre ich noch und gehe jeden Tag zu Fuß zum Einkaufen.“ Seinen Geburtstag feiert er im engsten Familienkreis.

Von Günter Grabs

Zur Person

Jochen Luck, am 23. September 1925 in Kassel geboren, lernte nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangeschaft (1945) Automobilkaufmann. Er hat einen Sohn aus erster Ehe - Thomas, spielt heute Tischtennis bei der SVH Kassel - und drei Enkel. Er lebt mit seiner zweiten Frau Hildegard, mit der er seit 56 Jahren verheiratet ist, in Wilhelmshöhe. (gra)

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