Schiedsrichter aus Lispenhausen über Pandemie und Perspektiven

Handball-Schiri Mackel hat die Tasche noch gepackt

Handball-Schiedsrichter Armin Mackel von der HSG Waldhessen
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Sein letzter Einsatz liegt 13 Monate zurück: Armin Mackel, Handball-Schiedsrichter und Vorsitzender der TG Lispenhausen.

Nicht nur die Handballer leiden unter dem erneuten Saisonabbruch. Auch die Schiedsrichter sind seit fast einem Jahr „arbeitslos“. Wir haben mit Routinier Armin Mackel (62) von der HSG Waldhessen gesprochen.

Lispenhausen – Es muss wohl im Januar 2020 gewesen sein, als Armin Mackel zum letzten Mal im Gespann mit Bernd Stückrath (HSG Waldhessen) ein Handballspiel leitete. „Ich habe aber keine Ahnung mehr, wer damals gegen wen gespielt hat“, gibt der 62-Jährige zu. 13 Monate sind seitdem vergangen. Die Tasche, so sagt Mackel scherzhaft, sei aber noch immer gepackt.

20 bis 25 Spiele leitet das erfahrene Gespann normalerweise pro Saison. Bis zur Bezirksoberliga. Dazu kommen einige Einsätze als Einzel-Schiedsrichter. Normalerweise. Doch was ist seit März 2020 und dem Ausbruch der Pandemie schon normal?

„Es ist schon schwer, die Motivation aufrechtzuerhalten“, gibt Mackel zu. Auch er habe sich mittlerweile an das Mehr an Freizeit gewöhnt. „Die meisten Spiele finden ja samstagabends statt. Da war dann immer der ganze Tag im Eimer. Seit einem Jahr hat man nun Zeit für die Familie oder andere Dinge. Das ist schon nicht schlecht“, erzählt der Vorsitzende der TG Lispenhausen.

Mackel hat in dieser Funktion nicht nur den Handball, sondern den Sport als Ganzes im Blick. „Der ganze Sport leidet. Das sehe ich ja tagtäglich bei uns im Verein“, sagt er. 800 Mitglieder zählt die TGL – darunter 300 Kinder und Jugendliche. „Für den Nachwuchs ist die Situation besonders schlimm“, hat Mackel festgestellt. Die Jugendlichen nach der Zwangspause wieder zum Sport zu motivieren, werde mit Sicherheit eine große Herausforderung sein.

Dass die Saison seitens des Hessischen Handball-Verbandes frühzeitig abgebrochen wurde, kann Mackel komplett nachvollziehen. „Das Infektions-Risiko insbesondere bei Hallensportarten ist einfach zu groß“, sagt er. Dennoch sei es bedauerlich, denn die Saisonvorbereitung mit der Logistik unter Hygienevorschriften sei ein ziemlicher Kraftakt gewesen. „Wir waren so euphorisch und haben uns gefreut, dass es endlich weitergehen kann. Und dann fällt plötzlich alles wieder weg ...“, bedauert Mackel.

Auch um den Schiri-Nachwuchs macht er sich so seine Gedanken. „Es war in den letzten Jahren ohnehin schon schwer, Jung-Schiedsrichter zu finden. Durch Corona und die lange Pause wird das in Zukunft bestimmt noch schwerer“, spekuliert Mackel. Der 62-Jährige hat aber noch eine andere Befürchtung: „Wir haben ja im Bezirk viele Schiedsrichter, die wie auch ich über 60 Jahre alt sind. Ich könnte mir vorstellen, dass einige nach der Pause ihre Laufbahn beenden.“ Für ihn persönlich sei das aber noch kein Thema.

Seit 20 Jahren pfeifen Mackel und der drei Jahre ältere Stückrath im Gespann. Maximal zwei Jahre wollen sie noch dranhängen. Dann aber soll Schluss sein. „Irgendwann macht die Gesundheit ja auch nicht mehr mit, wenn du als Mitte-60-Jähriger hinter 20-Jährigen hersprinten sollst“, sagt Mackel. Doch eines steht fest: Wenn im September die Saison 2021/2022 planmäßig beginnen sollte, wird Armin Mackels Tasche noch immer gepackt sein.

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