Aaron Donkor im Interview über den Weg vom Basketball zum Football

Ein Göttinger auf dem Weg in die NFL

Der Göttinger Aaron Donkor spielte für Arkansas State University in der 1. NCAA-Division.
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Der Göttinger Aaron Donkor spielte für Arkansas State University in der 1. NCAA-Division.

Der Göttinger Aaron Donkor fliegt am Wochenende nach Florida. Dort nimmt er an einem Förderprogramm der National Football League NFL teil. Wir haben mit ihm gesprochen.

Göttingen – Spielt bald ein Göttinger in der National Football League? Zumindest ist Aaron Donkor, der frühere Basketballer der BG Göttingen, einer von weltweit elf Football-Spielern, die zu einem Förderprogramm der NFL Ende Januar nach Florida eingeladen wurden. Wir sprachen mit dem 25-Jährigen vor dem Abflug.

Herr Donkor, Sie haben einen Hang zum Ball: Wie haben Sie diese Liebe entdeckt?
Wie ein guter deutscher Junge habe ich erst einmal gekickt. Mit 14 Jahren habe ich dann mit Basketball angefangen, Göttingen ist ja nun mal eine basketball-affine Stadt. Mein Bruder Anton ist mit Fußball durchgestartet. Mit 14 war er dann ja auch schon beim VfL Wolfsburg. Dass wir eine Sportart betreiben wollten, war Anton und mir klar, da wir sehr früh festgestellt haben, wie schnell wir sind. Anton, der übrigens bei Waldhof Mannheim in der 3. Liga spielt, dürfte wohl der schnellste Fußball-Profi in Deutschland sein.
Sie spielten in Göttingen zeitgleich für den ASC und die BG in der Jugend-Bundesliga und der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL), dazu in der 2. Liga. War das nicht zu viel?
Mir hat es einfach Spaß gemacht, es war mir nie zu viel. Ich hatte sehr gute Coaches.
War der Aufstieg der BG in die Bundesliga 2014 Ihr größter sportlicher Erfolg?
Nicht unbedingt. Ich war natürlich Teil des Teams. Mein größter Erfolg war aber wohl eher, mit dem NBBL-Team, mit dem ich emotionaler verbunden war, nicht abgestiegen zu sein.
Warum wechselten Sie im Frühjahr 2016 vom Basketball zum Football?
Ich habe den Super Bowl mal geschaut, habe auch so ein wenig den Spaß am Basketball verloren. Ich hatte nach meinem Wechsel nach Recklinghausen zwei amerikanische Mitbewohner, die mich dazu veranlasst haben, mich mit American Football intensiv auseinanderzusetzen.
2017 erhielten Sie ein Stipendium als Student und Footballspieler in den USA am Junior College New Mexico Military Institute. Wie ist dieses Stipendium zustande gekommen?
Ich habe ein Video zusammengeschnitten von meinen Spielen bei den Düsseldorf Panthers in der Ersten Liga. Björn Werner, der ehemalige deutsche NFL-Spieler, hat dann den Kontakt zum College in New Mexico hergestellt, die ausländischen Spielern eine höhere Chance geben, sich zu beweisen.
Dann der Wechsel Ende 2018 an die Arkansas State University, die in der höchsten Liga des College Footballs spielt. Warum dieser Wechsel?
Am Junior College kann man keinen Abschluss machen, da geht es eher darum, gesehen zu werden. Es war für mich ja das vorrangige Ziel, dann zu einem „richtigen“ College zu wechseln, um dort auch einen Bachelor-Abschluss zu machen und mich auch auf dem ersten Divisionslevel mit anderen messen zu können.
Ende 2020 wurden Sie von elf Spielern aus neun Ländern für ein Förderprogramm ausgewählt, das Spielern außerhalb der USA die Möglichkeit gibt, sich für die NFL zu empfehlen. Wie kam es dazu?
Ich habe mit dem ehemaligen Football-Spieler Christian Mohr einen sehr guten Personal-Trainer, mit ihm trainiere ich in Aachen. Er hat mich für das Förderprogramm empfohlen. Ich habe gute athletische Leistungen gebracht und konnte mit meinem Football-Hintergrund überzeugen. Am Samstag fliege ich nun nach Florida, wo dieses Förderprogramm stattfindet.
Wie stehen die Chancen auf einen NFL-Vertrag?
Von elf schaffen den Sprung vier von uns. Wenn ich meine Leistungen bringe, glaube ich, dass ich den Sprung schaffen kann. Die Entscheidung gibt es Ende April, wer es geschafft hat.
Würde für Sie damit ein Traum in Erfüllung gehen?
Ja, aber weniger ein Traum als vielmehr ein Ziel, auf das ich konsequent hinarbeite. Mein Traum ist es, dass Gott mein Leben bestimmt, welcher Weg auch immer vor mir liegt.
Aus Basketballer wird Footballer: (Links) Der Göttinger Aaron Donkor spielte für Arkansas State University in der 1. NCAA-Division. Rechts: Donkor im Spiel für die BG Göttingen gegen Paderborns Leo Padberg.

Deutsche in der NFL

Sollte Aaron Donkor den Sprung in die NFL schaffen, würde er sich in eine in den letzten Jahren immer länger werdende Liste deutscher Footballspieler in der nordamerikanischen Profiliga einreihen.

Der erfolgreichste Deutsche in der NFL war Sebastian Vollmer. Der 36-Jährige auf der Position des Offensive Tackles spielte von 2009 bis 2016 bei den New England Patriots. An der Seite von Superstar Tom Brady gewann Vollmer zweimal den Super Bowl. Vollmer war zwar nicht der erste Spieler deutscher Abstammung in der NFL – er war aber der erste Akteur, der in Deutschland das Footballspielen erlernt hatte und im Draft gezogen wurde.

Nach Vollmer schafften auch Markus Kuhn, Björn Werner, Kasim Edebali oder Mark Nzeocha den Sprung auf das NFL-Feld. Kuhn, Werner und Vollmer haben ihre Karriere inzwischen beendet. Nzeocha spielt für die San Francisco 49ers, mit denen er letztes Jahr im Super Bowl den Kansas City Chiefs unterlag. Edebali ist seit November 2019 vereinslos. Mit Equanimeous St. Brown verpasste ein weiterer Deutscher am vergangenen Wochenende den Sprung in den Super Bowl. St. Brown, dessen Bruder Amon-Ra dieses Jahr am Draft teilnimmt, verlor mit seinen Green Bay Packers gegen die Tampa Bay Buccaneers.

Außerdem spielt Jakob Johnson in der NFL. Der Stuttgarter ist auf der Position des Fullback aktiv und hat seine zweite Saison bei den New England Patriots absolviert. Johnson war der erste deutsche Offensivspieler, dem in der NFL ein Touchdown gelang. Insgesamt war er der zweite Deutsche nach Kuhn (der in der Defense aktiv war). Auch Equanimeous St. Brown hat inzwischen einen Touchdown erzielt.

Zur Person

Aaron Donkor (25) ist in Göttingen geboren. Er ging auf die IGS Göttingen-Geismar und machte dort 2014 sein Abitur. Noch im selben Jahr wechselte er in die 2. Basketball-Liga Pro B zu den White Wings nach Hanau und später nach Recklinghausen, nachdem er zuvor für den ASC 46 Göttingen in der JBBL und NBBL und für den Zweitligisten BG 74, mit dem er in der Saison 2013/14 in die Basketball-Bundesliga aufstieg, spielte.

Von Walter Gleitze Und Björn Friedrichs

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