Das ist an den letzten zwei Tagen aufgefallen

Top 10 des Olympia-Wochenendes: Ein Kuss, ein Tanz und gute Perspektiven

Die Sommerspiele sind Geschichte – auch am letzten Olympia-Wochenende in Tokio gab es aber noch einige besondere Momente.

Kassel – Wir haben die Geschichten in einer Top 10 zusammengefasst.

1. Eine Sache der Perspektive: Gute Chancen auf den Preis für die besten Kameraeinstellungen bei den Sommerspielen besitzt der für die Volleyball-Berichterstattung zuständige Regisseur. Beim klaren 3:0-Finalerfolg der US-Amerikanerinnen gegen Brasilien war der Fernsehzuschauer mittendrin statt nur dabei. Nicht nur wegen der neu eingeführten Netzkamera, die einen hervorragenden Eindruck davon vermittelt, mit wie viel Tempo die frühere Dresdnerin Michelle Bartsch-Hackley zum Schmetterschlag ausholt.

2. Eine Sache des Anlaufs: Die deutsche Speerwurf-Goldhoffnung Johannes Vetter hat den olympischen Wettkampf auf einem enttäuschenden neunten Rang beendet. Der 28-Jährige haderte mit dem Belag und seinem Anlauf. Ganz anders als der Inder Neeraj Chopra, der sich mit seinem Wurf auf 87,48 Meter die Goldmedaille sicherte – es war die erste in der Leichtathletik für Indien überhaupt. Dafür wird der 23-Jährige nun fürstlich entlohnt. Regierung und private Unternehmen haben ihm schon jetzt Prämien im Wert von 1,7 Millionen Euro versprochen, darunter auch Luxusautos und Flugreisen.

3. Eine Sache des Timings: Große Hitze und schon 28 Kilometer Wegstrecke in den Beinen – da kann ein Marathonläufer an der Verpflegungsstation schon mal etwas von seiner Geschicklichkeit einbüßen. Wie der Franzose Morhad Amdouni: Anstatt eine Trinkflasche zu greifen, warf er direkt mal nahezu alle in der vordersten Reihe um. Erst die letzte Flasche bekam er dann zu greifen. In der Gesamtwertung wurde der Franzose 17.

4. Eine Sache für die Geschichte: Linoy Ashram hat Geschichte geschrieben. Der 22 Jahre alte Sportgymnastin hat die erste Goldmedaille überhaupt für Israel gewonnen – und damit eine 25 Jahre andauernde Dominanz von Russland beendet. Die russische Verbandspräsidentin Jirina Winer zeigte sich anschließend als schlechte Verliererin. Sie sagte: „Nach dieser Erfolgsserie waren die Kampfrichterinnen offensichtlich russlandmüde. Und so haben sie entschieden, diese Frau aus Israel zu unterstützen.“

5. Eine Sache der Reaktionsschnelligkeit: Bei eigener Unterzahl nimmt die angreifende Mannschaft im Handball ganz gern mal den Torhüter anstelle einer Feldspielerin vom Platz. Auch die später siegreichen Französinnen nutzten im Endspiel gegen das russische Team dieses taktische Mittel. Nach dem 10:8 für Frankreich riskierte Russlands Anna Sen von der Mittellinie einen Wurf in Richtung verwaistes Gehäuse. Doch sie hatte die Rechnung ohne Torfrau Amandine Leynaud gemacht, die in den eigenen Kreis zurückgeeilt war und mit einem Blitzreflex den Ball parierte. Allerdings knallte sie nach ihrer Rettungsaktion gegen eine Bande und hinterließ in der Umrandung ein kleines Loch.

6. Eine Sache der moralischen Unterstützung: Megan Rapinoe gewann mit den US-Fußballerinnen vor ein paar Tagen Bronze. Weil sie also weiß, wie schwer es ist, olympischen Erfolge zu feiern, besuchte sie das Finale im Frauen-Basketball. Bei den amerikanischen Basketballerinnen mischt auch ihre Verlobte Sue Bird mit – Rapinoes Daumendrücken auf der Tribüne hat geholfen: Die USA siegten 90:75 gegen Japan.

7. Eine Sache des Rhythmusgefühls: Die bereits verstorbene Pop-Ikone Michael Jackson zeichnete sich durch großes tänzerisches Können aus – er war ein Vorbild für viele Musikerkollegen. Was das jetzt mit Olympia zu tun hat? Der kubanische Boxer Andy Cruz sorgte nach seinem Sieg im Leichtgewicht gegen den US-Amerikaner Keyshawn Davis im Ring mit einer Tanzeinlage im Stile von Michael Jackson für Aufsehen.

8. Eine Sache der Nervenstärke: Kennen Sie den Vater der US-amerikanischen Golf-Olympiasiegerin Nelly Korda? Es ist Petr Korda, eine tschechische Tennislegende und Teil einer sportbegeisterten Familie. 1998 feierte er bei den Australian Open seinen einzigen Grand-Slam-Sieg. Dabei stand er im Viertelfinale gegen den Schweden Jonas Björkman dicht vor dem Aus. Doch er behielt die Nerven. Es scheint, als habe er seiner Tochter von seiner Coolness etwas mit in die Wiege gelegt.

9. Eine Sache der Sozialen Medien: Die deutsche Läuferin Alica Schmidt darf sich als Gewinnerin fühlen – obwohl sie es gar nicht in die 4x400-Meter-Staffel geschafft hat. Für sie gibt es dennoch eine Goldmedaille – und zwar für den Zuwachs ihrer Abonnenten bei Instagram. Vor den Spielen waren es 1,89, nun sind es 2,47 Millionen.

10. Eine Sache der Temperatur: Eisbeutel waren in Tokio ein gefragtes Gut. Die Tage in der japanischen Hauptstadt waren heiß. Das wird in einem halben Jahr sicher anders sein. Dann beginnen bereits die Winterspiele in Chinas Hauptstadt Peking. Im Februar werden Eisbeutel zum Abkühlen da aber eher weniger benötigt werden. Vielleicht werden dann Heizdecken an die Athleten gereicht. (Björn Mahr und Maximilian Bülau)

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