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Johann Mühlegg: Ein Phantom auf Langlauf-Skiern

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Von: Andreas Arens

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Johann Mühlegg.
Beim Nacht-Langlauf in der Schweiz: Johann Mühlegg mit der spanischen Nationalflagge. © Imago/Puis Koller

Sein Name ist in der Öffentlichkeit weitgehend in Vergessenheit geraten, doch einst versetzte Johann Mühlegg die gesamte Ski-Welt in Erstaunen und Entsetzen.

Vor 20 Jahren gewann der gebürtige Allgäuer Mühlegg – für Spanien startend – bei den Olympischen Spielen in Salt Lake City drei Goldmedaillen im Skilanglauf – und verlor sie nach positivem Dopingbefund alle wieder. Die Geschichte, die hinter Mühlegg steht, ist aber noch viel kurioser.

Sie beginnt 1993. Mühlegg gilt als größtes deutsches Skilanglauf-Talent aller Zeiten, doch als ebenso schwierig. Plötzlich tritt der zweimalige Juniorenweltmeister nur noch in Begleitung der portugiesischen Putzfrau Justina Agostinho auf. Mühlegg nennt sie nur „die Gnade“ und beschreibt sie als „Retter und Führer in allen Lebenslagen“. Durch sie als Medium spreche der „ewige Vater“ mit ihm. Und dieser habe ihm mitgeteilt, dass Bundestrainer Georg Zipfel Mühleggs Getränke „bespreche“, ihn verflucht habe und ihm nach dem Leben trachte.

Mühlegg reist nun nur noch mit von Agostinho geweihtem Wasser zu Wettkämpfen. Wegen des Streits mit Zipfel wird der Allgäuer für die WM 1995 suspendiert und 1998 endgültig vom Deutschen Skiverband ausgeschlossen. Er nimmt die spanische Staatsbürgerschaft an – und beginnt seinen Siegeszug im Kampf gegen die bösen Mächte.

Sportlich ist Mühlegg plötzlich ganz vorn. In der Saison 1999/2000 gewinnt er den Gesamtweltcup. Ein Jahr später wird er Gesamtweltcup-Zweiter und holt bei der WM in Lahti Gold über 50 Kilometer Freistil (mit zwei Minuten Vorsprung auf den Deutschen René Sommerfeldt) sowie Silber in der Verfolgung.

2001/02 gewinnt Mühlegg ein Weltcup-Rennen und konzentriert sich dann auf die Olympischen Spiele in Salt Lake City. Dort rennt er alles in Grund und Boden. Mit mehr als zwei Minuten Vorsprung gewinnt er das 30 Kilometer-Freistilrennen, dann die Verfolgung und den abschließenden 50 Kilometer-Klassiklauf. Das kommt nicht nur den Fans spanisch vor, auch die Dopingkontrolleure werden hellhörig. Nur wenige Tage nach dem Gewinn seiner dritten Goldmedaille wird Mühlegg des Dopings überführt.

„Er hätte gar nicht dopen müssen, so überlegen war er“, sagte der langjährige Teamkamerad und spätere deutsche Erfolgstrainer Jochen Behle aus Korbach einmal über Mühlegg. „Er hätte die Langlauf-Welt über Jahre beherrschen können.“ Eine deutsche Zeitung schrieb: „Er hätte zur Legende werden können, stattdessen wurde er zum Phantom.“

Denn jahrelang weiß niemand, wo Mühlegg steckt. Schließlich spürt die schwedische Zeitung „Expressen“ den „meistgehassten Betrüger der Ski-Welt“ 2014 auf. Im brasilianischen Natal handelt er damals mit Immobilien. In einem kurzen Video-Mitschnitt sagt er: „Ich will über das, was gewesen ist, nicht sprechen. Ich habe diese Welt für immer verlassen.“ (Andreas Arens)

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