INTERVIEW

Lea-Victoria Styber über die Erfüllung ihres Traums

Zwei Sportler, ein Fahrrad und ein beeindruckendes Bild: Lea-Victoria Styber und Nico Rödiger bei ihrer Weltmeisterschafts-Kür in der Porsche-Arena Stuttgart.
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Zwei Sportler, ein Fahrrad und ein beeindruckendes Bild: Lea-Victoria Styber und Nico Rödiger bei ihrer Weltmeisterschafts-Kür in der Porsche-Arena Stuttgart.

Bebra – Knapp zwei Monate ist es her, dass für Kunstradfahrerin Lea-Victoria Styber ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Zusammen mit ihrem Duo-Partner Nico Rödiger gewann sie bei der Hallenrad-Weltmeisterschaft in der Porsche-Arena in Stuttgart die Silbermedaille. Wir sprachen mit der 23-Jährigen aus Bebra über diesen Erfolg, ihre erste WM-Teilnahme und fehlende Ohrringe.

Frau Styber, nach Ihrem Triumph in Stuttgart haben Sie gesagt, dass bei der WM für Sie ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Haben Sie Ihren Erfolg schon realisiert?

Ja, mittlerweile schon. Dadurch dass es unsere erste Saison als Duo war und ich drei Wochen zuvor auch erst meine erste Deutsche Meisterschaft gefahren bin, ist das für mich alles aber immer noch ziemlich unreal. Ich musste bislang auch jeden Tag daran denken und bin einfach überglücklich.

Hat die Medaille einen besonderen Platz bei Ihnen zu Hause bekommen?

Ja, die hängt im Schlafzimmer an der Wand neben der Medaille von der Deutschen Meisterschaft, damit man sie vom Bett aus immer sehen kann. Daneben stehen auch meine ganzen Pokale, sodass das an der Wand schon ganz gut aussieht.

Für Sie und Ihren Duo-Partner Nico Rödiger war es die erste Weltmeisterschaft. Wie aufgeregt waren Sie im Vorfeld?

Ich erinnere mich an sehr viel Aufregung im Vorfeld – mich gibt es nur aufgeregt. Wir sind bis mittags im Mannschaftshotel geblieben und das war grauenvoll, weil ich alleine in meinem Zimmer saß und mich völlig verrückt gemacht habe. Doch selbst mein Duo-Partner war mal aufgeregt und der ist sonst immer die Ruhe in Person. Für uns ging es zwar vor allem darum, unsere erste WM einfach nur zu genießen und die Atmosphäre aufzusaugen, aber beim Einlaufen waren wir schon sehr nervös.

Ihre Aufregung hatte aber einen bestimmten Grund?

Ja, mein größtes Problem war, dass ich am Abend zuvor meinen Ohrring verloren hatte und mir zusätzlich noch jemand gegen mein Ohr geschlagen hat und mein Helix-Piercing herausgefallen ist. Deshalb mussten mir meine Freundinnen am Tag der WM noch Ohrringe besorgen, weil ich ohne nicht hätte starten können. Als ich die dann hatte, ging es mir schon deutlich besser. Bei jedem anderen Wettkampf wäre mir das egal gewesen, aber bei der WM ging das nicht. Die Ohrringe mussten einfach rein, weil sie immer drin sind.

Sie haben die Atmosphäre in der Porsche-Arena angesprochen. Können Sie die beschreiben?

Bei der Deutschen Meisterschaft, die ich drei Wochen zuvor gefahren bin, war die Tribüne schon voll, aber bei der WM war es eine komplette Arena – das war eine ganz andere Hausnummer. Das war wie im Kreis. Die Leute saßen vor einem, neben einem, links und rechts. Zudem wurde man beim Einlaufen von Scheinwerfern verfolgt und für die Live-Übertragung von Kameras eingefangen. Das war schon echt krass und ist nicht zu vergleichen.

Sie fuhren zum ersten Mal vor 4000 Zuschauern. War diese Kulisse eine zusätzliche Motivation?

Dadurch, dass auch andere Nationen vor Ort waren, hat das Publikum auch bei Übungen geklatscht, bei denen wir in Deutschland keinen Applaus mehr bekommen. Und das motiviert einen dann schon. Das einzige, was mich an der Atmosphäre gestört hat, war, dass es beim Einlaufen lauter als sonst war. Denn sonst ist es beim Kunstradfahren immer mucksmäuschenstill. Aber 4000 Leute können nicht mucksmäuschenstill sein, weshalb immer wieder Leute ‘Psst’ gemacht haben, was mich echt gestört hat. Aber als unsere Musik dann anging, hat es mich dann nicht mehr gekümmert.

Hätten Sie gedacht, dass die WM dann so gut für Sie beide verläuft?

Nein, auf gar keinen Fall. Leider musste ich bei unserem ersten Teil der Kür, bei dem jeder auf seinem eigenen Kunstrad fährt, zweimal das Rad verlassen. Nach dem ersten Sturz war ich auch ein bisschen angefressen und überhaupt nicht entspannt, aber Nico hat mir gut zugeredet. Doch dann bin ich bei der letzten Übung wieder hingefallen. Vor dem zweiten Teil habe ich dann einmal kurz die Augen zugemacht, ganz tief durchgeatmet und mir gesagt: Der Teil auf zwei Rädern ist rum, der Teil auf einem Rad wird jetzt super.

Und so war es dann auch.

Das war megageil. Unser Lied klang nach dem letzten Übergang, als wir nur noch eine halbe Runde zu fahren hatten, noch ganz leise aus und die Leute haben schon alle geklatscht und geschrien. Das war ein richtig schöner Moment, den wir sehr genossen haben. Als ich dann von der Fahrfläche gelaufen bin, um die Punktzahl auf dem großen Videowürfel sehen zu können, standen dort 151 Punkte – damit hatte ich nicht gerechnet.

Dabei hatten Sie, was die Punktzahl anbelangt, doch ein ganz besonderes Ziel?

Ja, wir sind die ganze Saison und in der WM-Qualifikation jedes Mal über 150 Punkte gefahren. Deshalb hatten unsere Freunde und Familien für uns Fan-Shirts gemacht, auf denen „Konstant brillant“ stand. Deswegen war es für uns ein großes Ziel, bei der WM wieder über 150 Punkte zu kommen, weil wir unserem T-Shirt natürlich Ehre erweisen wollten. Das hat – Gott sei Dank – geklappt.

Von Alicia Kreth

Unterstützung: Sportlerinnen aus Ernsthausen fieberten mit Lea-Victoria Styber (sitzend in der Mitte) mit und feierten die WM-Silbermedaille.

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