Eine Premiere zum Genießen

Frankenberger Diskuswerfer startet bei Deutschen Leichtathletik-Meisterschaft

Mit Schwung zur ersten Meisterschaft: Nils Kollmar vom TSV Frankenberg. Foto: bf//nh

Kassel. Das Thema: An diesem Wochenende ermitteln die besten Leichtathleten der Republik die Deutschen Meister in Nürnberg. 13 Sportler aus der Region haben sich in ganz verschiedenen Disziplinen für die Titelkämpfe qualifiziert. Ein Überblick.

Für so manche Leichtathleten geht’s an diesem Wochenende um die Tickets für die Weltmeisterschaft in Peking. Für Nils Kollmar allerdings ist das Ziel ein anderes: „Die Stimmung im Stadion mitnehmen. Die Aufmerksamkeit der Zuschauer genießen. Vielleicht auch mal im Fernsehen zu sehen zu sein.“ Das sind die Hoffnungen, mit denen der junge Diskuswerfer des TSV Frankenberg zu seiner ersten Deutschen Meisterschaft reist.

Mit der Qualifikation hatte er gar nicht gerechnet. Denn eigentlich konzentriert sich der 21-Jährige in diesem Jahr auf eine ganz andere Sportart: Bobfahren nämlich. Im Sommer will sich der Anschieber beim zentralen Leistungstest dem Bundestrainer empfehlen. Darauf sei derzeit eigentlich sein Training ausgerichtet, erklärt er.

Doch nebenbei startete der Frankenberger, der in Marburg im vierten Semester Wirtschaftsmathematik studiert, weiterhin bei Wurf-Wettkämpfen. So auch im Juni bei der Deutschen U23-Meisterschaft in Wetzlar, bei der er Sechster wurde. Frei sei er im Kopf gewesen, machte sich anders als bei vielen Wettkämpfen zuvor keinen Druck. Und siehe da: Plötzlich landete die zwei Kilogramm schwere Scheibe bei 53,64 Meter - und war damit 14 Zentimeter weitergeflogen als die Norm für die Deutsche Meisterschaft (53,50 Meter). „Vielleicht war genau das der Schlüssel. Ich habe mir einfach keinen Kopf gemacht“, sagt Kollmar. Dass er nun Letzter der Setzliste des 16-köpfigen Starterfeldes ist, ist für ihn Nebensache. „Ich habe die Qualifikation geschafft. Da ist es doch logisch, dass ich auch nach Nürnberg fahre. Das wird eine super Erfahrung. Natürlich werde ich ein wenig aufgeregt sein. Aber ich erwarte von mir nicht, dass ich Bestleistung werfe“, verrät er. Einziger kleiner Wermutstropfen: Weltmeister und Olympiasieger Robert Harting ist nicht am Start. „Schade, denn mit ihm habe ich noch nie einen Wettkampf absolviert“, erzählt Kollmar. Ein anderer Harting ist dennoch dabei: Roberts Bruder Christoph, der sich mit der größten Weite von 67,93 Meter für den Diskus-Entscheid qualifizierte.

Gestern noch stand für Kollmar eine Klausur auf dem Uni-Plan. Am Abend ging’s zu Freundin Ira nach Gießen, von dort weiter mit den Eltern Kerstin und Michael Kollmar nach Nürnberg. Der Vater dürfte ihm besonders die Daumen drücken. Denn er ist nicht nur der Trainer seines Sohnes, er war es auch, der die Liebe seines Sohnes 2003 zum Diskuswerfen entfachte.

Heute Nachmittag wird sich Familie Kollmar zunächst die Diskuswurf-Entscheidung der Frauen anschauen. „Abends werden wir noch essen gehen. Vielleicht gibt’s Nürnberger Rostbratwürstchen. Einen Speiseplan wie bei den Sprintern gibt’s für uns ja nicht“, sagt Kollmar und lacht. Und am Sonntag, dann wird’s ernst: Um 13.50 Uhr beginnt sein Wettkampf.

Auch sie sind dabei:

Laura Hottenrott

Laut Bestenliste des Deutschen Leichtathtletik-Verbandes steht bei der Baunatalerin Laura Hottenrott über 5000 Meter die viertbeste Zeit zu Buche (16:07,21 Minuten). 37 Athletinnen haben für die Strecke die Norm geknackt. Ziel der Studentin: ein Platz unter den besten sechs.

Ekaterina Menne

Die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft ist für die Dreispringerin aus Wellerode, die für den GSV Eintracht Baunatal startet, eine schöne Zugabe. Im Juni erst absolvierte sie ihren ersten Wettkampf nach der Geburt von Tochter Mia. Ihre Saisonbestleistung liegt bei 12,91 Meter.

Ronja Böhrer

Auch die junge Athletin des SSC Bad Sooden-Allendorf erlebt ihre erste Deutsche Meisterschaft: Sie zählt über 3000 Meter Hindernis bereits zu den besten fünf Läuferinnen der Republik und reist mit einer Zeit von 10:12,33 Minuten an. Favoritin ist Gesa Felicitas Krause (9:36,21 Minuten).

Florian Orth

Über 1500 Meter startet der aus Treysa stammende Mittelstreckler, der den Dress der LG Regensburg trägt. Mit einer Zeit von 3:38,78 Minuten bringt er die schnellste Qualifikationszeit der 26 Starter mit. Carsten Schlangen, Meister von 2013, ist dabei, wohl aber der amtierende Champion Timo Benitz.

Carolin Schäfer

Die Bad Wildungerin, EM-Vierte im Siebenkampf, startet zweimal: Am Samstag über 100 Meter Hürden, am Sonntag im Hochsprung. Sie wolle einen letzten Formtest vor der WM in Peking absolvieren, schreibt sie bei Facebook und versuchen, „die Spezialisten ein wenig zu ärgern.“

und außerdem:

• Steven Müller (Kassel/LC Paderborn: 100 und 200 Meter

• Jens Nerkamp (PSV Grün-Weiß Kassel): 5000 Meter

• Julia Schaefers (Kassel/Bayer Leverkusen): 400 Meter

• Frederike Hogrebe (Padberg/ Bayer Leverkusen): 400 Meter, 400 Meter Hürden, 4x400 Meter

• Lena Menzel (Grebenstein/Bayer Leverkusen): 800 Meter, 4x400 Meter

• Judith Entzeroth (Spangenberg/Sprintteam Hessen): 4x400 Meter

• Xenia Stolz (früher Achkinadze/ Ziegenhain (Wiesbadener LV): Weitsprung

• ... und im TV: Am Samstag überträgt die ARD ab 17 Uhr live aus Nürnberg, am Sonntag ist das ZDF ab 15.20 Uhr live auf Sendung.

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