Eishockey

Eisbären Berlin: Geschichtsunterricht für die Spieler

Früher ein Bremerhavener, künftig ein Berliner: Eishockeystürmer Mark Zengerle im Pinguin-Trikot.
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Früher ein Bremerhavener, künftig ein Berliner: Eishockeystürmer Mark Zengerle im Pinguin-Trikot. FotO: PICTURE ALLIANCE/BEAUTIFUL SPORTS / Steffie WunderlICH

Weil Neuzugang Mark Zengerle höchst umstritten twitterte, reagierte Sportchef Stephane Richer: Bei den Eisbären Berlin steht nun Geschichtsunterricht für Eishockeyspieler auf dem Programm.

Der Anlass war brisant, die Reaktion bemerkenswert: „Wir werden in der Vorbereitung auf die kommende DEL-Saison mehrere kleine Stunden Geschichtsunterricht mit den Spieler absolvieren“, sagte Stéphane Richer (54). Für den Sportdirektor der Eisbären Berlin ist es unabdingbar, dass das Personal des Eishockeyklubs sich mit der „besonderen Geschichte und Kultur dieses Klubs, dieser deutschen Hauptstadt und der Bundesrepublik Deutschland auseinandersetzt“. Dazu gehöre dann auch eine ausführliche Stadtrundfahrt zu historisch und politisch relevanten Orten. „Auch wenn die hier in Berlin ein wenig länger dauern wird als in Kassel“, sagt Richer lachend, der von 2005 bis 2010 Cheftrainer der Huskies war.

StéphaneRicherSportdirektor Eisbären Berlin

Keineswegs so fröhlich aber war der Berliner Sportchef vor wenigen Tagen. Noch bevor ihm wie allen anderen Eisbären die Regeln des Klubs für den Umgang mit den Sozialen Netzwerken eingebläut werden konnten (Richer: „Das machen wir schon seit Jahren.“), hatte ein Neuzugang aus Übersee im Web ein kapitales Foul begangen: Stürmer Mark Zengerle, 31, der von den Pinguins Bremerhaven kommen wird. Einer, der zum Heer nordamerikanischer Profis gehört, die es nicht in die NHL schaffen, der aber in Berlin sicher besser verdienen wird als in der Fischtown. Einer, dessen Name die deutsche Abstammung zeigt und den deutschen Spielerpass begründet, bei dem die Hauptstädter somit eine gewisse Sensibilität für historische, politische Hintergründe erwarten, zumindest aber erhoffen durften.

Fehlanzeige. Lange bevor Mark Zengerle seinen Dienst bei den Eisbären antritt, wurde er für seinen neuen Klub zum Ärgernis. Weil nicht verborgen blieb, was er zur politischen Lage in den USA mit Blick auf Rassismus und Polizeigewalt zum Besten gab. Sein finaler Beitrag war ein „Thank you Mr. President“ als Kommentar zur Ankündigung Donald Trumps, die Antifa zur terroristischen Organisation zu erklären. Die Eishockey-Prominenz aus der NHL hatte sich durch die Bank anders positioniert und sich dem Gedenken an George Floyd angeschlossen.

Hinzu kommt: Der Anhang der im Berliner Osten begründeten Eisbären definiert sich als antifaschistisch. Im Wellblechpalast, wo Zengerle trainieren wird, wenn seine Zeit in Berlin tatsächlich beginnt, steht auf der Sprecherkabine: „Antifa is here.“ Hält Zengerle die Fans für Terroristen?

Die Debatte darum spielte sich nicht nur in der Twitter-Blase ab, die Geschichte um weitere Tweets von Zengerle zog ihre Kreise. Die Eisbären reagierten in einer Pressemitteilung: „Im Zusammenhang mit den Vorfällen in den USA ... äußerte bzw. unterstützte ... Mark Zengerle mehrfach Nachrichten, die nicht die Weltoffenheit, das Geschichtsbewusstsein und die Werte der Eisbären Berlin widerspiegeln. Zengerle hat diese Meinungsäußerungen gelöscht.“ Sportdirektor Richer erklärte nun noch einmal, er habe Zengerle „in einem sehr intensiven Gespräch klar gemacht, dass in Europa ganz anders gedacht und gelebt wird als in den USA“. Er habe Zengerle die „ethischen Grundwerte des Klubs und seines Besitzers, der Anschutz Entertainment Group in Los Angeles, dargelegt“.

Der in Rochester (New York) geborene Zengerle wird zitiert: „Das war alles ein großes Missverständnis. Es tut mir sehr leid, was ich damit angerichtet habe. Ich bin nicht diese Person. Ich will einfach, dass die Unruhen aufhören, dass die Gewalt ein Ende findet und auch der Rassismus!“ Foto: picture alliance / Britta Pedersen / dpa

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