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Christian Friedrich ist Eisenmann und Muckemann

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Triathlon, Hamburg, Spaziergang oder nicht? Der 5. Juni wird zeigen, wie es Christian Friedrich in Hamburg ergeht. Eine musikalische Vorahnung hat er schon.
Spaziergang oder nicht? Der 5. Juni wird zeigen, wie es Christian Friedrich in Hamburg ergeht. Eine musikalische Vorahnung hat er schon. © Christian Friedrich

Einen Spaziergang an der Alster – das dürfte wohl fast jeder Reiseführer den Besuchern Hamburgs empfehlen. Nahe der Innenstadt der Elbe-Metropole ist so Erholung garantiert. Vorausgesetzt, man versteht unter dem Spaziergang nicht das, was Christian Friedrich vorhat.

Bad Hersfeld – Der gebürtige Hersfelder wird am 5. Juni den Ironman-Triathlon (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren, 42,195 Kilometer Laufen) absolvieren. Weil er dafür nicht so trainiert hat wie wohl nötig, glaubt der 48-Jährige selbst an einen ziemlich schmerzvollen Spaziergang. Den allerdings hat er bereits im Voraus verarbeitet: Musikalisch, als Song im Grunge- und Rockgewand, eben mit dem Titel „Spaziergang an der Alster“.

Aber der Reihe nach. Christian Friedrich ist weit mehr als ein Freizeit-Triathlet. Mehrfach ging er die Qualifikation für den Ironman auf Hawaii an – bislang ohne Erfolg, doch er glaubt: „Ich habe die Quali immer noch in mir.“ 2008, als er seine Bestzeit von 9:27 Stunden schwamm, fuhr und lief, kam er dem großen Ziel bislang am nächsten – sieben Minuten fehlten. Damals wohnte er noch in München, inzwischen lebt er mit seiner dänischen Frau Gitte und den Söhnen Felix (9) und Oskar (6) in Kopenhagen.

Unsere Zeitung berichtete 2008 über ihn, doch da war noch nicht die Rede von Friedrichs zweiter großer Leidenschaft, der Musik. Die war streng genommen die erste. Mit 16 spielte Christian Friedrich in einer Band Gitarre auf der Hohen Luft. Trash Metal – also ziemlich laut. Später, solo, sang er Parodien, nahm Stücke für Freunde auf. Bis der Triathlon kam. „Triathlon legt sich in dein Hobbynest und wirft alles andere raus“, beschreibt Friedrich plastisch, dass die beiden zeit- und kostenaufwändigen Hobbys eigentlich nicht zusammenpassen. So hatte der Sport zunächst einmal den Vorrang. „Ich war ein Vieltrainierer und -starter“, beschreibt er sein Pensum. „20 Stunden Training in der Woche waren nicht selten.“

Das ist Vergangenheit. Inzwischen ist ihm seine Familie wichtiger. Seine dänische Frau hatte er in einer Bad Hersfelder Kneipe kennengelernt, als sie als Au Pair in der Kreisstadt arbeitete. Nach der Zeit der Vielstarterei und in Dänemark nahm die Musik wieder breiteren Raum in seinem Leben ein. Als „Muckemann“ komponiert und arrangiert er selbst, singt und spielt Karaoke-Lieder über die Familie, schreibt eigene Texte über die Haustiere, über die Imkerei, das Hobby seiner Frau, oder das entspannte Sitzen auf dem Sofa, bei dem er dann doch merkt, dass er lieber seine quirlige Familie um sich hätte. „Die Musik, die ich mache, finde ich auch selber gut“, sagt er.

Und dann kamen die beiden Hobbys doch noch zusammen: Christian Friedrich schrieb Lieder über Triathlon. Rotzig-rockig besingt er „Mein Rad“, auf dem er sich Kilometer um Kilometer vorwärts quält, deutlich melodischer und mit Bildern unterlegt ist die „Geschichte der Julie Moss“, jener Triathletin, die sich 1982 dehydriert und dem völligen Zusammenbruch nahe auf Hawaii ins Ziel quälte. Beide Titel waren dem Triathlon-Magazin, dem Fachblatt der Szene, bereits Artikel über ihn wert.

Das Magazin nennt das zeitliche Dilemma beim Namen: Oft heißt es eben „Triathlon oder Musik“ statt „Triathlon und Musik“, wenngleich viele Ideen für Songs und Texte ihm beim Training kommen. „Da geht es dann darum, auf den letzten Kilometern eine gute Songzeile nicht gleich wieder zu vergessen. Zu Hause wird sie gleich notiert oder eingespielt.“

Christian Friedrich gibt zu, dass er 40 Tage vor dem Wettkampf in Hamburg erst mit dem Training begonnen habe und nun aufholen müsse, was eigentlich in wenigstens drei Monaten hätte erreicht werden müssen. „Schwimmen geht immer bei mir“, nennt er allerdings einen Vorteil, den er den meisten seiner Konkurrenten gegenüber hat. „Dann ab aufs Rad und am Ende in die Laufschuhe zum Marathon. „Bis 25 Kilometer wird gepowert, dann heißt es nur noch durchballern“, sagt er. Ein Spaziergang klingt irgendwie anders.

(Rainer Henkel)

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