Warum sich Körles Torhüter Sven Sennhenn dreizehneinhalb Monate gedulden musste

Das Ende einer Irrfahrt

Der doppelte Sennhenn: Körles Sven Sennhenn in gewohnter Rolle als Torhüter (rechts) und als Torjäger im Trikot der FC-Reserve. Fotomontage: Kasiewicz/Hahn

Körle. Wenn Sven Sennhenn, der Torhüter des Fußball-Gruppenligisten FC Körle, von einer Achterbahn der Gefühle spricht, ist das fast untertrieben. Denn was der 24-Jährige in der jüngsten Vergangenheit erlebt hat, wünscht man keinem Hobby-Sportler. Kurz gesagt: Als Stammtorwart war er sechs Monate gesperrt, dann mehrfach verletzt - und kämpfte sich über Umwege wieder heran.

„Ich habe Hochachtung vor Sven. Immer, wenn ein Rückschlag folgte, hat er bei seiner Einstellung zugelegt“, sagt sein Trainer Jörg Müller. Angefangen hat die Irrfahrt im Oktober 2009. Sennhenn kassiert eine Rote Karte im Spiel bei Schwalmstadt II. Der FC verliert 1:5, der gefoulte Jan-Philipp Trümner wird nicht verletzt. Doch weil Sennhenn fünf Monate zuvor wegen eines Handspiels außerhalb des Strafraums vom Platz geflogen war, gilt er als Wiederholungstäter, wird acht Partien gesperrt. Einspruch. Abgelehnt.

Und das trifft den gebürtigen Kehrenbacher hart. Für den Amateursportler werden aus acht Begegnungen satte sechs Monate. Zu seinem Pech hält Vertreter Torsten Rother stark, kassiert nur acht Treffer. Kein Grund für Müller zu tauschen. Sennhenn, der nun sogar ablösefrei hätte wechseln können, spielt bis zum Sommer in der Reserve und bekommt einen weiteren Konkurrenten: Mario Umbach.

Die beiden jungen Torhüter eint das Schicksal, dass sie zuvor beide nicht an Sascha Beetz beim Melsunger FV vorbeigekommen waren. Sennhenn schloss sich 2006 dem FC an, Umbach zunächst 2009 der FSG Gudensberg. Die ersten Saisonspiele machte dennoch wieder Rother, der mittlerweile aber für die Reserve stürmt. Umbach war verletzt hinzugestoßen, Sennhenn zog sich in der Vorbereitung einen Muskelfaserriss zu und wurde durch eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich außer Gefecht gesetzt. Seine erste Partie in dieser Saison sollte ein neuer Tiefpunkt werden. Der Körler stand bei der zweiten Mannschaft gegen Altmorschen eine Halbzeit im Tor, stürmte im zweiten Durchgang - und verletzte sich schwer: Schultereckgelenksprengung, weitere vier Wochen Pause. Sogar sieben, um an Torwarttraining zu denken.

Also stellte er sich wieder bei der Reserve in den Angriff, markierte beim 1:1 gegen Binsförth sogar einen Treffer. „Ich bin flott unterwegs und treffe aus Versehen auch mal“, witzelt er, obwohl ihm in den Monaten zuvor sicher nicht immer nach Lachen zumute war. Doch weil Mario Umbach im Spätherbst schwächelte, bekam er eine neue Chance. Beim 2:2 gegen die SG Gilsa/Jesberg/Waltersbrück stand er wieder in der Gruppenliga zwischen den Pfosten - dreizehneinhalb Monate nach seiner Roten Karte.

„Ein geiles Gefühl und eine Genugtuung“, sagt Sven Sennhenn. Nun hat er zwei Ziele. Die Nummer eins zu bleiben und mit Körle noch aufzusteigen. Aktuell ist der FC Vierter, war davor Dritter und scheiterte zweimal in der Relegation. Zehn Punkte beträgt der Rückstand auf Spitzenreiter Bad Wildungen/Friedrichstein. Eine Kleinigkeit im Vergleich zu dem, was der 24-Jährige hinter sich hat.

Von Sebastian Schmidt

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