Erfolgreiche Sportschützin im Interview

Manuela Schmermund über Olympia: „Es fehlt einfach das Flair“

Blickt auf erfolgreiche Olympiateilnahmen zurück: Die Sportschützin Manuela Schmermund aus Mengshausen.
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Blickt auf erfolgreiche Olympiateilnahmen zurück: Die Sportschützin Manuela Schmermund aus Mengshausen.

Gestern haben die Olympischen Spiele in Tokio mit der Eröffnungsfeier begonnen. Wir sprachen mit der vierfachen Paralympics-Medaillengewinnerin Manuela Schmermund über Corona-Maßnahmen, Medaillenträume, ihre persönlichen Olympiamomente, unschuldige Doping-Opfer und Bundesligawettkämpfe.

Aktuelle Corona-Regeln

„Selbst wenn ich nominiert gewesen wäre – großen Spaß an dieser Olympiade hätte ich sicherlich nicht gehabt. Bereits jetzt wurden schon, Stand Mittwoch, 75 Coronafälle gezählt – und das nur allein im Athletenlager. Die Sportler bleiben dort bis die Spiele vorbei sind – also fast hermetisch abgeriegelt. Bei den Wettkämpfen gibt es so gut wie keine Zuschauer – es fehlt dieser Olympiade also komplett das Flair, das was die Spiele ausmacht. Und ich bin gespannt, ob– und wie die Medien über die Coronafälle berichten. Es entsteht der Eindruck, dass Corona-Einschränkungen als Vorwand benutzt werden, um kritische Journalisten so weit wie möglich außen vor zu halten.Aber Hauptsache, die Fernsehgelder stimmen. Das Fernsehen zeigt das normale Wettkampfgeschehen - und blendet das Übrige aus. Und die vom IOC können die Fernsehgelder einsacken.“

(Anmerkungen der Redaktion: Aufgrund der Corona-Einschränkungen haben viele Journalisten ihre Akkreditierungen zurückgezogen, beziehungsweise haben Medien erst gar keine beantragt).

Große Medaillenträume

„Angesichts dieser Umstände hätte ich keine großen Medaillenträume. Ich hatte eher gedacht, dass das IOC ein Zeichen setzt und die Spiele noch einmal um ein Jahr verschiebt. Dann dürften wesentlich mehr Menschen geimpft sein als zum jetzigen Zeitpunkt. In Afrika oder Südamerika sind momentan noch zu wenig gegen Corona geschützt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Corona weiter eingedämmt sein wird, ist groß.“

Persönliche Olympia-Momente

„Da gibt es natürlich einige Momente, die mir nachhaltig im Gedächtnis haften geblieben sind. Obwohl ich keine Medaille gewonnen hatte und ich nur bis ins Finale vorgedrungen bin, war die Olympiade in Sydney einfach umwerfend. In Peking war es die Begegnung mit einer schwedischen Schützin, die mich beeindruckt hat. Sie hat mir als direkte Konkurrentin viel Glück gewünscht. Am beeindruckendsten aber waren die Gesten der Koreanerin Kim in Athen 2004. Sie hat sich vor mir verbeugt, als ich die Goldmedaille vor ihr geholt habe und mir so Respekt gezollt.“

Beiß’ rein: Manuela Schmermund als Gold- und Bronzemedaillengewinnerin von Athen.

Unschuldige Dopingsünder

Manuela Schmermund war vergangene Woche kurz in einer ARD-Dokumentation in einer Video-Schaltung zu sehen. Hier ging es darum, wie saubere Sportler unschuldig zu Doping-Opfern werden können.

Unter Umständen ist es schon möglich, bestimmte Substanzen über einen flüchtigen Hautkontakt zu verabreichen. Manuelas erste Reaktion im Fernsehen vor der Webcam: „Unglaublich, was da gezeigt worden ist.“ Und in der HZ legt sie nach: „Durch eine einfache Berührung wird jemand zum Doping-Sünder gestempelt, obwohl er nie etwas damit zu tun gehabt hatte. Ganz besonders schlimm fand ich das Beispiel mit der belgischen Judo-Kämpferin, der von ihrem eigenen Trainer Dopingmittel verabreicht wurden. Auf der anderen Seite haben die tatsächlichen Dopingsünder eine Gelegenheit zu behaupten, dass ihnen das Dopingmittel untergeschoben worden ist. Das stellt den ganzen Sport irgendwie auf den Kopf. Denn wer um Himmels Willen, kann als Athlet das nachweisen?“

Spannende Bundesligawettkämpfe

„Zurzeit sieht es so aus, dass die Bundesligawettkämpfe mit dem Luftgewehr ausgetragen werden. Das heißt, auch unser Wettkampf in Niederaula. Und das auch vor Publikum. Das ist zwar auf der einen Seite gut für den Sport und für den Verein. Andererseits: Ich als Risikopatientin habe damit so meine Schwierigkeiten.“

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