Fußballtrainer geht mit dem FV Friedlos ins elfte Jahr

Paco Garcia: Familie, Fußball und ein Autokorso

So lässt es sich aushalten: Paco und Susanne Garcia entspannen mit ihren Hunden in Rohrbach auf dem Balkon.
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So lässt es sich aushalten: Paco und Susanne Garcia entspannen mit ihren Hunden in Rohrbach auf dem Balkon.

Mitte Mai feierte Francisco Garcia Villegas, den alle nur „Paco“ nennen, seinen 60. Geburtstag. Als Spanier bringt er feuriges Temperament mit, und Familie bedeutet ihm alles. Doch Fußball (fast) ebenso viel.

Rohrbach – Man kann die Atmosphäre fühlen. „Das Haus ist immer offen“, sagt Paco knapp. „Wir freuen uns, wenn alle da sind“; mit „wir“ meint er natürlich auch seine Ehefrau Susanne.

Für Paco, der aus dem südspanischen Almeria kommt, ist das nicht neu. Dort hat Familienleben eine spezielle Bedeutung. „Alles ist enger. Intensiver. Man trifft sich mehr. Und ist mehr zusammen.“ Schön aber, dass das auch in Garcias Wohnort Rohrbach klappt. Töchter und Söhne samt ihren kleinen Kindern kommen zu Besuch, Paco ist stolzer vierfacher Opa. Und er genießt seine Rolle. „Zehn oder zwölf Personen sind wir dann“.

In dem Maße, wie er das Familienleben in sich aufsaugt, spürt Paco auch den Fußball. Zehn Jahre ist er jetzt Trainer des A-Ligisten FV Friedlos, und eigentlich sollte in diesem Sommer Schluss sein. Doch der 60-Jährige möchte noch nicht. Und er nennt Gründe. Die Arbeit beim Verein aus dem Ludwigsauer Ortsteil lastet zunehmend auf weniger Schultern, vor wenigen Tagen verstarb Ex-Kreisfußballwart Heinrich Lehn, ein Herz des FV Friedlos.

Auch Günther Lehn musste zuletzt aus gesundheitlichen Gründen kürzertreten – auch wenn es den Vorsitzenden Michael Spengler gibt. „Er überschlägt sich“, bemerkt Paco knapp, „wir haben einen Vorsitzenden und einen Trainer, die mehrere Funktionen haben.“

Keine Frage: Paco muss den über die Maßen engagierten Spengler unterstützen. Seine Spieler hat er ins Herz geschlossen. „Ich führe Gespräche mit eigenen Spielern. Mit neuen Spielern. Ich habe sie alle nach Friedlos geholt“, sagt der Coach. „Das ist so zusammengewachsen. Der Grund dafür, dass ich noch ein Jahr dranhänge, sind vor allem die Spieler.“

Dann klinkt sich Stieftochter Natascha ins Gespräch ein. „Das ist wie ‘ne Droge. Das braucht der“, wirft sie ein, „man verbindet den Paco auf immer mit Fußball. Paco ist gleich Fußball.“ Susannes Bestätigung folgt in Sekunden. „Ich hab’ gewusst, ich krieg ihn nur im Doppelpack“, sagt sie, „ohne Fußball ist es nicht mein Mann. Er ist fußball-krank“. Der 60-Jährige weiß, dass irgendwann Schluss ist, doch eines beschleicht ihn noch. Gibt ihm ein ungutes Gefühl. Es ist die Angst, dass „das kaputt geht, was ich in zehn Jahren aufgebaut hab“.

Als hätte es eines Beweises bedurft für Pacos Beliebtheit beim A-Ligisten, so mag diese Begebenheit gelten. Besser hätte sie nicht inszeniert werden können. Susanne hatte sie angeregt, ihre Töchter Theresa, die einst für den SV Kathus in der Verbandsliga kickte, und Natascha organisierten dies. Am 60. Geburtstag „kam die ganze Mannschaft den Wald runtergefahren. Im Autokorso“, berichtet Paco.

Dazu muss man wissen: Seine Familie wohnt nicht weit entfernt vom Waldweg, der nach Heenes führt. „Die lieben den Paco“, sagt Susanne. Und ihr Mann stammelt nur: „Da lachst du im Herzen. Was ist das für eine Truppe. Die kannst du gar nicht im Stich lassen.“

Erneut schwärmt er vom Charakter seiner Mannschaft, die in Dani Younan, Felix Gossmann oder Kapitän Matthias Wolf Spieler hat, die auch einmal eine Trainingseinheit übernehmen können, falls ihr Coach mal zu spät von seiner Arbeit nach Hause kommt. Paco hatte bei der auf den Punkt gelungenen Überraschung seines Teams, von „seinen Frauen“ initiiert und umgesetzt, Tränen in den Augen.

Er verschreibt sich all dem mit Haut und Haaren. Dem Fußball. Dem FV Friedlos. Seiner Familie. Schließlich passt all dies zu seinem spanischen Gemüt. Und das Haus ist immer offen.

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