Interview mit Lutz Anders - Bewegung für Nordhessen

Lutz Anders macht die Fußballer im Trainingslager fit

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Im Zweifel turnt er auch selbst vor: Lutz Anders, hier beim Unterarmstütz, bringt neben dem KSV Hessen und der MT Melsungen auch als Personal Trainer Menschen auf Trapp.

Derzeit lässt er die Löwen schwitzen. Lutz Anders ist Athletiktrainer des KSV Hessen, macht die Fußballer im Trainingslager fit. Auch die Handballer der MT Melsungen bringt er auf Trab.

Anders ist auch Personal Trainer. Im Rahmen unserer Aktion „Bewegung für Nordhessen“ - Leser und Redakteure versuchten auf sechs verschiedenen Wegen, fitter zu werden - hat er den Autoren dieses Interviews ins Schwitzen gebracht. Und nun mit ihm über das gesprochen, was Personal Training in seinen Augen ausmacht. Weil Anders der persönliche Trainer ist, wird hier ausnahmsweise geduzt.

Mal ganz ehrlich: Macht es manchmal Spaß, schwitzende Menschen zu quälen?

Anders: Eher nicht. Als Trainer musst du dich in die Situation dessen versetzen, der zu dir kommt. Sonst funktioniert das nicht. Wenn jemand gequält werden will beim Training, krieg ich das allerdings hin.

Das glaub ich. Was sind das für Menschen, die freiwillig kommen, um sich ins Schwitzen bringen zu lassen? 

Anders: Vor allem Menschen, die ein neues Körperbewusstsein bekommen, die sich wohler fühlen wollen.

Und die Beweggründe? Eher Leidensdruck? Oder die Sorge ums Aussehen? 

Anders: Da ich in einem Reha-Betrieb bin, arbeite ich meist mit Patienten, die Verletzungen haben. So wie du Stabilität für das Knie brauchst und dich im Alltag besser bewegen willst. Und übrigens: Wer sich wohler fühlt, der sieht auch besser aus.

Wie geht man heran an einen neuen Kunden? 

Anders: Das Wichtigste ist: reden! Man muss sich kennenlernen, Ziele besprechen, ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Es gibt ja auch Fälle, in denen es nicht passt. Wenn ich mich nicht mit dem Ziel identifizieren kann, dann macht Zusammenarbeit keinen Sinn.

Was macht gutes Training in deinen Augen aus? 

Anders: Erst einmal: Ich muss in jeder Situation die Rolle einnehmen, die wichtig ist. Mal Mahner sein und Antreiber, mal aber auch Zuhörer und Freund.

Und bei der reinen Trainingsarbeit? 

Anders: Ich will den Trainierenden dauerhaft in Bewegung halten mit flüssigen und ständig variierenden Abläufen. Ein isoliertes Training gibt es bei mir nicht.

Isoliertes Training? Was ist das denn? Sport in Einzelhaft? 

Anders: Quatsch. Du trainierst dabei mit einer Übung nur einen Teil des Körpers. Beispielsweise Schultern oder Bizeps. Das ist Fitnessstudio. Bei mir läuft das so nicht. Ich suche Übungen, von denen der ganze Körper etwas hat.

Also ständige Abwechslung.

Anders: Ja. Ich will Vielfalt anbieten. Dann wird das Training nicht langweilig. Allerdings gibt es eine Basis. Um die herum versuche ich, kreativ zu sein. Nichts doppelt machen, das ist, wenn man so will, mein Markenzeichen. Der Trainer ersetzt das Gerät.

Hat einen Nachteil: Wenn ich alleine trainiere, kann ich mich nur an wenige Übungen erinnern. 

Anders: Das geht vielen so. Sich Bewegungsabläufe merken ist nicht leicht. Wenn ich den Leuten einen Trainingsplan schreibe, dann besteht der deshalb auch im Wesentlichen aus drei Übungen.

Woraus würde mein Plan bestehen? 

Anders: Du machst Bein-Stabilisation im Ausfallschritt, verschiedene Varianten von Kniebeugen und deine Lieblingsübung: Liegestütz.

Na prima. Aber zumindest weiß ich jetzt, wie ich ohne dich weitermachen kann. Personal Training ist ja auf Dauer eine kostspielige Sache. 

Anders: Das stimmt auf jeden Fall. Trotzdem sage ich: Wer neu damit beginnen will, seinen Körper zu trainieren, sollte das mit einem Personal Trainer tun. Als Einstieg, um auf den richtigen Weg zu kommen. Später musst du ja nicht dauerhaft mit Trainer arbeiten. Beim Personal Training machst du deinen Fitnessführerschein. Das muss ein Coach hinbekommen, dass der Trainierte diese Wahrnehmung des eigenen Körpers kriegt. Danach kann er auch ins Studio gehen.

Nerven Trainingseinheiten den Trainer auch mal? 

Anders: Das kann schon vorkommen. Aber an sich ist jede einzelne Stunde interessant. Menschen lernen voneinander. Das macht es so schön. Ich lerne so immer dazu. Auch die Birne muss beim Krafttraining wachsen. Natürlich will ich damit auch mein Geld verdienen. Aber dass ein Austausch da ist, das ist mir genauso wichtig. Wir beide gehen ja nach dem Training auch manchmal Kaffee trinken und reden über Fußball.

Da ist dann die Frage, wer von wem lernt. 

Anders: Auf jeden Fall. Aber im Zweifel bin ich ja der Trainer.

Das sagt: Frank Ziemke

Als ich das erste Training mit Lutz hinter mir hatte, da war der Schmerz groß. Zwei Tage lang konnte ich die Arme kaum heben. Ich habe ihm dann natürlich gesagt, dass das so nicht geht. Als Folge konnte ich nach dem nächsten Training zwei Tage nicht gehen, weil meine Waden brannten. Spaß beiseite. Personal Training ist eine ebenso intensive wie interessante Erfahrung. Und letzten Endes auch eine erfolgreiche. Du lernst deinen Körper neu kennen. Auch seine Grenzen. Oder besser: An diese Grenzen zu gehen. Es ist erstaunlich, was mit einem Trainer an der Seite erreicht werden kann. Mittlerweile habe ich sogar einfache Übungen in den Alltag eingebaut. Eins aber bleibt: Spaß an Liegestütz wird mir auch Lutz nicht beibringen.

LUTZ ANDERS, 34, lebt in Kassel. Der Sportstudent arbeitet als Athletiktrainer mit den Bundesliga-Handballern der MT Melsungen und den Regionalliga-Fußballern des KSV Hessen Kassel sowie als Personal Trainer. Bei unserem Projekt hat er mit Redakteur Frank Ziemke und Leserin Tanja Orth gearbeitet. Anders ist ledig. Sein Traum: Irgendwann am Meer arbeiten.

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