Auch Produkte aus dem Discounter taugen etwas

Kleidung, Kopfschutz, Stöcke: Diese Ausrüstung brauchen Läufer wirklich

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Less is more: Anna C. Hughes empfiehlt, es bei der Kleidung einfach zu halten. 

Ob bei Schuhen, Rucksäcken oder Strümpfen - für Läufer gibt es beim Equipment viel Auswahl. Hier erfahrt ihr, welche fünf Sachen in eurer Ausrüstung nicht fehlen dürfen. 

Letztes Jahr stand ich nach fünfjähriger Wettkampfabstinenz am Start eines 63-km Ultramarathons in den bayerischen Alpen. Inmitten der Menge fielen mir all die bunten Outfits auf. Viele Läufer und Läuferinnen trugen Kompressionsoberteile, zwei Lagen Shorts, und Teleskopstöcke waren an den Rucksäcken befestigt, die wie ein Hauch von Nichts auf dem Rücken aussahen. Und da war all das vom Veranstalter geforderte Pflichtequipment drin verstaut? Kaum zu glauben. Hatte ich etwas verpasst in all den Jahren, wo ich mich außer mit neuen Laufschuhen nie mit den hippen Szeneoutfits beschäftigt hatte?

Leicht eingeschüchtert lief ich los, auf dem Rücken mein relativ großer Rucksack mit dazu gekaufter Trinkblase, die auch noch am Abend vor dem Rennen ein Loch hatte. Mein Laufrock und Top war auch nicht aus der allerneuesten Kollektion. Es reichte an dem Tag dann zum vierten Gesamtplatz bei den Frauen.

„Welche Rolle spielt nun das Equipment und was brauche ich wirklich?“ fragst du dich bestimmt immer wieder. Oft werde ich gefragt, welche Schuhe denn nun wirklich was taugen, ob Kompressionssstrümpfe der Bringer sind und vor allem auch in Sachen Ernährung ist es nicht immer einfach, aus der Masse das Richtige zu picken. Heute helfe ich dir, den Dschungel zu lichten und zeige dir die fünf wichtigsten Ausrüstungsgegenstände, die du als Läufer bzw. Läuferin brauchst. Klar erklärt es sich von selbst, dass du Schuhe zum Laufen brauchst. Doch auch dabei gibt es Einiges zu beachten.

Schuhe

Überlege, auf welchem Terrain du die meiste Zeit trainierst. Strasse, Forstwege, Trails, Wiesen, Bahntraining? Danach sollte sich auch die Auswahl des Schuhs richten. Läufst du mehr Straße als querfeldein, achte auch gute Dämpfung und möglichst wenig Grip.

Andersherum ist es ratsam, auf ein leichtes Stollenprofil zu achten, damit du rutschsicher und sicher steinigere, unebenere Wege laufen kannst. Tendierst du immer mehr Richtung Barfuss-Laufen, wähle einen leichten Schuh mit Vibram-Sohle, der etwas dämpft und gewöhne dich Schritt für Schritt an die andere Art der Belastung.

Mehr als ein Paar: Je nach Strecke und Terrain solltet ihr andere Schuhe wählen. 

Es empfiehlt sich auch, Modelle von mindestens zwei verschiedene Schuhmarken zu haben, damit es nicht zu einseitig wird. Oder probiere innerhalb deiner Lieblingsmarke verschiedene Modelle, z.B. einen Schuh fürs Gelände und einen anderen, leichteren für kürzere und schnellere Läufe auf Asphalt.

Rucksack / Laufweste

Die Tendenz geht schon länger ganz klar Richtung Laufweste, die sich im besten Fall wie eine zweite Haut anfühlt, nicht scheuert, reibt oder lästig auf dem Rücken auf-und abwippt. Oft sind die Laufwesten mit dünnen, kaum spürbaren Querriemen ausgestattet, so dass die Schliesse um die Hüfte wegfällt und du uneingeschränkte Bewegungsfreiheit hast.

Es gibt sie in unterschiedlichen Grössen, so dass du auch durchaus für einen Tagesausflug alles gut verstauen kannst. Dazu kommt, dass die Westen sich ergonomisch anpassen und sogenannte Trink-Flasks gleich beim Kauf mit dabei sind. Diese lassen sich seitlich vorne verstauen und du hast immer Zugriff, ohne diese herausholen zu müssen. Mittlerweile möchte ich die Laufweste nicht mehr missen. Sie sitzt perfekt, ist leicht, bequem und vom Material her so geschaffen, dass nichts reißt oder platzt.

Stöcke

Spezielle Laufstöcke sind geeignet für dich, wenn du viel auf steilen Trails und in den Bergen unterwegs bist. Spart enorm Kraft in den Beinen und dient auch mal als Stütze, wenn es sehr steil geht. Bevor du damit ein Rennen bestreitest, übe vorher unbedingt im Training den Einsatz. Teleskopstöcke können leichter brechen, weswegen es sinnvoll sein kann, wenn du einen leichten Wanderstock wählst, der praktisch kaum etwas wiegt.

Kleidung

Auch hier ist die Auswahl enorm. Preislich haben auch einige Discounter nachgezogen, so dass man durchaus günstig gute Laufkleidung bekommt. Nach oben ist, wie so oft, fast alles möglich. Ich denke dennoch, dass funktionale Kleidung überbewertet wird. Insbesondere Kompressionskleidung. Viele muskulären Probleme können durch diese spezielle Kleidung nur bedingt eingedämmt werden.

Es ist größtenteils dein Trainingsstand, der darüber bestimmt, wie schnell du ermüdest. Die Kleidung kann maximal den Zeitpunkt verlängern bzw. leicht vorbeugen, aber nichts verhindern. Bevor du also als Läufer, der einfach gern ein paar Mal pro Woche läuft und nicht überaus ambitioniert ist, in teure Kleidung investierst, reicht ein einfaches Funktionshirt, also keine Baumwolle, völlig aus sowie eine Short oder lange Tight, je nach Wetter.

Wir lassen uns gern blenden und einen Bären aufbinden, wenn es um den Optimierungswahn geht. Halte es simpel. Wie auch mit Socken. Bei besagtem Rennen trug ich welche aus dem Discounter und hatte keine Blasen. Diese Einsicht hatte ich allerdings erst, nachdem ich jahrelang immer teure high-end Socken kaufte, spezielle Zehensocken, doppellagige Socken und dann sagte: Einfach einfach halten. Less is more!

Kompressionsstrümpfe sehen in grellen Farben oft chic aus und fallen auf, auf kurzen Läufen machen diese wenig Sinn. Beim Marathon des Sables erlebte ich vor vielen Jahren den gegenteiligen Effekt. Auf der ersten Etappe erlebte ich durch meine Kompressionssocken bis zum Knie einen Hitzestau und entledigte mich der Socken sofort danach. Oft ist der Effekt reine Einbildung. Ärzte empfehlen allerdings Läufern, die zu Besenreisern und Krampfadern neigen, Kompressionsstrümpfe, die bis zum Knie reichen, zu tragen.

Wichtig ist zudem eine dünne Regen-und Windjacke, die auf längeren Läufen und bei überraschenden Wetterumschwüngen sehr praktisch ist. Viele dieser Jacken lassen sich auf Apfelgröße zusammenknautschen und sind sehr leicht. Einfach um die Hüfte binden oder in der Laufweste bzw. Hüftgurt verstauen.

Kopfschutz

Kopfschutz ist im Sommer und im Winter empfehlenswert. Außer der klassischen Mütze funktionieren sogenannte Buffs (Schlauchtücher) nicht nur perfekt als Schweißband, sondern haben auch eine kühlende Wirkung. Im Winter gibt es welche mit Vliesseinsatz, die man auch um den Nacken tragen kann und so optimal vor Kälte geschützt ist.

Das Buff sieht nicht nur im Sommer modisch aus, sondern ist ein echter Allrounder. Bei kleineren Stürzen kann man sich sogar selbst schnell versorgen und das Buff als Arm- oder Beinbinde nutzen.

Ich hoffe, dass dich diese Tipps inspirieren und du Lust bekommen hast, deine Laufgarderobe zu checken und zu schauen, was du wirklich brauchst und ob vielleicht tatsächlich etwas fehlt. Viel Erfolg auf all deinen Läufen und: Keep it simple. Im Training, der Ernährung sowie mit der Kleidung.

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