Interview mit Manuela Zander: „Keine Frage des Alters“

Faszination Achter: Platz im Ruder-Schnupperkurs gewinnen

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In einem Boot: Manuela Zander wird einen Achter mit HNA-Lesern trainieren.

Kassel. Die HNA-Fitness-Aktion „Bewegung für Nordhessen“ bekommt weiteren Zuwachs: Jetzt wird auch gerudert. Mit der Kasseler Weltmeisterin Manuela Zander sprachen wir über die Faszination dieses Sports und darüber, was er für die Fitness tut.

Frau Zander, wie oft müssen Sie den Unterschied zwischen Rudern und Paddeln erklären? 

Zander: Oft. Das Wort paddeln fällt häufig. Der Unterschied ist einfach: Die Kanuten paddeln nach vorn, die Ruderer rudern rückwärts. Viele sagen paddeln automatisch. Denn alles was mit Wasser und Boot zu tun hat, ist für viele Kanu und Paddeln.

Was ist der Unterschied? 

Zander: Rudern ist eine total schöne Sportart, aber leider nicht so publikumswirksam. Die Olympische Wettkampfstrecke geht über 2000 Meter und es dauert lange, bis ein Ergebnis zu sehen ist. Man kann nicht so direkt anfeuern wie in einer Turn- oder Schwimmhalle. Aber schon 2013 gab es in Kassel das neue Modell der Ruder-Bundesliga zu bewundern. Hier rudert man im Achter und die Strecke ist nur 350 Meter lang. Im Kanu sind die Strecken viel kürzer, da ist alles viel schneller und deshalb für den Zuschauer attraktiver. Beim Rudern wird zudem der Körper im Ganzen mehr trainiert, Ober- und Unterkörper. Beim Kanu ist das Verhältnis Ober- zu Unterkörper nicht ganz so im Gleichklang, dafür koordinativ noch anspruchsvoller.

Seit 200 Jahren wird gerudert. Warum sollte ich das heute noch tun? 

Manuela Zander: Das allein zeigt ja schon einmal, dass Rudern ein berühmter Sport ist, der eine lange Zeit überdauert hat. Er hat bis heute nichts von seiner Faszination verloren. Rudern ist gesund und benutzt alle Hauptmuskelgruppen. Es ist eine Sportart, bei der man viel an der frischen Luft, in der Natur und allein oder gemeinsam mit netten Menschen unterwegs ist. Das sind Faktoren, die ziehen sich bis heute hin.

Ist Rudern ein Sport für jedermann? 

Zander: Grundsätzlich ja. Viele sagen sich: Mensch, das wollte ich schon immer mal ausprobieren. Sie kennen das Rudern vom Fernsehen oder vom Zuschauen auf dem Fluss. Diese Menschen wollen die Bewegung kennenlernen. Es gibt Schul-Rudervereine, in denen Kinder früh gefördert werden. Rudern kann an sich jeder, neuerdings gibt es auch Handicap- Rudern, und das ist sogar im Paralympicsprogramm. Gerudert wird im Sitzen und kann von 10 bis 80 ausgeführt werden. 80 Prozent der Muskelgruppen werden benutzt.

Inwieweit ist Rudern eine Frage des Alters? 

Zander: Kaum. Wenn die Personen sportlich sind, gibt’s keine Grenzen. Wir haben Vereinsmitglieder, die rudern mit 75, 80 Jahren noch. Gemächlicher dann. Aber die haben sich zum Beispiel zu zweit ein Boot geschnappt und sind ein paar Kilometer gefahren - und das morgens um sieben. Egal welches Alter: Wichtig ist, dass man schwimmen kann.

Auch wenn die Fulda in Kassel gar nicht so tief ist. 

Zander: Aber sie hat auch eine Strömung. Ein richtiger Ruderer ist man auch erst, wenn man mindestens einmal gekentert ist. Das kommt im Mannschaftsboot eher selten vor, aber im Einer schon häufiger.

Wie fit müssen Einsteiger sein? 

Zander: Eigentlich reicht eine Grundfitness. Wichtig ist erst mal, die Technik und Koordination zu lernen. Wenn man das Boot ohne zu wackeln vorwärts bringt, kann man die Muskeln besser einsetzen. Dann kommt die Fitness von allein.

Wie trainiert das Rudern den Körper? 

Zander: Rudern trainiert den kompletten Körper vom kleinen Zeh bis zum kleinen Finger. Unter Anspannung und Entspannung. Gerade die Hauptmuskelgruppen wie Oberschenkelmuskulatur, Rücken, Bauch und Nacken, wo ja viele Probleme haben, werden trainiert und geschult. Man hat eine ganz andere Haltung. Die Muskulatur wird durch das Rudern in jeder Richtung ausgebildet. Und das wiederum wirkt sich positiv auf den Organismus aus. Unterm Strich fühlt man sich viel wohler. Man sitzt aufrechter und schmerzfreier. Das ist besonders für Menschen interessant, die viel im Büro sitzen.

Ab wann kann ich sagen: Ich rudere richtig? 

Zander: Fünf bis acht Trainingseinheiten braucht es schon. Wenn die Bewegung richtig koordiniert ist, man nicht mehr groß hängen bleibt. Der Anfang ist anstrengender für den Kopf als für die Muskeln. Richtig rudert man erst dann, wenn man das Boot richtig bewegen kann und nicht mehr kippelt.

Ersetzt ein Ruderergometer das Rudern? 

Zander: Nein, es ist ein gutes Trainingsmittel, aber es kann das Rudern nicht ersetzen. Beim Rudern bewegt man sich, guckt nicht nur auf einen Bildschirm, zieht nicht nur stupide an einer Kette und der Gleichgewichtssinn wird geschult. Man spürt, wie das Wasser vorbei gleitet, man hört die Geräusche des Wassers, die Vögel, man sieht die wunderschöne Umgebung. Das ist ein riesiger Unterschied.

Schnupperkurs-Verlosung: Sieben Plätze im neuen Ruder-Achter

Kassel. Die Bewegung geht weiter - und wird um eine neue Sportart ergänzt. Nachdem in der vergangenen Woche dank des Angebots des Gesundheitssportvereins Nordhessen 15 Plätze im Rehasport verlost wurden, gehen wir in dieser Woche auf das Wasser. Der Ruderverein Cassel 2010 schließt sich unserer Aktion „Bewegung für Nordhessen“ an und bietet für unsere Leser ein achtwöchiges Schnuppertraining an.

„Eine tolle Aktion, bei der wir gern dabei sein wollten“, sagt Jens Gerlach, Vorsitzender des jungen Vereins, der sich bisher vor allem dem Breiten- und Gesundheitssport verschrieben hat. Sein Angebot: „Wir besetzen einen Achter und bringen ihnen in acht Wochen die Grundlagen des Ruderns bei.“ Neben Gerlach selbst, der früher Deutscher Vizemeister im Leichtgewichts-Einer war und mehrere Trainerlizenzen besitzt, wird das Boot auch von Manuela Zander, der früheren Junioren-Weltmeisterin trainiert.

Warum sollten sich die Leser bewerben? „Weil sie nicht nur von einer Weltmeisterin trainiert werden“, sagt die 37-Jährige und lacht, „sondern weil beim Rudern Teamgeist großgeschrieben wird. Weil Rudern für die meisten Menschen etwas komplett Anderes ist. Sie lernen eine neue Bewegung kennen, können die wunderschöne Fulda erkunden und sich darauf freuen, mit wildfremden Menschen in einem Boot zu sitzen.“

Für Ihre Bewerbung gibt es praktisch keine Einschränkung. Rudern kann jeder lernen zwischen „10 und 80 Jahren“, wie Gerlach sagt. Einzige Einschränkung, die aber umso wichtiger ist: Sie müssen schwimmen können! Die Aktion startet im Mai, Trainingstag ist wahrscheinlich der Dienstag. Wenn Ihr Interesse geweckt ist, schicken Sie Ihre Bewerbung bis Donnerstag, 23. April, an sportredaktion@hna.de

Wir benötigen neben den Angaben zu Ihrer Person, Anschrift, Telefonnummer, Alter sowie gesundheitliche Einschränkungen. Alle Angaben werden natürlich vertraulich behandelt. Gemeinsam mit Jens Gerlach und Manuela Zander werden die sieben Gewinner ausgewählt. Sie werden von uns dann schriftlich benachrichtigt.

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