Lauf-Kolumne von Anna C. Hughes

Fünf Dinge, die du als Laufanfänger oder Erfahrener nicht wirklich brauchst

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Kompressionssocken: Eigentlich braucht man sie nicht wirklich, meint Bloggerin Anna Hughes.

Pulsmesser, Sportbekleidung, Fitnessfood: Läufer sind ins Visier der Marketing-Strategen geraten. Doch braucht man all diese vermeintlichen Hilfsmittel? Bloggerin Anna C. Hughes findet nicht.

Du kennst das sicher: Seit du mit dem Laufen angefangen hast, scheinst du um dich herum nur noch das wahrzunehmen, was mit Laufen zu tun hat. Das neueste Equipment, die beste Sportlernahrung, die krassesten Ratschläge im Internet, in Büchern und Zeitschriften. Es ist wahr, dass das, worauf wir unseren Fokus richten, automatisch mehr wird. Das heißt, dass wir automatisch nach Weiterentwicklung streben und wissen wollen, wie wir uns verbessern können. Besonders beim Laufen. 

Es fühlt sich einfach gut an, bei einer bestimmtem Zeit für eine gewisse Distanz begonnen zu haben und vier Wochen später zu sehen, dass es einige Minuten schneller sind. Das wiederum treibt unseren inneren Antrieb an, sprich die Motivation. Was du aus dir heraus bewegst, von innen also, um für ein Ziel loszugehen. Oder in deinem Fall eben loszulaufen. Doch wenn ich mich manchmal so umschaue, wie manche Läufer ausgerüstet an den Start von Volksläufen gehen, als wäre es eher eine Fashion-Show, komme ich ins Zweifeln. Oder mehr noch fange ich an zu denken, dass ich vielleicht was verpasse.

Hier findest du alle Lauf-Tipps von Anna C. Hughes.

Ich erinnere mich noch genau an einen Lauf im Sommer 2016, als ich weder mit Stöcken für die bergige Strecke, die vor mir lag, noch mit einem speziellen Laufrucksack ausgerüstet war. Im Gegenteil. Ich fühlte mich mit meinem normalen Wanderrucksack und ohne bunte Kompressionssocken ziemlich fehl am Platz. Eine Uhr trug ich auch nicht. Ich wollte einfach nach Gefühl laufen und mich nicht fremd bestimmen lassen, was schließlich zu einem 4. Platz in einem Feld mit 38 Frauen reichte. 

Auch denke ich gern zurück an die ersten Laufanfänge in den 90er Jahren. Erst Jahre später kaufte ich mir meine erste Pulsuhr und war ganz schön abhängig vom Gepiepe, denn ich wollte auf keinen Fall während eines langen Laufes die Pulszone über- oder unterschreiten. Ich vertraute mehr auf die Uhr als auf mein Gefühl.

Mit der Zeit wird man ja bekanntlich weiser und so dachte ich mir, ist es heute an der Zeit, dir ein paar Tipps zu zeigen, was du wirklich nicht zwingend und dringend brauchst. Manche Dinge können unser Leben mehr verkomplizieren als es vereinfachen. Und beim Laufen erfährst du eine andere Qualität, wenn es sich leicht und locker anfühlt.

Locker und leicht: Ein gutes Gefühl ist beim Laufen am Wichtigsten.

Diese fünf Dinge brauchst du nicht wirklich zum Laufen

  1. Ein Trainingsplan: am besten noch strikt unterteilt in genaue Stunden, zu absolvierende Kilometer, Pulszonen und Trainingstage. Das riecht nach Anstrengung und extra viel Zeit, die du investieren musst, um alles vor- und in Tabellen oder einem Notizbuch nachzubereiten. Als Laufcoach bekommen meine Klienten auch einen Plan, aber eben sehr locker gestrickt mit den wichtigsten Einheiten, flexibel in der Einteilung der Tage und mit Absicht ohne Pulszonen. Laufen nach Gefühl hat sich über viele Jahre bewährt und lediglich in Erholungsphasen wird der Ruhepuls gemessen, der viel über den Trainingsstand und allgemeine Verfassung aussagt. Ein Plan sollte einfach zu folgen sein, dir nicht extra Zeit rauben, die auf Kosten von Job, Familie und Partnerschaft gehen, denn sonst brennst du nach und nach aus anstatt dass du motiviert bleibst.

  2. Kompressionssocken: Hier scheiden sich sicher die Geister. Für manche Läufer kaum mehr wegzudenken, für andere Humbuk. Vor zehn Jahren legte ich mir das erste und letzte Paar zu. Klar, die Socken üben einen angenehmen Druck auf die Muskulatur aus, die die Arterien einengen und so mehr Blut pumpen. Man glaubt daran, wie ein Placebo-Effekt, dass sie helfen. Im Endeffekt soll der Ermüdungseffekt verzögert werden, doch als ganz normaler Freizeitläufer kannst du übers Training mehr steuern als von einer extra Schicht Material zu erwarten, dass damit alle Sorgen und Krämpfe verschwinden. Eine clevere Marketingstrategie der jeweiligen Firmen. Und natürlich auch eine Modeerscheinung. Man will dazu gehören. Aber solche Socken sind absolut kein Must-have!

  3. Eine Pulsuhr: Wie oben bereits angedeutet, ist eine Sportuhr per se nichts Schlechtes oder Unnützes. Trainingseinheiten auszuwerten kann die Motivation sehr ankurbeln, wenn man vor allem seine Trainingsergebnisse auswertet und die Fortschritte beobachtet. Jedoch unterliegt der Puls so vielen Parametern, dass schon zu wenig Schlaf oder das Glas Wein zu viel den Puls in die Höhe treibt und den Trainingseffekt verschleiert. Laufe mehr nach Gefühl, baue regelmäßig Intervalle ins Training ein und verlasse deine Komfortzone. Du verbesserst dich so auch ohne Pulsuhr. Sie kann dir helfen, einen Lauf aufzuzeichnen oder eine neue Route herunterzuladen, die du gern ablaufen möchtest. Nutze die High-Tech Uhr bewusst. Oft bekommst du allerdings für das Geld schon drei Paar richtig gute Laufschuhe, die dir mehr nutzen bringen können.

  4. Kohlenhydrate: Wir sind ein Land der Brot- und Backwaren. In den Auslagen beim Bäcker liegen überwiegend helle Weizenprodukte. Morgens ein Brötchen, mittags ein Teller Nudeln und abends Brotzeit. Fakt ist: Bei drei bis vier Läufen pro Woche und einem Umfang von etwa 30 bis 40 Kilometern ist dein Bedarf nicht um ein Vielfaches höher als bei einem Nichtsportler. Bei einem 45-minütigen Lauf verbrennst du je nach Intensität weitaus weniger als die bekannten 600-700 Kalorien. Was du verbrennst, entspricht einem grösseren Snack. Um also auch dein Gewicht zu halten, achte darauf, weniger Kohlenhydrate zu essen, auch Pasta nicht im Übermaß, sondern den Fokus auf frisches Gemüse, viel Grünzeug, Bohnen, Linsen und Kichererbsen zu legen. Süßkartoffeln sind eine hervorragende Alternative zu normalen Kartoffeln und sättigen länger.

  5. Viel zu lange Läufe: Die Meinung kursiert immer noch, dass in Vorbereitung auf einen Halb- bzw. Marathon viele sehr lange, sehr langsame Läufe notwendig sind. Lass uns die 75-Prozent-Regel anschauen: Planst du eine Zielzeit von 2:30 Stunden für einen Halbmarathon, dann reichen lange Läufe bis etwa 110-115 Minuten aus. Auch das Tempo entsprechend höher halten. Gerade so, dass du etwas aus der Puste bist, aber dich noch unterhalten kannst. Baue auch ab und zu einen kurzen Sprint ein. Damit hast du Abwechslung und stärkst deine Kraftausdauer. Klar ist es wichtig, den Fettstoffwechsel zu trainieren, aber das bedeutet nicht, wie eine Schnecke daher zu kriechen. Komme ruhig aus dem Trott und steigere dein Tempo von Zeit und Zeit. Der Effekt ist viel größer.

Wie immer wünsche ich dir viel Spaß und Erfolg bei der Umsetzung dieser Tipps.

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