Jenseits mentaler Grenzen: Was ist eigentlich extrem?

+
Szene aus dem Film "Running the Sahara" von Matt Damon

Extrem ist, etwas nicht zu tun - jenseits der mentalen Grenzen wird's erst richtig spannend. Das meint unsere Laufkolumnistin Anna Hughes. Extrem bedeutet für sie eine Verschiebung der Grenzen - und die beginnt bereits damit, dass man sich aus dem gewohnten Trott heraus wagt.

Träumst du schon länger von deinem ersten Halbmarathon oder davon, den New York Marathon zu laufen?

Meine Tochter musste kürzlich im Deutschunterricht beschreiben, wie sie ihren letzen Lebtag verbringen würde. Die Frage sorgte zunächst für extremes Unbehagen. Dann schrieb sie los und war beflügelt davon, ihrer Vorstellungskraft freien Lauf zu lassen. 

Ich frage dich, lieber Leser, an dieser Stelle: Was möchtest du noch wirklich erleben und erfahren? Welches Abenteuer willst du schon lang machen und hast dich bist jetzt noch nicht getraut? Fühlst dich zurückgehalten?

Dann ist jetzt die Zeit, deine größeren Ziele vom Rücksitz auf den Vordersitz zu verfrachten, das Steuer für dein Leben neu in die Hand zu nehmen und in die Richtung zu lenken, die dir gefällt.

Extrem definiert sich als „bis an die äußerste Grenze gehend“. Extrem ist da, wo du an deine Grenzen stößt. Was du im Kopf denkst, wird wahr. Die Richtung deiner Gedanken hin zum Ziel oder eben weg davon bestimmst zu jedem Zeitpunkt du allein. Du kannst im Kopf diese Grenzen verschieben, um neue Erfahrungen zu sammeln und deine wahren Stärken kennen zu lernen. 

„Schade, dass es schon vorbei ist.“  Charlie Engle

Der amerikanische Ultra- und Extremläufer Charlie Engle ist lebendes Beispiel für die Verschiebung der inneren Grenzen bis ans Äußerste. 2006 lief er mit zwei Freunden durch die gesamte Sahara. Verfilmt wurde der legendäre Lauf von Matt Damon unter dem Titel "Running The Sahara". Die drei Läufer legten in 111 Tagen 7200 Kilometer zurück. Auf die Frage, wie er sich fühlte, als er auf den letzten Metern nach Kairo für einen Moment im Roten Meer abtauchte, sagte er: „Schade, dass es schon vorbei ist.“

Doch du musst dir nicht gleich ein solches Mammutprojekt vornehmen. Es geht einfach darum, etwas anderes und Neues auszuprobieren, sich aus dem gewohnten Trott zu wagen. Die Griechen machten es vor. Bewegung wurde schon in der Antike groß geschrieben. Täglich besuchten sie ein Gymnasion (heute bekannt als Fitnessstudio). Sie schworen darauf, durch körperliche Anstrengung mehr Zugang zu ihren geistigen Fähigkeiten zu erhalten und auf innovative Ideen zu kommen.

Gib dir also die Erlaubnis, in größeren Dimensionen zu denken. Du kannst es! 

Anna C. Hughes beim Training im Fitnessstudio

Es sind gerade die schier unerreichbaren Dinge und Erlebnisse, die den besonderen Reiz auf uns ausüben. Extreme Erlebnisevents boomen. Der Drang nach mehr, nach dem Weiteren, Extremen lockt auch jene hinter dem Ofen hervor, die gern im Warmen, Trockenen sitzen und träumen.

Große Ziele lösen einen Domino-Effekt aus.

Kannst du dir vorstellen, mal eine Woche zu schwitzen, zu laufen und keine Dusche und richtige Toilette vor Ort zu haben? Oder Drachenfliegen zu lernen, auf einer Rennstrecke eine Runde zu drehen, die Alpen zu Fuß zu überqueren? Die Vielfalt ist enorm. Genehmige dir, ein kleines Stück weiter und größer als bisher zu denken? 

Große Ziele lösen einen Domino-Effekt aus. Bringst du ein Steinchen zum Umfallen, wagst den ersten Schritt, wirst du dich unaufhaltsam immer näher auf dein Ziel hinbewegen, bis auch das letzte Steinchen gefallen ist und du über die Ziellinie im Freudentaumel wankst. 

Als ich mich vor einigen Jahren für einen langen Etappenlauf durch einen Teil der Sahara anmeldete, bekam ich auch Gegenwind zu spüren. Verantwortungslosigkeit und Egoismus wurden mir im Umfeld vorgeworfen. Doch der Drang, das Streben nach dem höheren Sinn überwog. Es gab kein Zurück mehr. Die Lust auf diese Erfahrung war größer als Angst, Zweifel und Unsicherheiten. Diese sind Teil eines großen Vorhabens. Wichtig ist, wie du damit umgehst. 

Tipps und Tricks

Hier sind drei Tipps, die dich in deiner Spur halten.

  1. Visualisiere immer wieder, wie du dich am Ziel siehst. Was riechst, hörst, siehst und fühlst du?
  2. Schreibe jeden Tag drei kurze Sätze in ein Notizbuch, die dich in deinem Vorhaben bestärken und dich ermuntern. (Mit jedem Training werde ich stärker. Ich vertraue mir und meinem Vorhaben. Ich freue mich, durchs Ziel zu laufen.) 
  3. Tue dich mit zwei, drei Menschen zusammen, die ähnlich wie du ticken und dein Projekt verstehen anstatt es zu belächeln.

Wie schon Erich Kästner sagte: "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es." Los geht's. Wage (d)ein neues Abenteuer und tue es einfach.

FACEBOOK-GRUPPE: GEMEINSAM LAUFEN

Auf Facebook haben wir eine Gruppe gegründet für alle, die einfach Lust am Laufen haben - und sich mit anderen darüber austauschen wollen: Laufen - für Herz, Seele, Geist und Spaß. Neben Anna Hughes ist dort auch Rückwärtslaufen-Weltmeister Hassan Kurt Mitglied. Außerdem Jens Nerkamp vom PSV Grün-Weiß Kassel, einer der schnellsten Läufer Deutschlands.

Wollt ihr dabei sein? Wir freuen uns auf euch.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.