„Ich schaue neugierig auf die Fußball-Bundesliga“

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Marathon-Hessenmeister des Jahres 2012: Der US-Amerikaner Fred Schmalz lebte sechs Jahre in Kassel und startete in dieser Zeit für den PSV Grün-Weiß Kassel. 

Interview mit früherem Hessenmeister im Marathon, der in Chicago lebt

Der frühere Marathon-Hessenmeister Fred Schmalz lebt schon seit vielen Jahren wieder in seinem Heimatland USA. Während seiner Zeit in Kassel war Schmalz Mitglied beim PSV Grün-Weiß Kassel. Mit dem Läufer aus Chicago sprachen wir am Telefon über seine aktuelle Lebenssituation.

Chicago ist die drittgrößte Stadt der USA. In der gesamten Metrolregion leben fast 10 Millionen Menschen. Welche Auswirkungen hat das Coronavirus auf Ihr Leben?

Obwohl Chicago bei weitem nicht so stark vom Virus betroffen ist wie New York oder New Orleans leiden auch wir unter den Kontaktbeschränkungen. Für mich ist es schwierig, nur zu Hause zu sein. Kontakt findet meistens nur über das Telefon statt. Meine Frau und ich halten uns aber an die Beschränkungen. Ende Januar waren wir schwer erkrankt. Aber weil wir nicht getestet wurden, weiß ich bis heute nicht, ob es das Virus war.

Und wie sieht es mit dem Laufen aus?

Anfang März hatte ich mir eine Verletzung zugezogen und konnte ohnehin nicht laufen. Seit April ist das wieder möglich. Ich laufe nur morgens. Um sieben Uhr bin ich zurück. So begegne ich am kaum anderen Menschen.

Und wie ist Ihre Arbeitssituation?

Da bin ich privilegiert, weil ich schon immer viel von zu Hause aus gearbeitet habe. Das ist jetzt von Vorteil, um möglichen Infektionen aus dem Weg zu gehen.

Die Infektionszahlen in den USA sind noch immer bedrohlich. Wie beurteilen Sie den Versuch von NBA und NFL zum Spielbetrieb zurückzukehren?

Aus meiner Sicht ist das zu früh. Daher schaue ich auch neugierig auf die Fußball-Bundesliga in Deutschland. Es ist ein Testfeld für den Leistungssport. Aber auch hier bin ich der Meinung, dass man besser später begonnen hätte.

Wie sieht es in Ihrem direkten Umfeld aus. Haben Sie Angst, dass die Situation außer Kontrolle gerät?

Ja, ich bin nervös. Die Höhe der Todeszahlen in den USA wirft kein gutes Bild auf unser Land. Wir waren schlecht vorbereitet, und ich kann mir vorstellen, dass dieser Schrecken noch nicht vorbei ist. Allerdings glaube ich nicht an ein Horror-Szenario mit marodierenden Banden. Ich werde mich auch nicht bewaffnen, wie es viele Menschen in diesen Tagen gemacht haben. Das Virus kann man schließlich nicht erschießen.

Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

Viele Menschen gehen nicht in Krankenhäuser, weil sie die Behandlung nicht bezahlen können. Oder weil sie Angst haben, sich anzustecken. Daher können im Moment auch andere Krankheiten und Verletzungen gefährlich sein, die nichts mit Corona zu tun haben.

Deckt eigentlich eine Standard-Krankenversicherung eine Corona-Behandlung im Krankenhaus ab?

Das sollte der Fall der Fall sein. In den USA ist aber die Krankenversicherung meistens an den Arbeitsplatz gebunden. Akuell haben daher Millionen von Arbeitslosen keine Versicherung mehr.

Wie sind Ihrer Meinung nach die Aussichten?

Nicht gut. Viele Menschen gehen trotz des Infektionsrisikos wieder zur Arbeit, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Anderen fehlt einfach die Geduld.

Genau wie Ihrem Präsidenten, oder?

Klar, der will die Krise überwinden, um im Herbst wiedergewählt zu werden. Ich hoffe, dass dies nichts wird.

Und was machen Sie im Herbst dieses Jahres?

Wohl keine Lauf-Wettkämpfe. Auf diese Großveranstaltungen werden wir alle wohl leider noch länger warten müssen.

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