INTERVIEW Uwe Bein gewann am 8. Juli 1990 mit Deutschland den WM-Titel

„Freunde nennen mich Weltmeister“

Mannschaftsfoto Fußball-Weltmeister 1990
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Die Weltmeister von 1990: Das deutsche Team, stehend von links Klaus Augenthaler, Stefan Reuter, Jürgen Klinsmann, Frank Mill, Guido Buchwald, Paul Steiner, Thomas Berthold, Andreas Köpke, Jürgen Kohler, hockend von links: Torwart-Trainer Sepp Maier, Andreas Brehme, Lothar Matthäus (mit WM-Pokal), Karlheinz Riedle, Bodo Illgner, Uwe Bein, Günter Hermann, Rudi Völler, Thomas Häßler.

Vor ziemlich genau 30 Jahren wurde Uwe Bein mit Deutschland Fußball-Weltmeister.

Im Interview spricht der 59-Jährige über die magische Nacht von Rom, seine Anfänge in Heringen und seinen zukünftigen Schwiegersohn.

Herr Bein, gab es in den vergangenen Tagen viele Interview-Anfragen und Termine?

Es gab schon einige Anfragen. Ich habe unter anderem ein Interview für das Main Echo gegeben. Die haben sogar eine ganze Seite daraus gemacht.

Nervt das nach 30 Jahren oder sind es schöne Erinnerungen?

Nein, das nervt absolut nicht. So ein WM-Titel ist eine Geschichte für die Ewigkeit. Meine Freunde sagen zum Beispiel nicht Uwe, sondern immer nur Weltmeister zu mir. Das macht mich schon stolz.

Hätte es ohne Corona eigentlich ein Jubiläumstreffen der Weltmeister gegeben?

Ja, wir hätten uns bei der EM für drei Tage in München getroffen. Hätten uns ein Spiel angesehen und ein bisschen gefeiert. Das soll laut DFB aber nachgeholt werden.

Mit wem hätten Sie dann wohl am Tisch gesessen?

Ach, wissen Sie, man sitzt ja an sich nur beim Essen. Ansonsten steht man an der Theke (lacht). Ich denke, es wären wohl Andi Möller, Thomas Berthold und Andy Köpke gewesen. Es finden sich dann immer die Grüppchen von damals wieder.

Gibt es eigentlich die EINE schöne Erinnerung, wenn man Weltmeister geworden ist?

Das ist schwer zu sagen. Mein Tor gegen die Emirate war ein besonderer Moment für mich. Dann natürlich, wenn du im Stadion den Pokal in der Hand hältst. Und der Empfang am nächsten Tag in Frankfurt, als die Strecke vom Flughafen zum Römer eine einzige Menschenmenge von weit mehr als 500 000 Leuten war. Das war schon unglaublich emotional.

Haben Sie überhaupt geschlafen in der „magischen Nacht“ von Rom?

Nein, das war nicht möglich. Als der offizielle Teil der Feier vorbei war, war es schon hell, glaube ich. Im Hotel haben wir dann noch eine Pool-Party gemacht. Sepp und Litti haben ein paar Videos gedreht – die sollte man besser nicht öffentlich zeigen.

Verraten Sie uns, wer im Team der Theken-Weltmeister war?

Wer am nächsten Tag den Andi Brehme im Fernsehen gesehen hat, der müsste es wissen ...

Ihre Verletzung im Viertelfinale gegen die Tschechoslowakei hat Ihnen die Teilnahme am Finale vermasselt. Haben Sie lange darunter gelitten?

Es hat schon alles etwas verfälscht. Wenn du im Finale nicht auf dem Platz stehst, bist du irgendwie nicht so richtig dabei. Aber ich war ja auch ein bisschen selbst schuld. Als mich der Franz vor dem Halbfinale gegen England fragte, ob ich zu 100 Prozent fit wäre, habe ich das ehrlicherweise verneint.

Haben Sie als kleiner Junge tatsächlich davon geträumt, einmal Weltmeister zu sein?

Nein, das nicht. Aber ich wusste mit 13, dass ich Profi werden wollte. Damals habe ich in Heringen in der Jugend gespielt und war der Kleinste und Schmächtigste. Da haben mich die meisten belächelt. Mit 17 hatte ich dann meinen ersten Profivertrag bei Kickers Offenbach. Von da an lief es ganz gut.

Der Fußball hat sich stark verändert: Hätte es der filigrane Mittelfeldstratege Uwe Bein mit seiner Spielweise heute schwerer?

Das ist nicht unbedingt gesagt. Fußballerisch würde ich sicherlich mithalten können. Es ist natürlich alles schneller und athletischer als zu meiner Zeit. Aber ich hatte damals immer einen direkten Gegenspieler, der 90 Minuten hinter mir hergerannt ist. Das gibt es heute so nicht mehr. Du hast mehr Zeit am Ball.

Sie sind Markenbotschafter und Repräsentant von Eintracht Frankfurt. Was trauen Sie der Eintracht in der nächsten Saison zu?

Ich bin zurzeit – auch durch Corona – sehr weit weg vom Sportlichen. Die Jungs sind noch in Urlaub. Ich weiß gar nicht, ob sich am Kader noch etwas verändert. Ich denke aber, der Anspruch der Eintracht sollte in Zukunft sein, um die Europa League-Plätze mitzuspielen. Das wäre auch in der letzten Saison absolut drin gewesen.

Ihre Tochter Sarah arbeitet bei der Eintracht in der PR-Abteilung. Wie war Ihr Verhältnis zu den Medien früher?

Ich hatte zu Wolfgang Tobien und Rainer Franzke vom Kicker ein Top-Verhältnis. Mit anderen Journalisten hatte ich aber auch mal Stress und habe ihnen keinen Interviews mehr gegeben. Uns konnte damals ja noch jeder direkt ansprechen. Heute muss alles vom Verein abgesegnet werden.

Könnte es sein, dass der nächste Nationalspieler der Eintracht wieder der Familie Bein angehört?

So viele deutsche Spieler haben wir doch gar nicht.

Sie wissen, worauf ich hinaus will: Ihre Tochter Sarah ist mit Danny da Costa liiert ...

Ja, das war mir schon klar. Die beiden heiraten sogar in diesem Jahr noch. Danny spielt mit Kopf und ist durchaus technisch versiert. Er soll ja schon in den Notizblöcken des DFB stehen. Das würde mich freuen. Er ist ein prima Junge. Beim ersten gemeinsamen Essen mit mir war er anfangs aber ganz schön schüchtern. Doch das Eis war schnell gebrochen.

Zum Abschluss noch einmal zurück zur WM 1990: Passt das Trikot von damals noch?

Ja, das passt noch. Ich habe es gerade erst getragen und musste nicht einmal den Bauch einziehen (lacht). Ich schicke euch ein Beweisfoto.

Von Sascha Herrmann

Trikot passt noch: Uwe Bein mit Geschenken, die er von Familie August erhielt
WM-Trikot von 1990 mit allen Unterschriften

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