Seit zwölf Jahren gibt’s das Askina-Sportfest: Ein Blick zurück auf besondere Erlebnisse mit den Leichtathletik-Stars

Als es Frikadellen zum Frühstück gab

Tim Lobinger

kassel. Das Dutzend ist voll. So viele Jahre gibt es schon das Askina-Sportfest. Und es steht nicht nur für Höchstleistungen der Läufer, Springer und Werfer. Es steht auch für viel Menschliches, viele Emotionen und kleine Geschichten. Wir haben vier gesammelt.

Merlene Ottey war zweifellos der Star des ersten Askina-Meetings am 3. Juni 1998. Obwohl die Laufdiva damals bereits 38 Jahre alt war. Und sie war ein Jahr später, bei der zweiten Auflage im Kasseler Auestadion dabei. Aus dem Jahr 1999 datiert auch der Meetingrekord von 11,07 Sekunden über 100 Meter. Managerin der schnellen Frau aus Jamaika war 1998 eine Finnin, die in Schweden lebte und mit einem Polen verheiratet war. Ein Jahr später kam sie mit dem Slowenen Srdjan Djordjevic als Trainer nach Kassel. Mit dem verband sie damals wohl noch mehr als nur der Sport. Ottey war gern wieder nach Kassel gekommen. Die „Frau des ewigen Frühlings“ kokettierte einen Tag vor ihrem Auftritt im Auestadion locker mit ihrem Alter, wohl wissend, dass sie natürlich immer noch für eine schnelle Zeit gut ist, „und die will ich dem tollen Publikum in Kassel bieten“. Allerdings hatte Ottey zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal ihre Spikes zur Verfügung. Ihr Gepäck war am Frankfurter Flughafen auf ein falsches Band gekommen und kam erst am Veranstaltungstag an. Aber dann lief alles wie am Schnürchen, Ottey selbst auch und 11,07 Sekunden über 100 Meter.

Im Jahr 2000 war der BMW-Fahrdienst mal wieder gut beschäftigt. Die meisten Athleten kamen am Wilhelmshöher ICE-Bahnhof an, als Veranstaltungschef Heinz Hüsselmann plötzlich einen Anruf erhielt. Da sei auch ein Athlet aus Kuba angekommen, der eigentlich gar nicht auf der Gästeliste stand. Hüsselmann ließ den jungen Mann erst einmal ins Athleten-Hotel bringen, wo sich herausstellte, dass es kein Geringerer als Anier Garcia, der WM-Zweite von Sevilla über 110 Meter Hürden, war, der um eine Last-Minute-Verpflichtung nachsuchte. Hüsselmanns Budget war allerdings erschöpft. „Ich kann lediglich 1000 D-Mark für einen Sieg zahlen“, sagte der Wattenscheider zum Kubaner, der damit zum „Schnäppchen“ wurde, wie Hüsselmann heute sagt. Denn eigentlich hätte Garcia als Startgeld bis zu 15 000 D-Mark bekommen können. Der willigte trotzdem ein, siegte, lief mit 13,24 Sekunden den bis heute gültigen Meetingrekord und wurde im gleichen Jahr Olympiasieger in Sydney.

Ein anderer schwenkte eine Gartenfackel und kündigte Großes an: „Peking 2008, ich bin dabei!“ Das rief Tim Lobinger nach dem Sportfest 2001, immerhin mit 29 Jahren und sieben Jahre, bevor die Olympischen Spiele in China stattfanden. Er hielt Wort.

Doch bevor er in Peking startete, war er Dauergast bei jedem Sportfest. Askina ohne ihn? Ging gar nicht. Und ob er überzeugte oder einbrach - und beides kam vor in all den Jahren - eins vergaß Tim Lobinger nie: die ausführliche Autogrammstunde für seine Fans, die ihm zumeist längs der Gegengeraden im Stadion zujubelten.

Eine dreimalige Weltmeisterin war 2006 zu Gast in Kassel: Diskuswerferin Franka Dietzsch. Auch sie war wie die meisten Athleten am Vortag des Askina-Sportfestes im Queens-Hotel abgestiegen. Als dort am Wettkampftag das Frühstück anstand, staunten die Müsli essenden Mittelstreckler nicht schlecht. Dietzsch frühstückte Kartoffelsalat plus vier Frikadellen. Später gewann sie das Diskuswerfen mit 65,78 Metern.

Von Peter Fritschler, Rainer Henkel und Martin Scholz

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.