Interview mit Busemann und Ecker

Frühere Leichtathletik-Stars bei Sportabzeichen-Tour in Immenhausen

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Ein Moment, der bis heute nachwirkt: Zehnkämpfer Frank Busemann gewinnt in Atlanta überraschend Olympia-Silber. 

Die Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes gastiert am morgigen Mittwoch in Immenhausen. Mit dabei als Sportbotschafter ist Frank Busemann. Wir sprachen mit dem olympischen Silbermedaillen-Gewinner im Zehnkampf von 1996.

Die Sportabzeichen-Tour des Deutschen Olympischen Sportbundes gastiert morgen in Immenhausen. Mit dabei als Sportbotschafter ist Frank Busemann. Wir sprachen mit dem olympischen Silbermedaillen-Gewinner im Zehnkampf von 1996.

Manche Sportler werden ihr Leben lang mit ihrem einen Sensationserfolg identifiziert. Wie gut hat sich der 44-jährige Frank Busemann vom 21-jährigen Silbermedaillengewinner emanzipiert?

Das ist kein Thema für mich. Alles, was ich heute mache, ist an diesen beiden Wettkampftagen aufgehängt. Der Erfolg hat mir viele Chancen eröffnet.

Wie leid tut es Ihnen im Stillen, nicht sogar Gold gewonnen zu haben?

Ich hätte natürlich gern Gold gewonnen, doch es sollte nicht sein. In Vorträgen meinten aber Zuhörer, dass ich so gut bin, weil ich nicht gewonnen habe. Damit könnten sie sich komplett identifizieren, weil ich auch die Rückschläge nicht auslasse.

Sie sind als Referent, Moderator, Co-Kommentator und vieles mehr tätig. Wie sind Sie da reingewachsen?

Ich bin einfach reingeschlittert. Ein Studium der Wirtschaftswissenschaften habe ich nach dem Grundstudium abgebrochen. Meine Frau sagte, ich solle den Quatsch lassen und nichts machen, woran ich keinen Spaß habe. Früher musste mein Leben sehr strukturiert sein, aber nachdem ich viele der mir gebotenen Chancen genutzt habe, führe ich jetzt ja fast schon ein Vagabundenleben.

Das wir uns wie vorstellen müssen?

Ich bin viel unterwegs. Dabei bin ich fast nie einmal zwei Tage am gleichen Ort. Manchmal arbeite ich 16 Stunden, manchmal vier. Manchmal bin ich drei Wochen lang nicht zu Hause, manchmal drei Wochen lang nicht weg. Dann genieße ich es, für meine Frau und unsere drei Kinder da zu sein.

Passiert es noch immer, dass Sie sich angesichts Ihrer persönlichen Geschichte fühlen wie im Traum?

Ja, irgendwie schon. Ich dachte damals in Atlanta ganz nüchtern, dass mein Wettkampf recht gelungen war. Und dass er zuhause kaum Interesse erregen würde. Dann kam alles anders, und das Interesse hält bis heute an.

Was macht ein Sportbotschafter/ Pate bei der Sportabzeichen-Tour?

Ich stehe dabei den Kindern mit Tipps und Tricks zur Seite und mache liebend gern mit ihnen Wettrennen.

Wie viel Sport treiben Sie selbst noch und welchen?

Ich gehe hauptsächlich joggen. Drei mal pro Woche, jeweils zwischen zehn und 15 Kilometer. Und dann noch ein bisschen Bauch, Beine, Po. Man wird ja auch älter.

Welche Bedeutung hat das Sportabzeichen heute?

Es führt gerade die Kinder zu sportlicher Vielseitigkeit. Und weil sie vieles ausprobieren können, führen sie das vielleicht im Verein fort.

Stimmt das Klischee, wonach sich viele Kinder gar nicht mehr bewegen wollen?

Das kann ich nicht bestätigen. Ich hatte jetzt mit weit über 100.000 Kindern zu tun, und nur fünf von ihnen hatten keinen Bock. Vor allem die unter Zwölfjährigen sind absolut bewegungswild, das begeistert mich.

Welchen Stellenwert hat das Sportabzeichen für Menschen mit Behinderung?

Sie können sich körperlich ausprobieren und sehen, was trotz ihrer Einschränkung möglich ist. Viele empfinden die Einschränkung dann nicht mehr als solche und sind stolz auf das Erreichte.

Legen Sie selbst das Sportabzeichen ab?

Das mache ich immer mal auf der Tour. Ich habe den Prüfungsbogen in der Tasche und lasse ihn dann abhaken. Obwohl ich schon so alt bin, dass ich nur noch 50 Meter sprinten darf. Als ich das vor vier Jahren merkte, lachte sich Stabhochspringer Danny Ecker kaputt. Jetzt läuft er mit mir zusammen 50 Meter.

Frank Busemann würde also bestehen?

(lacht) Kein Problem. Wenn nicht, müsste man die Anforderungen überdenken. Ich schaffe sogar das Schwimmen, und das als Leichtathlet. Aber Schwimmen ist ein elementarer und wichtiger Baustein des Sportabzeichens.

Mit welcher Perspektive bestreiten Sie in Immenhausen den Promilauf?

Ich hoffe, mit guter. Auch wenn es nur ein Showelement ist. Viel lieber würde ich mal wieder so richtig einen rausrotzen.

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