Interview mit SG P/S-Spielerin

„Führen immer gleiche Diskussion“ - Fußballerin Luisa Hühnert über Klischees

„Wir führen immer wieder die gleichen Diskussionen, müssen uns dafür rechtfertigen, unserem Hobby nachgehen zu wollen“, sagt Fußballerin Luisa Hühnert.
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„Wir führen immer wieder die gleichen Diskussionen, müssen uns dafür rechtfertigen, unserem Hobby nachgehen zu wollen“, sagt Fußballerin Luisa Hühnert (Bild liegend).

Wir haben mit Luisa Hühnert, Kapitänin von Frauenfußball-Kreisoberligist SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund über Klischees, Anerkennung und die Zukunft des Frauenfußballs gesprochen.

Eschwege/Schemmern – Vor über 50 Jahren, am 31. Oktober 1970, hob der Deutsche Fußball-Bund das Verbot des Frauenfußballs auf. Seitdem duellieren sich bundesweit Mädchen- und Frauenmannschaften im offiziellen Spielbetrieb, sehen sich aber bisweilen noch immer Vorurteilen ausgesetzt.

Wir haben uns mit Luisa Hühnert, Kapitänin von Frauenfußball-Kreisoberligist SG Pfaffenbachtal/Schemmergrund, der Thematik angenommen und über Klischees, Anerkennung und die Zukunft des Frauenfußballs gesprochen.

Luisa, du bist mittlerweile seit einigen Jahren im Vereinsfußball aktiv. Wie oft musstest du dabei gegen Vorurteile und Klischees ankämpfen?

Das war leider sehr häufig der Fall und gehört noch immer ein Stück weit zur Normalität. Verändert hat sich einzig die Art und Weise negativer Kommentare. Früher wurde man regelmäßig beleidigt, heute wird sich lustig gemacht. Die Klischees haben sich definitiv gehalten, obwohl es mittlerweile selbstverständlich ist, als Mädchen oder Frau Fußball spielen zu dürfen.

Auf welche Vorurteile spielst du konkret an?

Von „alle Frauen, die Fußball spielen, sind lesbisch“ und „Fußball ist Männersport“ bis hin zu „euch kann man ja nicht zugucken“ ist so ziemlich alles dabei. Wir führen immer wieder die gleichen Diskussionen, müssen uns dafür rechtfertigen, unserem Hobby nachgehen zu wollen. Das ist nach wie vor ein Phänomen, das offensichtlich vor allem den Fußball betrifft und im Breiten- wie Spitzensport aktuell ist. Natürlich gibt es überall Unterstützer, die den Frauenfußball fördern. So zum Beispiel auch bei uns im Verein. Aber insgesamt sprechen wir von Akzeptanz, während die Toleranz oft fehlt.

Im Kreis sind nur noch sechs Frauenmannschaften im Spielbetrieb gemeldet. Wie beobachtest du die Entwicklung des Frauenfußballs und siehst du Zusammenhänge zwischen rückläufigen Zahlen und nach wie vor bestehenden Klischees?

Ich glaube schon, dass es da einen Zusammenhang gibt und viele Spielerinnen auch Probleme damit haben, sich immer wieder mit negativen Äußerungen auseinandersetzen zu müssen. Zudem, so ehrlich müssen wir sein, wird der Frauenfußball im Breitensport oftmals als reiner Kostenfaktor betrachtet, der kaum Einnahmen generiert. Das trägt sein Übriges dazu bei.

Die Zukunft des Frauenfußballs im Kreis wird alles andere als rosig?

Das befürchte ich, ja. Es fehlt vielerorts die Bereitschaft, Zeit zu investieren und Strukturen zu entwickeln. Und wenn Mädchen dann schon im Kindesalter zu hören bekommen, dass nur Jungs Fußball spielen sollten, kann es keinerlei Veränderung geben. Denn dann bleibt die Zielgruppe ohnehin fern. Im Umkehrschluss hilft nur eins: umdenken und dem Trend durch gezielte Aktionen bewusst gegensteuern.

Zuletzt wurde Heiko Vogel, Trainer der zweiten Mannschaft von Borussia Mönchengladbach, aufgrund unsportlichen Verhaltens gegenüber zwei Schiedsrichter-Assistentinnen eine ungewöhnliche „Teilstrafe“ aufgebrummt: Er muss bis zum Saisonende sechs Trainingseinheiten eines Frauen- oder Mädchenteams leiten. Wie stehst du dazu?

Ein solches Vorgehen ist meiner Meinung nach völlig indiskutabel und widersprüchlich in sich. Wie man einen Trainer, der Frauen die Daseinsberechtigung auf dem Sportplatz abspricht, dazu verdonnern kann, ein Mädchen- oder Frauenteam trainieren zu müssen, und dies als Strafe abtut, erschließt sich mir überhaupt nicht. Auf Verbandsseite werden hier falsche Wege eingeschlagen, die mit Gleichberechtigung nichts zu tun haben. (Lea Hüther)

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