Tischtennis

Für Claudia Richter lief nichts nach Plan

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Ball und Tischtennisschläger braucht Claudia Richter zurzeit nicht: Weil ihr Team abgemeldet wurde, ist sie wie ihre Mitspielerinnen für eine Saison gesperrt. 

Im vergangenen Sommer wechselten Claudia Richter und Maria Schiefner vom TTC Richelsdorf zum thüringischen Oberliga-Vizemeister TTZ Sponeta Erfurt.

Richelsdorf – Es schien der richtige Schritt zu sein: Dort wollten sie sich einer neuen sportlichen Herausforderung stellen und den Aufstieg in die Regionalliga in Angriff nehmen. So war es mit den Verantwortlichen des Klubs jedenfalls abgesprochen.

Doch daraus wurde nichts für Richelsdorfs Ausnahmespielerin Claudia Richter, die ihren Stammverein einst in die Regonalliga geführt hatte. Sie und Maria Schiefner, die in Erfurt lebt, sollten keinen einzigen Ballwechsel für die Thüringer spielen.

Und das kam so: „Uns waren vom Verein Trainingskleidung und Trikots versprochen worden. Doch das wurde immer auf die lange Bank geschoben“, erzählt Claudia Richter. Auch das vereinbarte Training mit Landescoach Frank Schulz habe nur ein einziges Mal stattgefunden. Und das verpasste die Wildeckerin auch noch, weil ihre Kinder an jenem Wochenende krank waren.

In der Woche vor dem ersten Punktspiel in Leipzig hätten die Erfurter dann ihre nächste Zusage gebrochen, die das Fass zum Überlaufen brachte. Vereinbart war, so Claudia Richter, dass sie mit ihrem eigenen Auto zu Heim- und Auswärtsspielen nach Erfurt anreist. Für die teils sehr weiten Fahrten in fremde Hallen sollte dann aber vom TTZ Sponeta ein Auto für das Viererteam gemietet werden.

„Plötzlich hieß es, dass ich die Mannschaft in meinem Auto zu allen Auswärtsspielen fahren soll“, berichtet die 30-jährige Wildeckerin. Ihre neuen Teamkolleginnen hätten es abgelehnt, ihren eigenen Pkw dafür einzusetzen, weil sie sonst die mit ihren Kfz-Versicherungen vereinbarte Kilometer-Jahresleistung überschreiten würden. Und ihre Verträge ändern wollten sie nicht.

Dass sie das Mannschaftstaxi sein sollte, hörte Claudia Richter nicht etwa aus dem Munde eines verantwortlichen Klubfunktionärs, sondern lediglich von der Mannschaftsführerin.

Nun reichte es den beiden Neuzugängen. Claudia Richter und Maria Schiefner verkündeten, dass sie unter diesen Umständen zum ersen Punktspiel in Leipzig nicht für den TTZ Sponeta Erfurt antreten würden. Sponsor und Vereins-Namensgeber Sponeta ist übrigens ein in Thüringen beheimateter, namhafter Hersteller von Tischtennistischen.

Der Klub reagierte auf eine sehr eigene Art: Er meldete das Team aus der Oberliga ab. Und das erfuhr Claudia Richter von ihrem Richelsdorfer Trainer Robert Rimbach. Er war zufällig im Internet darauf gestoßen.

Der Rückzug hatte gravierende Folgen für die Spielerinnen: Satzungsgemäß wurden Richter und ihre Mitstreiterinnen für die komplette Saison gesperrt.

Um in Bewegung zu bleiben, meldete sich Claudia Richter daraufhin mit ihrem Mann spontan bei der Tennisabteilung des TV Obersuhl an. Nach 25 sehr erfolgreichen Jahren, in denen sie sogar einmal die Südwestdeutsche Meisterschaft gewonnen hatte, war ihr nun eine Zwangspause vom Tischtennis verordnet worden.

Diese hat für sie mittlerweile auch einen sehr positiven Aspekt. Sie hat nun mehr Zeit für die Familie, gerade an den Wochenenden. „Ich vermisse Tischtennis überhaupt nicht“, wundert sie sich selbst ein bisschen.

Langeweile kommt jedenfalls nicht auf. Ihr Sohn Leon, der im März sieben Jahre alt wird, spielt Fußball und Tennis. Die vierjährige Tochter Sophia turnt und reitet. Da ist die Mama gefordert, die als Sekretärin der Geschäftsführung im Klinikum Bad Hersfeld auf einer halben Stelle arbeitet.

Ob Claudia Richter jemals wieder den Tischtennisschläger in die Hand nehmen wird, weiß sie noch nicht. Sollte ein Team anklopfen, in dem das Zusammengehörigkeitsgefühl stimmt, wäre ein Comeback denkbar, sagt sie. Denn dieses Gefühl vermisst sie bisweilen schon ein bisschen.

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