Fußball-Bundesliga

„Danke für alles und macht’s gut“ - Stimmen von Eintracht-Fans zur Situation in Frankfurt

Ausgelassener Jubel in Frankfurt: Auf dem Rasen läuft es für die Eintracht bestens.
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Ausgelassener Jubel in Frankfurt: Auf dem Rasen läuft es für die Eintracht bestens.

Die Stimmung bei Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt könnte wegen des sportlichen Höhenflugs nicht besser sein. Wären da nicht die Abgänge der gesamten sportlichen Führung am Saisonende.

Hersfeld-Rotenburg – Nun ist es offiziell: Adi Hütter, Trainer von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt, verlässt den Verein im Sommer und wechselt zu Ligakonkurrent Borussia Mönchengladbach. Damit bricht der SGE zum Saisonende die komplette sportliche Führung weg, da auch Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner den Verein im Sommer verlassen.

Vor allem die Nachricht, dass Coach Hütter den Verein trotz des sportlichen Erfolgs verlässt, sorgte bei den Eintracht-Fans aus dem Kreis für Enttäuschung – mit wütendem und verständnislosem Beigeschmack. Dabei hätten die Frankfurter Fans durch den sportlichen Erfolg ihres Teams aktuell jeden Grund zur Freude. Doch die Art und Weise der Abgänge lässt die Eintracht-Familie zum Teil fassungslos zurück.

„Das Loyalität im Fußball nicht mehr so eine große Rolle spielt, kennt man mittlerweile von Spielern, aber nicht vom Trainer oder anderen Funktionären“, zeigt sich Andreas Kurz enttäuscht. Für den Spielertrainer des Kreisoberligisten SG Heinebach/Osterbach ist die Entscheidung Hütters, der 2018 aus der Schweiz nach Frankfurt kam, nicht nachvollziehbar – vor allem im Hinblick auf den sportlichen Erfolg der SGE, zu dem auch Hütter seinen Teil beigetragen hat. „Ich hatte gedacht, dass er noch weiter macht und die Lorbeeren erntet“, sagt der 35-Jährige aus Neuenstein und fügt hinzu: „Hütter denkt nur an seine Karriere. In zwei bis drei Jahren wird er sich auch aus Gladbach verabschieden und sich etwas Neues suchen.“

In Frankfurt auf der Zielgeraden: Trainer Adi Hütter.

Noch vor knapp fünf Jahren ist die Eintracht in der Relegation nur knapp dem Abstieg entkommen. Mittlerweile steht der Klub mit einem Bein in der Champions League – zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte. „Das ist wie im Traum. Manchmal muss man gezwickt werden, ob das wirklich wahr ist“, sagt der Adlerträger aus Neuenstein, der dem Fanclub EFC Mückenstürmer beiwohnt. Doch der sportliche Erfolg hätte sich angedeutet. „Der Verein hat sich finanziell gut gefestigt und die Transferarbeit hat über Jahre Früchte getragen. Das haben wir maßgeblich der Arbeit von Bobic, Hütter und Co. zu verdanken“, betont er und fügt hinzu: „Das muss nun weitergeführt werden.“

Dass die Frankfurter Eintracht diesen großen Umbruch in der sportlichen Führung gut bewältigen wird, davon ist Kurz überzeugt: „Der Verein steht über allem und auch das wird Frankfurt meistern.“ Für ihn gilt nun: „Danke für alles und macht’s gut – auf nimmer Wiedersehen.“

Den Höhenflug der Eintracht genießt auch André Krämer. Seit 30 Jahren ist der Wildecker Fan der SGE und hofft nun auf die erfolgreiche Qualifikation zur Champions League, bedauert aber gleichzeitig, dass man nicht im Stadion am Erfolg teilhaben kann. „In der Europa League habe ich alle Heimspiele besucht“, blickt er wehmütig zurück. „Ich hoffe, dass der Trainerwechsel keine Auswirkungen auf den weiteren Saisonverlauf hat“, sagt Krämer zum Abschied von Adi Hütter, ist sich aber sicher, dass der Coach die Serie sauber durchziehen werde.

In Frankfurt auf der Zielgeraden: Sportvorstand Fredi Bobic.

Sollte der historische Erfolg, die Teilnahme an der Champignons League und die damit verbundene weitere Steigerung der Attraktivität der Eintracht gelingen, dann dürfte seiner Meinung nach die Suche nach einem neuen Trainer leichter fallen. Anfreunden kann er sich auf jeden Fall mit den neusten Meldungen, dass Ralf Rangnick in Doppelfunktion als Trainer und Sportvorstand im Gespräch ist. „Der hat auf Schalke und in Leipzig gute Arbeit geleistet, daher halte ich ihn durchaus für denkbar und keine schlechte Lösung“.

Besondere Brisanz sieht er noch mal am Wochenende, wo die Eintracht bei Borussia Mönchengladbach, dem künftigen Verein von Adi Hütter antreten muss. „Wieder ein richtungsweisendes Spiel“, ist er sich sicher. Krämer weiß, wovon er spricht. War er doch selbst mal bei der SG Wildeck als Interimstrainer tätig. Aktiv blieb er weiterhin am Ball, musste aber aus privaten Gründen auf die Übungsleitertätigkeit verzichten.

„Ich bleibe! Nur zwei simple Worte – allerdings mit einer klaren Aussage. Im Fußball gibt es aber wohl kein Ehrenwort mehr. Schade“, ärgert sich Jahn Böhm, Vorsitzender des EFC Adlerhorst Waldhessen. Die Abgänge von Bobic und Hütter würden einen faden Beigeschmack hinterlassen“, findet der 47-Jährige, der in Ronshausen lebt. „Aber ich sage auch ganz klar: Spieler, Trainer, Manager kommen und gehen – wir Fans bleiben und nichts ist größer als der Verein. Ich genieße auf jeden Fall den Blick auf die Tabelle, und auf die Entwicklung in allen Bereichen der letzten Jahre“, sagt Böhm. Er ist davon überzeugt, dass der Verein mittlerweile stark genug aufgestellt sei, um auch diese Situation zu meistern.

Ganz gelassen sieht Tino Hölzer aus Meckbach die Situation. „Ich verstehe die ganze Aufregung nicht. Wir sind Eintracht Frankfurt und stehen kurz vor Platz drei und ziehen voraussichtlich erstmals in die Champions League ein“, sagt er. Und auch sonst stünde der Klub richtig gut da. Wirtschaftlich deutlich besser als die meisten anderen Vereine in Europa.

Deshalb fragt er: „Sollen wir uns wirklich von Personalfragen aus der Ruhe bringen lassen?“ Sowohl für Bobic als auch Hütter bekäme man gutes Geld – und sicher auch gute Nachfolger. „Jetzt mal schön locker bleiben und weiterhin durch die Hosenträger atmen, fleißig Punkte sammeln und ganz seriös arbeiten“, meint Hölzer.

Von Alicia Kreth, Thomas Becker und Sascha Herrmann

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