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„Shkodran kann Schalke helfen“: Ehemalige Weggefährten drücken Mustafi die Daumen

Die damalige D-Jugend des SV Rotenburg von Coach Ernst Sippel (rechts), wo Shkodran Mustafi (stehend, Mitte) einst spielte. Mit ihm kickten: oben von links Arne Sippel, Jan Bayer, Patrik Schneider, Christoph Treibert, Steffen Kanngießer, Artur Penner; unten von links Christopher Ziermann, Dominik Stöhr, Christian Gebauer, Timo Nuhn, Ilja Gershgorin, Christian Gutwein. Es fehlen Mehmet Sekerci und Daniel Stabel. Links im Bild Jugendleiter Klaus-Dieter Orth.
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Einst beim SV Rotenburg: Bis auf ein Remis gab es nur Siege für die D-Jugend von Coach Ernst Sippel (rechts), wo Shkodran Mustafi (stehend, Mitte) einst spielte. Mit ihm kickten: oben von links Arne Sippel, Jan Bayer, Patrik Schneider, Christoph Treibert, Steffen Kanngießer, Artur Penner; unten von links Christopher Ziermann, Dominik Stöhr, Christian Gebauer, Timo Nuhn, Ilja Gershgorin, Christian Gutwein. Es fehlen Mehmet Sekerci und Daniel Stabel. Links im Bild Jugendleiter Klaus-Dieter Orth.

Shkodran Mustafi hat als Fußball-Profi in England, Spanien und in Italien gespielt. Jetzt wechselt der aus Bebra stammende Verteidiger in die Fußball-Bundesliga zu Schlusslicht Schalke 04. Wir haben mit ehemaligen Weggefährten über Erinnerungen aus der Jugend und seinen Wechsel nach Deutschland gesprochen.

Bebra/Gelsenkirchen/London – Mit dem SV Rotenburg feierte Shkodran Mustafi 2005 in der D-Jugend und 2006 in der C-Jugend jeweils die Bezirksliga-Meisterschaft. Wenn sein ehemaliger Mitspieler Steffen Kanngießer auf diese Zeit zurückblickt, erinnert er sich an äußerst erfolgreiche Jahre. „Wir hatten damals einen sehr guten Jahrgang und sind mit ihm in die Oberliga aufgestiegen – daran hatte er großen Anteil“, sagt der Kapitän der SG Rotenburg/Lispenhausen in der Kreisliga A.

Schon damals hätte Mustafi das Ziel Profifußballer vor Augen gehabt. „Ich habe jede Station von ihm sehr intensiv verfolgt. Der Kontakt war immer mal da“, sagt Kanngießer. Sein persönliches Highlight, das ihn mit dem neuen Schalker verbindet, stammt aus Mustafis Zeit beim spanischen Erstligisten FC Valencia. „Ich habe damals Karten für das Spiel in Madrid von ihm bekommen“, sagt der Stürmer.

„Wir haben viele schöne Zeiten hier in der Jugend verbracht“, erinnert sich auch Patrik Schneider. „Wir waren im Kreis wie der FC Bayern, wir haben alles gewonnen“, sagt der Verteidiger der SG Rotenburg/Lispenhausen. „Wenn man ihn im Fernsehen sieht, denkt man sich schon: Warum habe ich es nicht geschafft“, sagt Schneider und lacht. Dennoch freut er sich, dass Mustafi nun den Schritt in die Bundesliga gemacht hat. „Ich hoffe, dass er der Mannschaft mit seiner Erfahrung helfen kann.“

Mustafi-Wechsel zum FC Schalke 04: „Eine ganz neue Bühne für ihn“

Ausschließlich positive Erinnerungen, vor allem an Mustafis körperliche Präsenz auf dem Platz, hat auch Christian Gutwein. „Jede Flanke, die du ihm gebracht hast, hat er rein gemacht“, sagt der 28-Jährige, der heute für die SG Cornberg/Rockensüß aufläuft. Auch wenn der Kontakt im Laufe der Jahre immer weniger wurde, hat Gutwein den Weg seines ehemaligen Kollegen stets verfolgt. „Dadurch, dass er jetzt in der Bundesliga spielt, bekommt man auch wieder mehr mit“, sagt Gutwein. „Das ist eine ganz neue Bühne für ihn.“ Nun könne er sich neu beweisen – auch für die Nationalmannschaft.

Die Nachricht mit der Bekanntgabe des Mustafi-Wechsels zog am Dienstag den einen oder anderen Leser auf die Homepage des FC Schalke 04.

Christopher Ziermann, der heute Kapitän der Reserve des TV Braach in der Kreisliga B ist, erinnert sich: „Donny hatte damals schon wirklich gute Tricks drauf, aber das hatten andere in dieser Mannschaft auch“, sagt er. Von den vielen talentierten Mitspielern hat es außer Mustafi keiner über die Gruppenliga hinaus geschafft. „Was er allen meilenweit voraushatte, waren neben dem Körperlichen vor allem Ehrgeiz, Disziplin und Führungsstärke. Deswegen kann ich mir gut vorstellen, dass er für eine so verunsicherte Mannschaft wie Schalke sehr wertvoll wird.“

Die Einstellung zum Fußball-Profi hatte Shkodran Mustafi bereits in der Jugend

Auch wenn Artur Penner (SG Rotenburg/Lispenhausen) den Wechsel sportlich nicht als Fortschritt sieht, sei es für Mustafi der richtige Weg. „Auf Schalke ist er ein absoluter Führungsspieler“, sagt Penner, der mit Mustafi unter anderem bei Werder Bremen für einen Internatsplatz vorspielte. „Donny“, wie ihn seine ehemaligen Mannschaftskollegen nennen, hätte schon in der Jugend die Einstellung eines Profis gehabt, sagt Penner. „Es ist schön, zu sehen, dass es einer von uns geschafft hat.“

Dass der Fußball schon immer alles für ihn war, erkannte man auch bei seinem Heimatverein FV Bebra. „Wenn man seine damaligen Betreuer und Trainer fragt, die sind alle Feuer und Flamme“, betont Rainer Gleim, Sportlicher Leiter des Vereins und ehemaliger Jugendleiter. „Wir haben gute Erinnerungen an ihn. Er hat einen Haufen Tore geschossen und bei ihm ist kein Ball verloren gegangen.“ Durch den Wechsel zum FC Schalke 04 würde Mustafi auch wieder mehr Spielzeit bekommen und seine Leistung zeigen können, ist sich der ehemalige Jugendleiter sicher. Außerdem besteht seine Hoffnung, dass sich Mustafi nun wieder öfter in Bebra am Sportplatz blicken lässt. „Jetzt ist es ja nicht mehr so weit“, sagt Gleim.

Wechsel von Mustafi zu Schalke: ‚Daumen hoch‘ kam über das Handy

Wahrscheinlich als einer der ersten wusste am Sonntagabend Martin Diebel, Erster Vorsitzender des Sportvereins und Wirt des „Forsthauses“ in Niederaula, vom Wechsel Shkodran Mustafis. Das liegt nicht nur daran, dass die Knappen sein Herzensverein sind, seitdem ihm sein großer Bruder Joachim einst zum legendären 6:6 im Pokal gegen die Bayern mitnahm, sondern auch daran, dass er ein gutes Verhältnis zu Shkodrans Vater Kujtim hat. Und Shkodrans Cousin Bekim in Niederaula in der ersten Mannschaft spielt. „Mit Kujtim hab ich schon die ein’ oder andere Zigarre beim Fußball geraucht. Mit ihm telefoniere ich ab und zu mal. Als ich ihn per Handy fragte, ob Shkodran ein Kandidat bei Schalke sei, kam als Antwort ‘Daumen hoch‘. Das hätte ich bis vor Kurzem nie geglaubt.“

Diebel ist bei den Spielen der Schalker in der Bundesliga genauso nervös wie bei denen der SGN in der Kreisoberliga. Während Niederaula aber in der Tabelle eine gute Rolle spielt, steht Schalke am Abgrund. „Ich gebe aber gerade jetzt die Hoffnung nicht auf, obwohl mein Bruder sagt, ich würde träumen. Ich drücke ihm die Daumen. Shkodran kann Schalke helfen.“ Der Vorsitzende hofft, dass der Weltmeister von 2014 auch einmal in Niederaula vorbeischaut: „Letztes Jahr ist er ja auch einmal in Obergeis gesichtet worden.“

Zur Person: Shkodran Mustafi

Shkodran Mustafi (28) ist in Bad Hersfeld geboren und in Bebra aufgewachsen. Seine Familie stammt aus Gostivar in Mazedonien. Das Talent des zweikampf- und kopfballstarken Innenverteidigers wurde schon früh erkannt. Stützpunktrainer Jochen Schäfer nominierte ihn für die Kreisauswahl. In der Jugend spielte er zunächst in Bebra und Rotenburg im Angriff, dann im Nachwuchsleistungszentrum des HSV in der Verteidigung.

Er wechselte nach Everton, danach nach Genua. Zwischenzeitlich war er auch für die Nationalelf nominiert, mit der er 2014 Weltmeister wurde. Weitere Stationen waren der spanische Erstligist FC Valencia sowie Arsenal London, wo er fast viereinhalb Jahre unter Vertrag war. Bei Arsenal wurde er 102 mal eingesetzt und erzielte sieben Treffer. Nach der Europameisterschaft heiratet Mustafi seine Lebensgefährtin, das Model Vjosa Kaba. Das Paar hat eine Tochter (Noemi) und einen Sohn (Amar).

Von Alicia Kreth Und Hartmut Wenzel

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