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Auf dem besten Weg zum Traumberuf

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Von: Sebastian Reichert

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Stolze Spielführerin: Ilayda Icier (Zweite von links) bei einem Testspiel gegen Aserbaidschan.
Stolze Spielführerin: Ilayda Icier (Zweite von links) bei einem Testspiel gegen Aserbaidschan. © privat/nh

Ilayda Icier aus Lohfelden wird das türkische Fußball-Nationalteam bei der U19-Europameisterschaft als Kapitänin aufs Feld führen. Die 17-jährige Torhüterin, die vor der Saison vom KSV Hessen Kassel zu Hannover 96 wechselte, lebt aktuell das Leben einer Profi-Fußballerin. Am Montag geht es in Griechenland gegen Schweden.

„Ich kann mich ein Jahr ganz auf den Fußball konzentrieren“, freut sich Ilayda Icier. Nachdem sie den Abschluss an der Fachoberschule Gesundheit in der Tasche hat, wird sie erst im Oktober 2023 mit einer Ausbildung zur Physiotherapeutin in Bad Wildungen beginnen. Und die Zwischenzeit nutzt sie für den Leistungssport.

„Ich träume schon von klein an davon, Profi-Fußballerin zu werden“, erzählt die 17-Jährige. Dass das für sie aktuell in greifbarer Nähe ist, ist angesichts von drei schweren Knieverletzungen, die sie sich 2018 und 2019 zugezogen hatte, nicht selbstverständlich. Doch 2022 gab es –abgesehen von einem Fingerbruch im März – sportlich bislang nur positive Nachrichten für die Nordhessin.

Im Januar war Ilayda Icier erstmals zu einem Trainingslehrgang der türkischen U19-Nationalmannschaft eingeladen worden. Ende Juni informierte dann Hannover 96 über einen Neuzugang bei den Frauen. „Ilayda ist ein sehr ehrgeiziges Torwarttalent. Sie bringt einen großen Willen mit“, sagte 96-Trainer Sebastian Baar damals über die Lohfeldenerin.

Bei den „Roten“, die den Aufstieg von der Regionalliga in die zweite Bundesliga anvisieren, wurde Ilayda Icier als planmäßige Nummer eins geholt. Am 14. September debütierte sie dann im Testspiel gegen Aserbaidschan (3:0) für die türkische Nationalmannschaft – und das gleich als Spielführerin.

„Das war mein erstes Länderspiel. Ich hatte überhaupt nicht damit gerechnet, von Nationaltrainerin Begüm Üresin zur Kapitänin bestimmt zu werden“, berichtet die Torhüterin. „Das war ein besonderes Gefühl für mich. Schön, dass ich so viel Vertrauen bekomme.“

Nun freut sich Ilayda Icier auf die EM. In der ersten von zwei Qualifikationsrunden, die vor der Endrunde anstehen, spielt die Türkei im 24 000 Zuschauer fassenden Pampeloponnisiako-Stadion im griechischen Patras gegen Schweden, die Niederlande (7. Oktober) und Griechenland (10. Oktober).

Um ihren Traum von einer Fußballkarriere wahr werden zu lassen, investiert Ilayda Icier sehr viel. Sie lebt schon jetzt fast wie eine Profi-Sportlerin. Dreimal in der Woche fährt die 17-Jährige mit dem ICE von Kassel zum Training nach Hannover. Um kurz vor Mitternacht ist sie jeweils wieder zu Hause. Beim KSV Hessen schiebt sie noch ein-bis zweimal zusätzliche Einheiten mit Torwart-Trainer Michael Gibhardt.

Zudem steht zweimal Athletik-Training bei Tuncay Aral und Turgay Gölbasi in der Soccer-Academy Kassel an. An den freien Vormittagen zieht die frühere Schwimmerin der TSG Niederzwehren noch einige Bahnen im Kasseler Auebad und macht Übungen im Fitnessstudio. Aktuell bereitet sich die B-Lizenz-Inhaberin außerdem darauf vor, im kommenden Jahr in Grünberg die Torwarttrainer-Lizenz zu machen.

„Ilayda ein sehr starker Charakter. Sie hat hart dafür gekämpft, das türkische Nationaltrikot zu tragen“, sagt die türkische U19-Nationaltrainerin Begüm Üresin. „Obwohl sie noch jung ist, hat sie sich sogar als Trainerin weitergebildet und besitzt schon das Uefa-B-Zertifikat. Das zeigt, wie sehr Ilayda es schätzt, Fußballspielerin zu sein. Ich hoffe, dass sie das Trikot der türkischen Nationalmannschaft noch viele Jahre tragen wird.“

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