SELBST VERSUCHT

Kontaktlos: Fußballtraining auf Abstand beim CSC 03

Der Ball muss über das Netz: Unser Autor Maximilian Bülau (links) beim Fußballtennis mit den CSC-Spielern Maximilian Werner (rechts) und Simon Probst (Mitte).
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Der Ball muss über das Netz: Unser Autor Maximilian Bülau (links) beim Fußballtennis mit den CSC-Spielern Maximilian Werner (rechts) und Simon Probst (Mitte).

Sportplätze öffnen wieder, erste Sportarten, erste Vereine kehren zurück in ein Training, das nun ganz neuen Vorgaben unterliegt. So auch beim Fußball. Unser Redakteur hat es selbst versucht.

Kassel – An Schienbeinschonern scheiden sich die Fußballgeister. Die einen schwören auf den Schutz – je massiver, desto besser. Die anderen nehmen lieber Würstchenpappen oder Taschentücher. Alles andere behindert nur. Bei manchen sitzen sie akkurat, bei anderen hängen sie auf halb acht. Im Spiel sind sie Pflicht, im Training freiwillige Ergänzung. Und so handhabt es jeder unterschiedlich. Beim Training des Verbandsligisten CSC 03 trug niemand Schienbeinschoner. Obwohl mit Roy Keßebohm ein durchaus kompromissloser Zweikämpfer dabei ist. Aber: Training im Amateurfußball ist derzeit eben vor allem eins: kontaktlos.

Corona ist die Zeit der Listen. Wo man hinkommt: Erst einmal gilt es, sich in eine solche einzutragen. Name, Adresse, Telefonnummer, Unterschrift – nur falls etwas sein sollte. Vorher die Hände desinfizieren. So auch beim CSC. Auf der Jahnkampfbahn wird wieder trainiert. Auch wenn das Google-Ergebnis noch „Vorübergehend geschlossen“ verlauten lässt. Für die Spieler gibt es Vordrucke, sie müssen nur noch unterschreiben. Ich als Gast muss alles selbst eintragen. Trainer Lothar Alexi hat mich aber angekündigt.

Alexi hatte am Telefon bereits erzählt, dass er Fußballtennis-Felder bestellt hat. Bei der Ankunft ist er gerade dabei, diese aufzubauen. Der Coach löst die Aufgabe des eingeschränkten Trainings derzeit so, dass er die Spieler in mehrere Gruppen aufteilt, die an unterschiedlichen Stationen arbeiten. Spielformen sind nicht möglich, Zweikämpfe verboten ebenso wie Kopfbälle. Laufen, Passspiel, Torschuss, Fußballtennis. Das geht. Und das steht an.

Zwischen den Stangen: CSC-Trainer Lothar Alexi (Mitte) begutachtet die technischen Fähigkeiten von HNA-Redakteur Maximilian Bülau.

Wenn Mannschaften nach langer Zeit wieder ins Training einsteigen, dann geht es momentan aber nicht nur um Fußball. Es geht auch um Spaß, um Gemeinschaft, ums Wiedersehen. Alexi ist das bewusst. Er weiß wie alle anderen nicht, wann überhaupt wieder gespielt wird, wann wieder richtig trainiert werden darf, wann die Normalität zurückkehrt. Deswegen sind die Einheiten derzeit nicht so intensiv wie sie es in der Vorbereitung oder im Spielbetrieb wären.

Als Umkleidekabine dient die „altehrwürdige Tribüne“, wie Alexi sie nennt. Alle kommen bereits in Trainingskleidung, nur der Schuhwechsel steht noch an. Die Tribüne bietet genug Fläche, dass jeder einen Platz findet, dennoch Abstand hält. Alles kontaktlos eben.

Auf dem Rasen sind dann die neuen Fußballtennisfelder begehrt. Beim Spielen gibt es aber – zumindest für mich – ein großes Problem. Die Gewohnheit. Mehrmals wurden vorab die Regeln besprochen. Keine Kopfbälle! Den zweiten oder dritten Ball, der zu mir kommt, spiele ich mit dem Kopf in die gegnerische Hälfte. Freue mich, dass er schwierig zu kontrollieren ist. Bin fast ein wenig stolz. Aber dann – Pause. „Max keine Kopfbälle“, sagt Alexi. Ein bisschen schäme ich mich, dass ich die klare Anweisung so schnell vergessen habe. Die Gewohnheit ist ein harter Gegner. Der Ball wird zur Außenlinie gespielt und desinfiziert. Das ist Vorgabe und wird umgesetzt.

Anschließend wird es einfacher für mich. Laufen, passen, laufen und passen – da muss der Kopf zwar arbeiten, kommt aber nicht in Kontakt zum Ball. Torschüsse und zum Abschluss noch einmal Fußballtennis. In meinem Team: Daniel Beyer und Roy Keßebohm. Erfahrung pur. Ganz ohne Grätsche kommt Keßebohm dann doch nicht aus – allerdings nur nach dem Ball, wenn der sonst nicht zu erreichen ist. Mich grätscht er dagegen nicht um – auch wenn mir der eine oder andere technische Fehler unterläuft und es wohl nötig gewesen wäre, mal ein Zeichen zu setzen. Ich schiebe es für mich einfach auf den Platz. So ist Fußball.

Nach anderthalb Stunden ist Schluss. Dann wird abgebaut. Das Tor weggetragen. Die besonders Eifrigen laufen noch ein paar Diagonale übers Feld. Physiotherapie findet am Spielfeldrand mit Mundschutz statt. Auf der altehrwürdigen Tribüne gibt es noch ein Bier. Es wird geredet, gescherzt, gelacht. Der eine oder andere geht früher, viele bleiben sitzen. Training ist bei Lothar Alexi gerade keine Pflicht. Wieder auf dem Platz zu stehen, macht aber einfach Spaß.

VON MAXIMILIAN BÜLAU

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