Er pfeift gegen den Trend

Nico Konrad ist Fußball-Schiedsrichter aus Leidenschaft

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Anpfiff: Schiedsrichter Nico Konrad verschaffte sich Respekt und ist auf dem Weg nach oben.

Der Schiedsrichtermangel ist ein leidiges Thema. Seit vielen Jahren schon, aber dennoch immer brisanter. Zumal viele der wenigen Kandidaten nach absolvierter Ausbildung in der Praxis scheitern. 

Anfeindungen vielerlei Art durch Spieler, Trainer und Zuschauer lassen die neuen Schiris allzu oft resignieren. Doch es gibt auch Ausnahmen.  Doch es gibt auch andere Beispiele – Unparteiische, die die ersten schlechten Erfahrungen bewältigen, Spaß finden und eine Perspektive sehen. So wie Nico Konrad vom Tuspo Rengershausen.

Seit gut zwei Jahren pfeift der 21-Jährige nun schon Gruppenliga, in den Junioren-Bundesligen kommt er als Assistent zum Einsatz. „Es macht Spaß, ich bin körperlich deutlich fitter geworden und habe viele neue Freunde darüber gefunden“, sagt er und schildert den Reiz der Schiedsrichterei: „Es ist ein außergewöhnliches Hobby. Man muss dafür gemacht sein, jede Woche eine Menge dumme Sprüche zu ertragen. Aber es gibt mir Genugtuung, wenn ich es geregelt habe, dass 22 Leute vom Platz gehen und sagen, sie hatten einen schönen Nachmittag.“

Wie er zum Pfeifen kam? „Durch die Liebe zum Fußball. Ich war als Spieler nicht sehr begabt und hatte auch nicht mehr genügend Zeit dazu. So bin ich jetzt trotzdem dabei.“ Angeregt wurde Konrad durch seinen Klub, für den er bis dahin gespielt hatte. Der Tuspo fragte ihn, ob er nicht pfeifen wolle. Und bemühte sich auch seither um ihn – ein Engagement, das nicht alle Vereine aufbringen. Und dann Probleme mit dem Schiedsrichtersoll bekommen.

Verleidet wurde Konrad die Tätigkeit als Unparteiischer bisher nicht. Und das, obwohl er Pöbeleien und Bedrohungen genauso ausgesetzt ist wie seine Kollegen. Einmal musste er eine Kreisligapartie abbrechen, weil ein Spieler ihn schlagen wollte. „Man darf nicht zu lange darüber nachdenken, sondern muss ein dickes Fell entwickeln. Auch darf man das Erlebte nicht persönlich nehmen und nicht darauf eingehen. Sonst bietet man erst recht eine Angriffsfläche“, sagt Konrad. Ohnehin sei er auf dem Platz wie „im Tunnel“ und bekomme vieles nicht mit: „Oft ist eher der Assistent an der Linie betroffen.“

Dabei ist dem Rengershäuser klar, dass es nicht ohne eigene Fehler geht. „Man macht sie immer, muss sie sich aber selbst eingestehen und daran arbeiten, es ohne Perfektionsanspruch besser zu machen“, erklärt er. Eine höhere Liga als Ziel hat Konrad nicht. „Ich wollte anfänglich immer selbst ein Gespann leiten. Das habe ich geschafft und bin weiter engagiert dabei und will immer die beste Leistung bringen.“

Nur bedingt nachvollziehen kann der 21-Jährige, dass Kollegen bald resignieren. „Den Druck von außen gibt es natürlich. Man sollte aber nicht zu schnell aufhören, sondern an sich arbeiten. Es lohnt sich.“

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